Große Koalition für OPC DX

Steuerungs- und Kontrollaufgaben werden immer häufiger von verteilten Automatisierungssystemen übernommen. Gleichzeitig kommen in großen Anlagen Automatisierungssysteme unterschiedlicher Hersteller zum Einsatz. Dem problemlosen Datenaustausch zwischen verschiedenen Systemen kommt eine zunehmende Bedeutung zu.

Von den führenden Feldbusorganisationen FF (Fieldbus Foundation), ODVA (Open DeviceNet Vendor Organization) und Profibus International wurde zusammen mit den Firmen Emerson Process Management, Rockwell Automation und Siemens unter dem Dach der OPC Foundation ein Konzept zum systemübergreifenden Datenaustausch auf Basis von Ethernet ausgearbeitet. Dieser neue Standard unter der Bezeichnung OPC DX (Data Exchange) erfüllt folgende Zielsetzung:
? Austausch von nicht-zeitkriti- schen Anwendungsdaten zwi- schen Automatisierungssyste- men unterschiedlicher Hersteller.
? Definition einer Engineering- Schnittstelle, um die Konfigura- tion des Datenaustausches aller in einer Anlage beteiligten Sys- teme zu ermöglichen.
Was ist OPC DX?
OPC DX basiert auf der existierenden Spezifikation OPC Data Access Version V2, mit der Automatisierungssysteme beispielsweise Daten für HMI-Systeme zur Verfügung stellen können. Auf Basis von OPC Data Access werden z. B. von einem Provider (in der Regel einer SPS oder einem Prozessleitsystem) Daten an einen Client (z. B. HMI-System) geliefert. Die Verarbeitung der Daten erfolgt individuell im Client. So sind zahlreiche anwendungs- und herstellerspezifische Lösungen entstanden.
Für verteilte Automatisierungs-Systeme ist ein gleichberechtigter Datenaustausch zwischen allen beteiligten Subsystemen erforderlich. Bei OPC DX wurden die Funktionen für data access und data exchange für den Provider und den Client definiert. Dies vereinfacht signifikant die Aufwendungen für einen Datenaustausch zwischen Automatisierungssystemen unterschiedlicher Hersteller.
Im Vergleich zu den bekannten Feldbussystemen oder den Ethernet-basierten Kommunikationssystemen verfügt OPC DX über eine eingeschränkte Funktionalität und Performance. So erfordert der Zugriff auf die Feldebene nach wie vor Feldbussysteme (wie Profibus) oder Kommunikationssysteme wie Profinet. Der Vorteil von OPC DX liegt in der durchgängigen Interoperabilität zwischen Automatisierungssystemen unterschiedlicher Hersteller.
Im Rahmen von OPC DX wird auch ein System Configuration Interface spezifiziert, über das die angeschlossenen Server konfiguriert werden. Die Schnittstelle kann entweder in ein unabhängiges Tool oder in ein herstellerspezifisches Engineering Tool integriert werden. Für Diagnosezwecke lassen sich u. a. Informationen über den Status der Verbindungen und die übertragenen Werte darstellen.
Der Funktionsumfang der ersten Stufe von OPC DX wird bewusst begrenzt, um eine schnelle Verfügbarkeit am Markt sicher zu stellen. Erweiterungen sollen mit Erkenntnissen aus den praktischen Einsatzerfahrungen in zukünftigen Versionen einfließen.
Zukunftsaussichten
Die OPC Foundation plant auf der Hannover Messe im April 2002 erstmals eine Mulitvendor-Pilotanlage mit OPC DX vorzustellen. Die ersten serienreifen Produkte werden voraussichtlich ab Herbst 2002 angeboten.
OPC DX wird von den führenden Feldbusorganisationen und den führenden Automatisierungsherstellern getragen. Sie ist grundsätzlich für Anwendungen in der Fertigungs- und Prozessautomatisierung geeignet. Die Unabhängigkeit von einer bestimmten Feldbuslösung und die gewählte OPC-Plattform soll weltweit zu einer hohen Akzeptanz führen. OPC DX werden gute Chancen eingeräumt, sich als “Single Communication Standard” weltweit durchzusetzen.

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