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Im Marketingkreisen wird des Öfteren darüber diskutiert, welches Potenzial das Medium Film für Unternehmen hat. Auch und gerade im Zuge des Internets existiert eine größere Community, der Unternehmen ihre Film präsentieren können. Die immer schnelleren Internetverbindungen mit DSL und Breitband sichern eine Übertragung in annehmbarer Qualität. Aber eine wichtige Frage bleibt doch: Was bringt mir ein solcher Film? Ist er zielführend im Rahmen meiner Marketingstrategie? Auf welche Weise beeinflusst ein solcher Business- oder Imagefilm, wir sprechen nicht von einem Werbespot, das Geschäft? Oder: ich möchte mein Unternehmensausrichtung verändern, ist dann ein Imagefilm das richtige Werkzeug? Grundsätzlich lohnt sich das Medium Film für ein Unternehmen. Aber man sollte schon wissen, wo und wie man diesen Film einsetzt. Denn nicht selten wird ein Film sehr aufwendig und teuer produziert, aber nur eine Handvoll Leute bekommt ihn zu sehen.

Die Redaktion der IEE unterhielt sich mit dem Filmemacher und Geschäftsführer der Filmplattform Eberhardt Fetz über die Wirkung von Business- und Imagefilmen. Den Rahmen für dieses Gesprächs, bildete das Museum für Kommunikation in Frankfurt. Historisch knüpfen die Sammlungen des Museums an die Gründung des Reichspostmuseums durch Heinrich von Stephan im Jahre 1872 an. Daher spiegeln sie die Sammlungsgeschichte der Vorgängerinstitutionen wider, wobei die zahlreichen aufgelösten regionalen Museen und Sammlungen in Stuttgart, Hannover oder Münster in die heutigen Beständen eingeflossenen sind. Und so war es auch der Bereich Mediengeschichte mit den alten Rundfunk- und Fernsehapparaten, die Sende- und Studiotechnik, aber auch der Bereich Mediennutzung und Medienrezeption, Internet und Neue Medien, welcher immer wieder das Gespräch prägte.

Herr Fetz, wie kommt man ins Filmbusiness?

Fetz: Oh, ich habe nicht den direkten Weg in dieses Business eingeschlagen. Nach einer gewerblich-technischen Ausbildung an einer Fachoberschule im Bereich Maschinenbau – daher kommt auch meine Affinität zu diesem Thema – und danach habe ich Politik, Soziologie und Ethnologie in Mainz studiert. Zum Fernsehen kam ich durch Zufall. Nach einer Hospitanz bei 3sat eröffnete sich die Möglichkeit, das Fernsehbusiness von der Pike auf zu lernen und so war ich unter anderem bei der Wiso-Redaktion und verantwortlicher Redakteur für die Techniksendung Hitec und habe auch an der Entwicklung des Wissenschaftsmagazins Nano mitgearbeitet.

In dieser Zeit reifte bei mir auch die Idee, eine Internetplattform zu schaffen, auf welcher Fernsehjournalisten Firmenfootage recherchieren können. So etwas gab es bis dato noch nicht. Üblicherweise musste ein Journalist für einen Filmbeitrag mühsam bei allen relevanten Unternehmen anfragen. Und so haben wir 2001 die Filmplattform gegründet. Neben der Internetplattform haben wir aber auch angefangen Filme zu produzieren und diese den Sendern anzubieten.

Museum im Detail

Museum für Kommunikation

Das Museum für Kommunikation in Frankfurt setzt Kommunikation kunstvoll in Szene: Im mehrfach preisgekrönten Museumsbau am Schaumainkai erhält das Publikum einen umfassenden Einblick in die Geschichte der Kommunikation. Als Besonderheiten gelten die Abteilung Kunst und Kommunikation und das lebendige Angebot der Kinderwerkstatt. In der Dauerausstellung ‚Medien erzählen Geschichte(n)‘ kann der Besucher auf 2.500 m² die Entwicklung der Kommunikation erleben. Der Ursprung des Museums liegt in der Auslagerung der Sammlung des Berliner Reichspostmuseums während des Zweiten Weltkriegs: 1945 wurden Teilbestände durch amerikanische Soldaten nach Hessen überführt, wo sie den Grundstock für das Museum bildeten. Untergebracht in einer Gründerzeitvilla, gehörte es zu den ersten Museen am Frankfurter Schaumainkai – dem späteren Museumsufer.

Welches Genre von Filmproduktionen haben Sie denn damals adressiert, waren das ausschließlich Image- und Businessfilme?

Fetz: Unser Schwerpunkt ist Wissenschaft und Technik. Wir arbeiten für die Fraunhofer Gesellschaft, für das VDI Technologie Zentrum und für verschiedene Einrichtungen in diesem Bereich. Unser Ansatz war es, zu sagen: „Wissenschaft und Technik spielen in den Medien, gemessen an der Bedeutung welche sie für Deutschland haben, eine viel zu untergeordnete Rolle“. Wir brauchen mehr Technik und Wissenschaft im Fernsehen, gerade auch in der heutigen Situation, wo alle bedauern, dass zu wenig Jugendliche sich für Technik begeistern und es an Nachwuchs mangelt. Das Leitmedium ist nunmal das Fernsehen.

Natürlich machen wir auch für Unternehmen Filme. Aber es sollten schon Innovationen im Mittelpunkt stehen. Ein guter Film sollte emotionalisieren, Gefühle ansprechen und gleichzeitig wichtige Informationen vermitteln. Und somit einen positiven Eindruck vom Unternehmen hinterlassen.

Ich kann mir aber vorstellen, dass die Unternehmen ihre Neuigkeiten zwar gerne zeigen möchten, aber beim Medium Film habe ich doch die Möglichkeit technische Neuigkeiten detaillierter zu zeigen. Und das möchte man doch aus Wettbewerbsgründen siche auch wieder nicht?

Fetz: Ich würde sagen, die großen Innovationen sind doch eher Softwarebasierend, oder es sind Details, die nicht so augenfällig sind. Damit möchte ich sagen, das, was wir drehen und zeigen, bewegt sich dann doch eher an der Oberfläche. Und wir drehen ja im Kundenauftrag, das heißt, wir nehmen nichts auf, was das Unternehmen nicht zeigen möchte oder dessen Marktposition beeinträchtigen könnte.

Was unterscheidet den Technischen Dokumentarfilm, also das dokumentieren von Technik, von den Filmen, die in Ihrem Hause produziert werden?

Fetz: Der Anspruch, den wir haben und auch weitgehend umsetzen, ist, dass wir Themen, die eine breite Öffentlichkeit interssieren könnten, auch so umsetzen, dass man es nachvollziehen kann. Ähnlich wie Sie Ihre Arbeit als Fachjournalist. Sie sind ja auch eine Art Übersetzer. Wir drehen also journalistische Filme, das heißt, redaktionell gestaltete Beiträge, die sich an einem Magazinbeitrag orientieren, also journalistisch sauber recherchiert und aufbereitet sind. Es ist nicht das sachlich, kalte Dokumentieren von technischen Features. Wir versuchen die Technik auch in gesellschaftliche Themen einzubinden. Was wir den Sendern anbieten sollte auch eine gesellschaftliche Relevanz haben.

Es gibt wenige Firmen, die es mit ihren technischen Themen in eine Fernsehsendung schaffen. Woran liegt das?

Fetz: Das hat wiederum etwas mit den Produkten zu tun. Unternehmen die Konsumerprodukte herstellen haben es natürlich leichter, andere fertigen Produkte, die ihre Wirkung oder ihre Anwendung Einfluss auf das gesellschaftliche Leben nehmen.

Können Sie uns einen Rat geben, wie Unternehmen die sich mit dem Medium Film auseinandersetzen, vorgehen sollen?

Fetz: Also es hat in erster Linie immer etwas mit Geld zu tun. Damit meine ich, dass die Firma für den Anspruch, den sie an den Business-Film hat, die richtige Größe haben muss. Für kleine Firmen bietet sich eventuell dann ein Produktfilm an. Gerade für das Internet ist dies sinnvoll, denn der Trend geht zum Bewegtbild. Auch ein Produktfilm ist schon für das Marketing sinnvoll. Je größer dann ein Unternehmen ist, ich sage mal eine Aktiengesellschaft, so ist es sicher gut beraten, Footage von ihrer Produktion, Produktentwicklung und weiteres anzufertigen. Footage ist schneidbares Filmmaterial für Fernsehjournalisten.

Wie oft greifen Fernsehjournalisten, nach Ihren Erfahrungen, auf Material der Filmplattform zurück?

Fetz: Das ist zum einen themenabhängig, zum anderen auch von der Aktualität. Aber wir haben schon einen regen Betrieb auf unserer Plattform. Besonders sind das natütlich auch kleinere Sender oder Produktionen, die nicht soviel Geld haben, um sich viele Filmteams zu leisten. Uns geht es auch darum, die Unabhängigkeit der Fernsehredaktion zu berücksichtigen. Also wenn ein redaktionell gestalteter Beitrag von uns downgeloaded wird, dann wird dieser nicht 1:1 übernommen. Sondern die Kollegen klammern sich das heraus, was sie gebrauchen können.

Passt das überhaupt, Film und Technikjournalismus?

Fetz: Genau darum geht es uns ja. Wir wollen immer wieder Formen finden, wie man Technik darstellt beziehungsweise spannend darstellen kann. Das ist eine Herausforderung, vor der wir jedes Mal stehen.

Was benötige ich um einen guten Film über Technik machen zu können?

Fetz: Wie gesagt, am interessantesten sind die Geschichten, die auch das Leben der Meschen betreffen oder positiv verändern. Dann ergeben sich nachhaltige Bilder. Business-, Technik oder Imagefilme sollten in ein Marketingkonzept eingebunden sein, damit sie auch gesamtheitlich wirken. Das hat auch manchmal damit zu tun, dass in den Presse- und Marketingabteilungen nicht die Leute sitzen, die schon mal mit Film zu tun hatten. Die meisten kommen aus dem Printbereich. Als gutes Beispiel kann man Festo nennen, die ein ganzheitliches Konzept haben.

Manche Firmen beschäftigen sich mit dem Gedanken eine Art Firmen-TV einzuführen. Wie denken Sie darüber?

Fetz: Firmen-TV ist ein Teil der Unternehmenskommunikation und macht gerade bei großen Konzernen Sinn. Es muss aber auch mit den entsprechenden Themen bestückt sein.

Gehört es zu einer guten Presseabteilung, dass sie neben den herkömmlichen Pressemittelungen und Bildern auch Footage bereitstellt?

Fetz: Na gut, soweit möchte ich jetzt nicht gehen. Aber es funktioniert heute viel mehr mit Bewegtbild. Sicher gibt es gute Bilder, aber ein Film packt eben doch mehr, auch den Journalisten, der über ein Unternehmen berichten soll. Wenn ein Bild schon mehr als tausend Worte sagen soll, was sagt denn ein Film dann aus. Eine Filmsekunde besteht aus 24 Bildern.

Film, Fernsehen und Video haben die Kommunikation verändert. Wir sind hier im Kommunikationsmuseum und sehen hautnah, wie sich das verändert hat. Inwieweit wird das Internet und insbesondere der sogenannte Webcast weitere Veränderungen bewirken?

Fetz: Das Internet verändert die Kommunikation schon allein dadurch, dass es die Sehgewohnheiten verändert. Es gibt ja schon heute viele Leute die sich ihr Programm im Internet zusammenstellen. Aber auch die Anspüche an die Qualität der Filme, ich meine jetzt die Bildqualität, wird sich ändern. Handyfilme sstehen nicht gerade für Qualittät. Wie dies sich am Ende auswirkt, kann ich aber nicht absehen. Aber der Platz wo vermehrt Film gezeigt wird, der wird sich auf jeden Fall in Richtung Internet verlagern.

Sollten Fachverlage, die heute Crossmedial arbeiten, also Print und Internet anbieten, auch Footage anbieten?

Fetz: Das macht auf jeden Fall Sinn, weil es eine zusätzliche, ja abrundende Darstellung der technischen Inhalte ist. Ich kann im Film andere Inhalte vermitteln als im Text. Je komplexer die Dinge, umso eher eignet sich auch der Einsatz von Filmen. Da sollten sich Fachverlage mal ihre Gedanken machen.

Wäre eine ‚Sendung mit der Maus‘ auf einem hohen Level sinnvoll?

Fetz: Ja, davon träumen alle. Wenn wir in Gesprächen mit den Unternehmen sind, kommt die Idee immer wieder auf. Leider hat es einfach noch keiner gemacht.

Zwei Zitat zum Abschluss. „Guter Technikjournalismus ist ein kostbares Gut“, sagte Prof. Milberg von der Acatech. Wie sehen Sie das?

Fetz: Absolut, gute Technikjournalisten können im Zweifel auch gegen den Strom, ich meine den Mainstream, anschwimmen, wenn sie Technikthemen interessant und spannend darstellen.

„Der Glaube es gäbe nur eine Wirklichkeit, ist die gefährlichste Selbsttäuschung.“

Fetz: Das ist unbestritten so. Natürlich muss man skeptisch sein wenn man Fernsehen schaut. Das gilt auch heute für Fotos. Solche Dinge werden immer von Menschen hergestellt und Menschen haben immer ihre eigene Vorstellung von den Dingen. Da schadet die Bereitschaft, sich Dinge kritisch anzusehen, auf keinen Fall.

Film, insbesonder Business- Image und Techikfilme, sind Ihr tägliches Busniss. Möchten sie nicht gerne einmal einen Spielfilm à la Hollywood machen?

Fetz: Nein, überhaupt nicht. Den Ehrgeiz hatte ich nie. Das ist nicht meine Welt und da gibt es Andere, die können das besser.