„Insgesamt werden wir als Continental insbesondere in den Automotive-Divisionen in den kommenden Jahren mit Milliardensummen in Forschung und Entwicklung den Weg zur Mobilität der Zukunft ebnen helfen“, erklärte Dr. Degenhart. „Für uns ist klar, dass automatisiertes Fahren ein Kernelement der Mobilität der Zukunft sein wird. Als Systemlieferant sind wir bestens aufgestellt, um für unsere Kunden bis 2016 bereits Lösungen für teilautomatisierte Systeme zu entwickeln und in Serie zu bringen. Erste Anwendungen hoch- und schließlich vollautomatisierten Fahrens, auch bei höheren Geschwindigkeiten und in komplexeren Fahrszenarien, können wir bis 2020 beziehungsweise 2025 serienreif entwickeln.“

Für Continental-Vorstand Dr. Elmar Degenhart ist klar, dass „automatisiertes Fahren ein Kernelement der Mobilität der Zukunft sein wird“.

Für Continental-Vorstand Dr. Elmar Degenhart ist klar, dass „automatisiertes Fahren ein Kernelement der Mobilität der Zukunft sein wird“. Continental

Technologisch stellt automatisiertes Fahren die Evolution des bereits eingeschlagenen Pfads der Fahrerassistenzsysteme dar. Ihre konsequente Vernetzung mit Fahrerinformations- und Antriebssystemen führe Conti zufolge schrittweise zum Ziel.
Bei teil- und hochautomatisierten Fahrzeugen muss der Fahrer jederzeit die Kontrolle übernehmen können, aber mit der Vollautomatisierung ab 2025 könnte auch dies nicht mehr erforderlich sein.

Automatisiertes Fahren: Schritt für Schritt

Technologisch stellt automatisiertes Fahren die Evolution des bereits eingeschlagenen Pfads der Fahrerassistenzsysteme dar. Ihre konsequente Vernetzung mit Fahrerinformations- und Antriebssystemen führt schrittweise zum Ziel. So könnten ab 2016 teilautomatisierte Systeme den Fahrer in Stop&Go-Situationen im geringen Geschwindigkeitsbereich bis 30 km/h auf der Autobahn bereits entlasten. In diesem ersten Automatisierungsschritt aber wird der Fahrer nicht aus seiner Verantwortung entlassen, das Fahrgeschehen permanent zu überwachen.

Dieser Schritt könnte mit der Hochautomatisierung ab 2020 erfolgen. Neben der Abdeckung höherer Geschwindigkeitsbereiche über 30 km/h im Autobahnumfeld, wird es die Hochautomatisierung ermöglichen, dass der Fahrer diese Fahrphase für andere Tätigkeiten wie beispielsweise Arbeiten im Internet nutzt. Für beide Automatisierungsgrade aber gilt uneingeschränkt, dass der Fahrer die Kontrolle über das Fahrzeug jederzeit übernehmen können muss – ein Mittagsschläfchen ist somit noch nicht möglich/gestattet. Mit der Vollautomatisierung ab 2025 könnte auch diese Anforderung (jederzeit die volle Kontrolle übernehmen können) nicht mehr erforderlich sein.

Dr. Elmar Degenhart: „In den kommenden Jahren mit Milliardensummen in Forschung und Entwicklung den Weg zur Mobilität der Zukunft ebnen helfen“

Dr. Elmar Degenhart: „In den kommenden Jahren mit Milliardensummen in Forschung und Entwicklung den Weg zur Mobilität der Zukunft ebnen helfen“Continental

So kann auf der Autobahn ein vollautomatisiertes Fahrzeug den kompletten Fahrbetrieb bis 130 km/h selbstständig steuern. Erreicht das Fahrzeug jedoch beispielsweise die gewünschte Autobahnabfahrt, erfolgt auch in diesem Automatisierungsgrad die Aufforderung der Kontrollübernahme an den Fahrer. Schließlich wird sich die Vollautomatisierung 2025 noch auf die Autobahn beschränken. Kommt er dort dann der Aufforderung nicht nach, die Kontrolle zu übernehmen, wird das Fahrzeug sich jedoch selbstständig in einen sicheren Zustand bringen, also beispielsweise abbremsen und auf dem Seitenstreifen anhalten.

Die neue Leichtigkeit des Fahrens

„Automatisierte Systeme können die Verkehrssicherheit um ein Vielfaches erhöhen und damit Leben retten. Wir kennen das aus der Luftfahrt. Ähnlich wie bei den Piloten wird automatisiertes Fahren gerade nicht zur oft heraufbeschworenen Entmündigung des Fahrers führen. Vielmehr wird das vernetzte und auf Wunsch automatisiert fahrende Auto den Fahrer noch freier bei der Nutzung individueller Mobilität machen. Wer zum Beispiel auf dem Weg zur Arbeit täglich dieselbe Strecke fährt, wird es sicherlich als Entlastung empfinden, wenn das Fahrzeug ihm diese Aufgabe abnimmt. Gleiches gilt für monotone und ermüdende Langstrecken auf Autobahnen“, erklärte Dr. Degenhart.

Markteinführung hochautomatisierter Fahrzeuge

Entsprechende Systeme an Bord werden es dem Fahrer künftig ermöglichen, selbst zu entscheiden, ob er selbst fahren möchte oder sich automatisiert fahren lässt, betont Degenhart. Mit der Markteinführung hochautomatisierter Fahrzeuge um 2020 können sich Fahrer darüber hinaus anderen Tätigkeiten widmen, wie beispielsweise der Lektüre der neuesten Schlagzeilen im Internet. Dies eröffnet somit neue Handlungsspielräume für den Fahrer. Gleichzeitig wird das automatisiert fahrende Auto noch sicherer, durch die noch stärkere Vernetzung in sich und mit seiner Umwelt, hebt Dr. Degenhart hervor. Darüber hinaus biete die Basis eines breiten Echtzeitdatenteppichs das Potenzial zur Optimierung des Energiemanagements und der Fahrweise des Fahrzeugs, um  somit noch energieeffizienteres Fahren zu ermöglichen.

Entwicklung automatisierten Fahrens

Degenhart unterstreicht, dass bei Continental bereits heute „mehr als 1.250 Spezialisten an den Grundlagen automatisierten Fahrens“ arbeiten: an Fahrerassistenzsystemen wie beispielsweise ACC und EBA, die mit ausgereifter Technologie zur Erfassung des Fahrzeugumfelds mit Kamera, Infrarot und Radar in vielen Fahrsituationen den Fahrer warnen, unterstützen und entlasten. Um sich auf die verstärkte Nachfrage nach Assistenzsystemen noch besser fokussieren zu können, bildete Continental im April dieses Jahres in der Division Chassis & Safety den neuen Geschäftsbereich Advanced Driver Assistance Systems.

Dr. Degenhart erwähnte auch, dass Continental sich bereits heute zu den führenden Herstellern von Fahrerassistenzsystemen zählt und „seit dem ersten Serienprojekt 1999 für die Mercedes S-Klasse mehr als 100 Projekte für Automobilhersteller weltweit realisiert“ hat. Darüber hinaus verfüge Continental in der Division Interior über langjährige Kompetenz in der Gestaltung von Anzeige- und Bedienoberflächen sowie in der Division Powertrain im Energiemanagement von Antriebssystemen.

Die Integration auf Systemebene werde domänenübergreifend in der strategischen Vorentwicklung koordiniert. In Kombination mit ihrem Netzwerk aus Partnern im Bereich Informations- und Kommunikationstechnik befähige diese Aufstellung Continental, automatisiertes Fahren ganzheitlich zu realisieren. Dabei könne der Zulieferer bereits auf mehrjährige Entwicklungsaktivitäten im Bereich Automatisierung in der Division Chassis & Safety zurückblicken. Neben seinem Engagement in diversen Forschungsprojekten (AKTIV, HAVEit, DARPA Urban Challenge), hat das Unternehmen Anfang 2012 einen zweiwöchigen Dauertest mit bereits seriennaher Technik im US-Bundesstaat Nevada abgeschlossen. Über 6.000 Meilen Fahrzeugbetrieb absolvierte das Conti-Team dort hochautomatisiert auf öffentlichen Straßen .

Gesetzgebung entscheidt maßgeblich über Markteinführung

„Technische Grundvoraussetzung für die Realisierung automatisierten Fahrens ist die Systemzuverlässigkeit. Verkehrssicherheit auf höchstem Niveau ist deshalb die unverzichtbare Grundlage, auf der automatisiertes Fahren aufsetzen muss“, erklärte Degenhart. Dies bedeute konkret, die Erfordernis einer ausfallsicheren Architektur, die im Falle eines Fehlers das Fahrzeug in einem sicheren Fahrzustand hält. Jedoch wird der Zeitrahmen für die Entwicklung dieser notwendigen Sicherheitsarchitektur nicht alleiniger Taktgeber für die Markteinführung sein: „Der Gesetzgeber wird maßgeblich über das Wann und Wie der Markteinführung automatisierter Fahrzeuge entscheiden; schließlich müssen die notwendigen gesetzlichen Rahmenbedingungen noch geschaffen werden“, ergänzte Dr. Degenhart.