Johann Jungwirth (VW): „Beim vernetzten Fahrzeug: It´s still day one. Wir sind da noch ganz am Anfang.“

Johann Jungwirth (VW): „Beim vernetzten Fahrzeug: It´s still day one. Wir sind da noch ganz am Anfang.“ WP Steinheißer

„Der Durchbruch mit den slebstfahrenden Autos wird kommen – und zwar in wenigen Jahren“, prognostiziert Johann Jungwirth, Chief Digital Officer von Volkswagen, beim diesjähirgen Automobil Forum in München. In seinen drei Megatrends für die Zukunft prophezeit Jungwirth, dass Nachhaltigkeit mit elektrischen Antrieben ein ebenso wichtiger Punkt ist wie die Veränderungen in der Urbanisierung – vom eigenen Auto weg und hin zum Carsharing – und Digitalisierung, die Volkswagen mit dem selbstgeprägten Begriff „Self-Driving-System“ (SDS) anstrebt: „Es ist ganz wichtig, dass wir ein SDS entwickeln und viel Gas geben“, erklärt Jungwirth und meint, dass SDS einmal ein so gängiger Begriff wie ABS sein wird. In diesem Zusammenhang spricht Jungwirth auch von der Disruption in der Automobil-Industrie.

Den Verbrennungsmotor an sich sieht Jungwirth künftig in keinem Automobil mehr, vielmehr würde der Motor zerlegt. Dabei braucht die Technologie Sensorik, wie 360°-Laser, Radar, Kameras und Ultraschall- oder Nahfeldradar. Man brauche aber auch einen großen Zentralcomputer, „also wir wissen, dass wir da etwa 2 kW Strom verbrauchen – für die GPUs und CPUs“, erklärt Jungwirth und weiter:„wir haben da zwei Kühlkreisläufe.“ Wichtig seien nach Jungwirths Aussagen auch die Redundanz in der Lenkung und Bremsung, im Sensorik- und im Zentralrechnersystem – falls ein System ausfällt und es noch ein Backup gibt wie es heut auch im Flugzeugbereich üblich ist.

Der Motor wird zerlegt: SDS ist künftig das Herz im Auto.

Der Motor wird zerlegt: SDS ist künftig das Herz im Auto. Volkswagen

Self-Driving-System (SDS)

Alle aufgenommen Informationen der Sensoren laufen in dem „Gehirn auf der Leiterplatte“ zusammen. Dort wertet das Gehirn die Informationen aus und leitet sie an die Aktuatoren weiter, die dann die elektrischen Signale in mechanische Bewegungen umsetzen. Außerdem wird das Thema SDS verstärkt auf Softwareebene mit künstlicher Intelligenz voranschreiten, erklärt Jungwirth. Dabei spielen Perception, Situation Analysis, Path Planning, Decision Making und die lernende HD-Map eine wichtige Rolle. „Das SDS wird zum Herz im Automobil“, meint Jungwirth.

„Die Hardware –die beherrschen wir, die haben wir perfektioniert über die Jahre. Wir müssen uns zu einem integrierten Hardware-, Software- und Services-Konzern weiterentwickeln und das trifft die anderen Hersteller genauso, wenn sie in Summe erfolgreich sein wollen“, und dazu, meint Jungwirth weiter, müsse man sich Kenntnisse aneignen – in Bereichen wie Artificial Intelligence, Software, Clean Tech, Smart Data und Cloud.

Beim Automobil Forum 2016 in München warnte der Digitalchef bei Volkswagen davor, Silicon Valley als Feind zu sehen.

Beim Automobil Forum 2016 in München warnte der Digitalchef bei Volkswagen davor, Silicon Valley als Feind zu sehen. WP Steinheißer

Mehr Effizienz durch Car-Sharing

Beim Thema Nachhaltigkeit und Urbanisierung stand das Thema Shared Mobility auf Jungwirths Agenda: „Wir bräuchten nur ein Siebtel der jetzigen Automobile“, meint Jungwirth. Würden dann aber nicht die OEMs einen Erheblichen Umsatz einbußen? Nein, verdeutlicht Jungwirth: „Nach zwei Jahren wird das Auto ausgetauscht werden müssen.“

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Johann Jungwirth (VW): „Der Durchbruch mit den selbst fahrenden Fahrzeugen wird kommen – und zwar in wenigen Jahren.“
Jungwirth: „Nach zwei Jahren wird das Auto ausgetauscht werden müssen.“
Laut Jungwirth wird sich auch der Tesla-Unfall nicht negativ auf Entwicklung des autonomen Fahrens auswirken.
„Wir sind in intensiven Gesprächen mit Silicon Valley“, erklärte Jungwirth auf dem Forum.

Johann Jungwirth

Ein Mann, für den Duzen völlig ok ist: Johann Jungwirth hat eine steile Karriere hingelegt. 2008 wird er vom Manager Head Units für die New Telematic Generation zum Vice President of Connected Car bei Mercedes Benz North America befördert. Elf Jahre arbeitet er schon beim Daimler Konzern. Ab 2009 bekleidet er auch die Position des President & CEO. 2014 verlässt er Mercedes – für Apple und bekleidet dort die Position als Director Mac Systems Engineering. Dann ein Jahr später ein weiterer Wechsel, diesmal zurück in den Automotive-Bereich: Jungwirth ist nun Chief Digital Officer bei Volkswagen.