Nach dem erfolgreichen Vorjahr wirkten im abgelaufenen Geschäftsjahr 2001 der größte Markteinbruch in der Geschichte der Halbleiterindustrie und die Abschwächung der Weltwirtschaft deutlich negativ auf die Geschäftsentwicklung des Unternehmens. Hauptgrund dafür war der starke Preis- und Nachfrageeinbruch in den wichtigsten Treibermärkten Speicherprodukte und Kommunikation. Ergebnis und Umsatz gingen im abgelaufenen Geschäftsjahr deutlich zurück. Trotz des schwierigen Marktumfeldes stieg der Umsatz in den Nicht-Speicherbereichen um 10 Prozent.


„Wir haben konsequent auf den größten Einbruch in der Halbleiterindustrie reagiert und umfangreiche Maßnahmen eingeleitet wie das bereits greifende Kostensenkungsprogramm Impact und die Reduzierung der geplanten Sachinvestitionen“, sagte Dr. Ulrich Schumacher, Vorstandsvorsitzender der Aktiengesellschaft, auf der zweiten ordentlichen Hauptversammlung des Unternehmens nach dem Börsengang. Zusammen mit der soliden Ausstattung an Finanzmitteln hat das Unternehmen damit gute Voraussetzungen, um gestärkt aus der gegenwärtigen Krise hervorzugehen. Nach dem Marktrückgang von voraussichtlich mehr als 30 Prozent im vergangenen Kalenderjahr gibt es erste positive Anzeichen bei Speicherchips und der mobilen Kommunikation, aber noch keine klaren Signale für eine nachhaltige Markterholung.


„In unseren Kernsegmenten Kommunikation, Automobilelektronik und Speicherprodukte haben wir trotz des schwierigen Umfeldes auch im Geschäftsjahr 2001 Marktanteile hinzugewonnen und gehören dort zu den Marktführern. Technologisch, strategisch und operativ sind wir in diesen dynamischen Zielmärkten sehr gut für den nächsten Aufschwung gerüstet“, erläuterte Dr. Schumacher.


Für die Entwicklung von zwei Leistungshalbleiterfamilien, durch deren Einsatz sich beispielsweise der Energieverbrauch von Haushaltsgeräten um bis zu 30 Prozent senken lässt, hat das Unternehmen den Innovationspreis der deutschen Wirtschaft 2001erhalten. „Damit haben wir uns einen deutlichen Technologievorsprung erarbeitet“, so Dr. Schumacher. „Diesen Erfolg verdanken wir vor allem dem überzeugendem Engagement unserer Mitarbeiter, die konsequent daran arbeiten, Infineon an die Spitze der technologischen Entwicklungen zu setzen.“


Ergebnisse im abgelaufenen Geschäftsjahr


Im abgelaufenen Geschäftsjahr ging der Umsatz aufgrund der starken Abschwächung im Halbleitermarkt um 22 Prozent auf 5,67 Milliarden Euro zurück. Das EBIT (Gewinn vor Zinsen und Steuern) sank auf minus 1,02 Milliarden Euro, nach einem positiven EBIT von 1,67 Milliarden Euro im Vorjahr. Der Nettoverlust betrug 591 Millionen Euro, gegenüber einem Gewinn von 1,13 Milliarden Euro im Vorjahr. Der Verlust pro Aktie für das Geschäftsjahr 2001 lag bei 0,92 Euro, im Vergleich zu einem Gewinn pro Aktie von 1,83 Euro im Geschäftsjahr 2000. Dr. Schumacher: „Das Ergebnis wurde durch den starken Preisverfall, insbesondere bei den Speicherprodukten, Bestandsabwertungen und die Kosten für ungenutzte Kapazitäten in den meisten Nicht-Speicher-Segmenten negativ beeinflusst.“


Ergebnisse des ersten Quartals


Im ersten Quartal des laufenden Geschäftsjahres hat das Unternehmen einen Umsatz von rund einer Milliarde Euro erzielt. Gegenüber dem Vorquartal bedeutet dies einen Umsatzrückgang um 5 Prozent. Das Ergebnis belief sich auf einen Nettoverlust von 331 Millionen Euro. Der Verlust je Aktie beläuft sich im ersten Quartal damit auf 0,48 Euro. Positiv wurde der Umsatz laut Dr. Schumacher vor allem durch die stark wachsende Nachfrage nach Speicherchips und eine moderate Erholung der Nachfrage im Bereich mobile Kommunikation beeinflusst. Diese Effekte konnten jedoch den weiteren Nachfragerückgang im traditionellen Telekommunikationsgeschäft nicht vollständig ausgleichen. Das EBIT im abgelaufenen Quartal war nach wie vor vom extremen Preiskampf im Speichermarkt und zunehmendem Preisdruck auch in den anderen Segmenten geprägt.


Kostensenkungsprogramm Impact


Auf den größten Nachfrageeinbruch in der Geschichte der Halbleiterindustrie hat Das Unternehmen im Juli 2001 mit seinem umfassenden Kostensenkungsprogramm Impact zur Sicherung der Wettbewerbsfähigkeit entschlossen reagiert. „Dieses Programm haben wir in Rekordzeit umgesetzt. In weniger als fünf Monaten ist es uns gelungen, liquiditätswirksame Einsparungen in Höhe von über 1,5 Milliarden Euro zu erzielen und abzusichern“, so Dr. Schumacher. Dazu gehören unter anderem erhebliche Einsparungen in den Bereichen Einkauf, IT-Services, Overhead, Marketing und Vertrieb sowie Logistik. Dabei sind über 70 Prozent der Einsparungen nicht personalbezogen.


Außerdem hat das Unternehmen n seine Sachinvestitionen an die schwierige Marktsituation angepasst und auf wichtige Innovationen, technologische Kernkompetenzen und die konsequente Steigerung der Produktivität konzentriert, wie beispielsweise die Produktion von Chips auf 300-Millimeter-Siliziumscheiben am Standort Dresden. Leider erfordern die notwendigen Einsparungen aber auch Personalanpassungen. Weltweit werden insgesamt rund 5.000 Stellen abgebaut. Mit rund 4.400 Mitarbeitern weltweit wurden bereits erfolgreich Vereinbarungen zum Ausscheiden aus dem Unternehmen getroffen.


Strategischer Fokus Kommunikation


Das Unternehmen konnte trotz des schwierigen Marktumfeldes in seinen Zielmärkten wichtige Wettbewerbspositionen behaupten und seine Position weiter ausbauen. Im Segment Kommunikation mit den Bereichen drahtgebundene und mobile Kommunikation sowie Sicherheits- und Chipkarten-ICs konnte der Anteil am Gesamtumsatz von 31 Prozent im Vorjahr auf 42 Prozent im Geschäftsjahr 2001 erhöht werden. Um sich weiter vom Wettbewerb abzusetzen, sondiert das Unternehmen Akquisitionen im Telekommunikationsbereich.


Den finanziellen Spielraum verschafft unter anderem die erfolgreiche Platzierung einer Wandelanleihe mit einem Emissionsvolumen von rund 1 Milliarde Euro. Bei der strategischen Weiterentwicklung und Erschließung von Zukunftsmärkten lag im Jahr 2001 der Schwerpunkt der Akquisitionen in der Breitbandkommunikation und bei optischen Netzwerken. Mit der Übernahme von Catamaran Communications konnte die Marktführerschaft bei der optischen Hochleistungs-Datenübertragung mit 40 Gigabit pro Sekunde erfolgreich gestärkt werden. In der drahtgebundenen Kommunikation bleibt Infineon technologischer Vorreiter beim Ausbau des Internets mit zukunftsweisenden Lösungen bei Fiber Optics, in der Hochgeschwindigkeits- und Breitbandkommunikation sowie beim Internet-Zugang. In der mobilen Kommunikation ist Infineon Systemlieferant für GSM und einer der wenigen Anbieter von Komplettlösungen für mobile Telefone, die für ein schnelles Wachstum bei den nächsten Mobilfunkgenerationen GPRS und UMTS immer wichtiger werden.


Als Hersteller von Chipkarten-ICs zielt das Unternehmen mit Sicherheits- und Authentifizierungslösungen auf Wachstumsmärkte bei Online-Sicherheit, Identifizierungssystemen (Personal ID) und Biometrie. Wie hoch die erreichten Sicherheitsstandards sind, zeigt zum Beispiel ein Auftrag im November 2001 vom amerikanischen Verteidigungsministerium für Mitarbeiterausweise auf der Basis von sicheren Chipkarten.


Strategischer Fokus Automobil und Industrie


Sehr erfolgreich ist das Geschäftsjahr für den Bereich Automobil- und Industrieelektronik verlaufen. Mit einem Umsatzwachstum von rund 25 Prozent wurde die Nummer 1-Position in Europa und die Nummer 2-Position in der Welt gefestigt. Mit umfassender Systemexpertise und Komplettlösungen ist Infineon für den Wachstumsmarkt Telematik hervorragend aufgestellt. Auf Basis des umfassenden Technologieportfolios wird hier auch das System-Know-How aus verschiedenen Geschäftsbereichen kombiniert, beispielsweise aus der mobilen Kommunikation und Automobilelektronik für Anwendungen bei Infotainment, Navigation und Multimediasystemen.


Strategischer Fokus Speicherprodukte


Der Anteil des Geschäftsbereiches Speicherprodukte am Gesamtumsatz ist auf 28 Prozent zurückgegangen. Infineon ist in diesem Segment mit seiner Technologie- und Kostenführerschaft weltweit sehr gut positioniert. Neben der aggressiven Strukturverkleinerung spielt hier die 300-mm-Technologie eine wichrige Rolle. Das Untenehmen stellt die kleinsten Chips auf großen Wafern her. Dadurch können die Kosten der Chipproduktion um etwa die Hälfte gesenkt werden. Durch konsequente Nutzung dieser Kostenvorteile wird der Vorsprung gegenüber dem Wettbewerb weiter ausgebaut. Gleichzeitig fokussiert sich das Unternehmen verstärkt auf die wachstumsstarken und weniger volatilen Zielmärkte für Server- und Netzwerkspeicher.


Ausblick Geschäftsjahr


Die derzeitigen makro-ökonomischen Unsicherheiten und weiterhin schwierigen Marktbedingungen erschweren Vorhersagen für das laufende Geschäftsjahr. „Es gibt erste positive Anzeichen, aber noch keine ausreichenden Signale für eine nachhaltige Markterholung. Wir blicken dennoch mit vorsichtigem Optimismus in die Zukunft“, erläuterte Dr. Schumacher. Die aggressive Preispolitik einiger DRAM-Hersteller hat mittlerweile zu einer Konsolidierung im Markt für Speicherprodukte geführt. Im ersten Quartal 2002 haben sich die Preise für Speicherchips erholt, liegen aber weiterhin deutlich unter den Herstellungskosten. Das Unternehmen erwartet im ersten Halbjahr 2002 eine steigende Bit-Nachfrage, verbunden mit einer Normalisierung der Lagerbestände.


Die weitere Erholung der Preise für Speicherprodukte hängt jedoch von einer weiteren Konsolidierung des Speichermarktes und der Stärke der Nachfrage im PC- und Infrastruktur-Markt ab. Nach dem starken Nachfragerückgang in der mobilen Kommunikation sieht das Unternehmen erste Anzeichen für eine moderate Erholung in der ersten Jahreshälfte 2002, unter anderem durch die Einführung der neuen GPRS-fähigen Handy-Generation. Die anhaltende Schwäche der globalen Wirtschaft führte zu einem Rückgang der Investitionen in die Telekommunikationsinfrastruktur, die die Geschäftsentwicklung des Geschäftsbereichs drahtgebundene Kommunikation weiterhin belasten. Hier ist eine kurzfristige Entspannung derzeit nicht erkennbar.


Auch im Bereich Automobilelektronik ist, bedingt durch die schwache Konjunktur, mit einem schwierigen Marktumfeld zu rechnen. Aufgrund der verstärkten Nachfrage nach modernen Sicherheitslösungen, z.B. in der Biometrie, und der erwarteten Erholung des Marktes für mobile Kommunikation zeigt sich bei den Sicherheits- und Chipkarten-ICs langfristiges Wachstumspotenzial. „Wir verfügen über ausreichende Liquidität und finanzielle Flexibilität, um die Auswirkungen der aktuellen Marktbedingungen abzufedern“, sagte Dr. Schumacher.  „Die Halbleiterindustrie bietet sehr gute mittel- und langfristige Wachstumsperspektiven. In den letzten 40 Jahren ist der Markt im Durchschnitt um 14 Prozent jährlich gewachsen und bleibt damit Motor für die Modernisierung von Wirtschaft und Gesellschaft im Informationszeitalter.“