Bildquelle: Siplace

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Der Siemens-Konzern veräußert sein Geschäft mit Siplace-Bestückautomaten. Käufer ist die in Hongkong ansässige ASM Pacific Technology Ltd., einer der weltweit führenden Hersteller von Anlagen und Maschinen im Halbleiter- und LED-Bereich. Günter Lauber, CEO des Siplace-Teams, sieht in dem Eigentümerwechsel große Chancen für Kunden, Mitarbeiter und Marke. Als industrieller Investor aus dem Elektronikmarkt, innovationsgetrieben, mit hohem Qualitätsanspruch und einem gut ausgebauten Vertriebsnetz in Asien, ist ASMPT für Günter Lauber eine passende strategische Ergänzung und der Wunschkandidat für die Übernahme.

Herr Lauber, wie bewerten Sie den Verkauf von Siplace durch den Siemens-Konzern?

Günter Lauber: „Ganz kurz gefasst? Konsequent, bestens vorbereitet und chancenreich. Konsequent, weil Entwicklung und Vertrieb von Bestückautomaten nicht mehr zum Kerngeschäft des Siemens-Konzern zählen. Der Verkauf von Siplace ist somit folgerichtig. Bestens vorbereitet, weil sich das Siplace-Team mit Carve-Out, Excellence-Programm und Cluster-Organisation seit Monaten und mit großem Erfolg bei Führungs-, Organisations- und Kostenstrukturen auf die Arbeit als agiler, weltweit und kundennah tätiger Mittelständler vorbereitet hat. Und besonders chancenreich, weil mit ASM Pacific Technology ein industrieller Investor gewonnen werden konnte, der im dynamischen Elektronikfertigungsmarkt zuhause ist, sich als Technologie- und Innovationspartner seiner Kunden versteht und dessen globale Aufstellung sich mit unserer ergänzt. Ich sehe sehr gute Chancen, dass von diesem Verkauf alle profitieren: Siemens und ASM, aber besonders auch unsere Kunden, unsere Mitarbeiter und die Marke Siplace.“

War ASM Pacific Technology auch ihr persönlicher Wunschkandidat für die Übernahme?

Günter Lauber: „Ja, das stimmt. Eine Kernfrage bei den Verhandlungen war, ob die Käufer über eine Strategie verfügen, die eine Zukunft für Standorte und Arbeitsplätze gewährleistet. ASMPT hat hier überzeugt. ASMPT legt wie wir den Fokus auf technologische Innovationen und qualitativ hochwertige Lösungen. Bereits heute investiert das Unternehmen mehr als 10 % seines Umsatzes in R&D – das passt zu uns und unserer weltweiten Technologieführerschaft. Im Produktportfolio, bei den regionalen Schwerpunkten und den strategischen Zielen ergänzen sich ASMPT und Siplace.2

Wie wird die künftige Struktur aussehen?

Günter Lauber: „Es ist geplant, das Siplace-Team innerhalb der ASMPT als eigenen Bereich zu führen. Unsere neuen Strukturen und die neue, weltweite Cluster-Organisation werden von ASMPT sehr positiv bewertet. Große Änderungen bei Mitarbeitern, Standorten und Strukturen sind derzeit nicht geplant. Das ist auch wichtig und richtig, weil unsere Kunden gerade jetzt einen auf ihre Bedürfnisse fokussierten Partner brauchen. Denn nur mit guter Betreuung und passgenauen, innovativen Lösungen können sie maximal von der wirtschaftlichen Belebung der Weltmärkte profitieren. Mir zeigt dieses Verständnis auch, wie gut ASMPT sich im Bereich der Elektronikfertigung auskennt. Über die ASMPT-Vertriebsnetze in Asien werden wir darüber hinaus viele neue Kunden von unseren Lösungen überzeugen können. Auch unsere Fertigung wird mittelfristig beim Sourcing für Materialien und Zulieferer profitieren können.

Der Standort München bleibt globales Siplace-Kompetenzzentrum, die weltweite Cluster-Organisation bleibt bestehen. Zusätzlich werden wir aus München auch Backend Assembly- und Packaging-Lösungen unterstützen.. Das macht für viele Fertigungsprozesse unserer Kunden Sinn – etwa bei der Bestückung von Die-Komponenten oder LEDs.“

Wie haben die Mitarbeiter die Entscheidung zum Verkauf aufgenommen?

Günter Lauber: „Ich würde es als „aufmerksame Zuversicht“ bezeichnen. Naturgemäß und insbesondere kurz nach einer weltweiten Wirtschaftskrise verunsichern solche Veränderungen viele Mitarbeiter. Auf der anderen Seite sehen die Mitarbeiter die großen strategischen Chancen, die sich uns mit ASMPT eröffnen. Wir haben einen industriellen Investor gewonnen, der seine umfangreichen Ressourcen ganz auf Lösungen für die Elektronikfertigung fokussiert – die Arbeit unserer Mitarbeiter erfährt in einer solchen Konstellation eine ganz andere Wertschätzung. Darüber hinaus hat uns Siemens in den Verhandlungen sehr gut unterstützt.

ASMPT bleibt im Tarifverbund, die finanzielle Ausstattung ist gut und die Verhandlungen waren zu jeder Zeit von großem Respekt und dem Willen zur Zusammenarbeit geprägt. Ich sehe hier ein sehr solides Fundament, auf das unsere Mitarbeiter vertrauen können.“

Gibt es schon Reaktionen von Kunden?

Günter Lauber: „Hier ist die Kommunikation gerade angelaufen. Das Top-Management von ASM Pacific Technology und Siplace wird sich hier aktiv und persönlich involvieren. Ich und das gesamte Management-Team werden in naher Zukunft Kunden in aller Welt besuchen. Auch hier bin ich überzeugt: Die Kunden werden die Veränderungen aufmerksam verfolgen und schnell die darin liegenden Chancen und Potenziale für sich erkennen. In der Betreuung wird sich nichts ändern: Die persönlichen Ansprechpartner bleiben und sind einem Service auf höchstem Niveau verpflichtet. Schon seit Monaten zeigen wir mit einer Innovationsoffensive und starken Lösungen wie beispielsweise der neuen Siplace SX-Plattform unsere mit der neuen Mittelstandsstruktur kontinuierlich gewachsene Kraft und Flexibilität. Auf diesem Wege werden wir weitermachen, auch weil ASMPT ein stark qualitäts-, service- und innovationsgetriebenes Unternehmen ist. Das alles werden die bestehenden Kunden, aber auch viele neue Kunden honorieren.

Stichwort Innovationen. Was ist hier von Siplace zu erwarten?

Günter Lauber: „ASMPT und Siplace bedienen derzeit benachbarte, aber bisher getrennte Fertigungsschritte. Noch im Herbst werden wir zahlreiche Neuerungen einführen. Da ist beispielsweise die Siplce SX4, die als Linienlösung mit weltweit unerreichter Floorspace-Performance für High Speed-Anwendungen großer Fertiger ebenso interessant ist wie als flexibel konfigurierbare Standalone-Lösung in kleinen, hochflexiblen Fertigungen. Wie bekannt erstrecken sich unsere Innovationen aber weit über die Hardware hinaus. Auch mit neuen Software- und Servicelösungen werden wir die Effizienz in der Elektronikfertigung weiter steigern und Wettbewerbsvorteile für unsere Kunden generieren. Darüber hinaus werden wir im Rahmen unserer Build-to-Order Initiative mit neuen bedarfs- und nutzungsorientierten Leih- und Finanzierungsmodellen das Interesse der Märkte auf uns ziehen.

Im Bereich unserer Siplace CA-Lösung und bei der Bestückung von Flipchip- und Die-Komponenten gibt es erste Anknüpfungspunkte zum ASM-Portfolio. Hier verlangt der Markt beispielsweise in der LED-Fertigung, bisher getrennte Prozesse und Produkte in effizienten Lösungen zu integrieren. Technologisch eine große Herausforderung, die wir gemeinsam mit ASMPT bewältigen wollen und können. Sie sehen: Unsere strategische Position hat sich stark verbessert, davon werden unsere Kunden profitieren.“

Die letzte Frage: Kann der Verkauf noch scheitern oder ist er an Bedingungen geknüpft?

Günter Lauber: „Das erwarte ich nicht. Wir gehen von einem Closing spätestens zu Beginn des kommenden Jahres aus. Natürlich brauchen wir wie immer bei solchen Transaktionen die formale Zustimmung der Wettbewerbsbehörden und auch der Anteilseigner von ASM. Angesichts der wiedererstarkenden Weltwirtschaft und der stark wachsenden Nachfrage im Bereich der Elektronikfertigung sind auch vom Markt keine negativen Überraschungen zu erwarten. Auch hier gilt also: Es ist alles gut vorbereitet. Wir können uns ganz auf unsere Arbeit und die Anforderungen unserer Kunden fokussieren.