Das Elektroauto kommt – daran gibt es keinen Zweifel mehr, wenn man sich auf der IAA 2017 genauer umgehört hat. Was vor zwei Jahren noch durch CO2-Vorgaben zum Klimaschutz befeuert werden sollte, hat sich nun in reelle Nachfrage gewandelt: die Kunden wollen ein Elektrofahrzeug oder einen Plug-in-Hybrid besitzen. Vorbehalte wie die Reichweitenangst scheinen langsam in den Hintergrund zu treten. Und auch der Dieselskandal – natürlich ein Thema in vielen Reden der Eröffnungsveranstaltung (Bild 1) –  hat einen Anteil daran, dass Elektroautos endlich Fahrt aufnehmen. Damit sich dieser Trend fortsetzt ist nun die Politik gefragt, die richtigen Impulse zum Ausbau der Ladeinfrastruktur zu geben.

Bild 1: Die Bundeskanzlerin Dr. Angela Merkel eröffnete am 14. September 2017 die IAA, die unter dem Motto "Zukunft erleben" stand.

Bild 1: Bundeskanzlerin Dr. Angela Merkel eröffnete am 14. September 2017 die IAA, die unter dem Motto „Zukunft erleben“ stand.

Nicole Ahner

Bild 2: Chargepoint stellte auf der New Mobility World sein Konzept für den Ausbau des Netzes an Ladestationen in Europa vor - Benutzerfreundlichkeit steht dabei an erster Stelle.

Bild 2: Chargepoint stellte auf der New Mobility World sein Konzept für den Ausbau des Netzes an Ladestationen in Europa vor – Benutzerfreundlichkeit steht dabei an erster Stelle.

Nicole Ahner

Erste Erfolge sind bereits sichtbar: Chargepoint stellte auf der New Mobility World seine Strategie zum Ausbau des Ladenetzes in Europa vor, dem nach China zweitgrößten Markt für Elektrofahrzeuge (Bild 2). Dabei setzt das Unternehmen auf Benutzerfreundlichkeit und will das derzeit eher verwirrende und fragmentierte europäische Netz von Ladestationen entwirren. Gegen die Reichweitenangst will auch TomTom ein Mittel gefunden haben und stellte seinen EV-Service (Electric Vehicle) vor, der Fahrern von Elektroautos bei der Entscheidung helfen soll, wann und wo sie ihr Fahrzeug aufladen können. Welche Highlights und Neuvorstellungen es im Zuliefererbereich gab, beleuchtet der Beitrag im Folgenden genauer.

Technikakzeptanz durch Innovation

Dr. Elmar Degenhart, Vorstandsvorsitzender von Continental, erschien im selbstfahrenden Robo-Taxi zur Presskonferenz. Das Technologieunternehmen setzte auf der IAA 2017 auf nahtlose Mobilität und Innovation. Mit dem Cruising-Chauffeur bietet Continental einen Autopiloten für Autobahnfahrten an – damit kann sich der Fahrer während der täglichen Pendelfahrten entspannt zurücklehnen. Auch im niedrigen Geschwindigkeitsbereich wie zum Beispiel beim Parken nimmt das Fahrzeug dem Fahrer Stress ab. Für den Erfolg des automatisierten Fahrens ausschlaggebend sieht Continental auch neue Cockpit-Konzepte, denn schließlich soll der Fahrer in seinem neuen Lebensraum sowohl entlastet als auch unterhalten werden.

Bild 3: Technikakzeptanz lässt sich vor allem durch Innovationen erreichen, meinte Dr. Elmar Degenhart von Continental – und stellte das mittels AR-Brille betrachtbare Cockpit der Zukunft vor.

Bild 3: Technikakzeptanz lässt sich vor allem durch Innovationen erreichen, meinte Dr. Elmar Degenhart von Continental – und stellte das mittels AR-Brille betrachtbare Cockpit der Zukunft vor. Nicole Ahner

Besucher am Stand konnten mit einer Augmented-Reality-Brille in das Cockpit der Zukunft eintauchen (Bild 3). Mit einem Mixed-Reality-Modell verwandelt sich eine unscheinbare Ton-Form ohne jegliche Instrumente in ein animiertes Anwenderszenarium: Das Cockpit der Zukunft passt sich dynamisch an die jeweilige Fahrsituation an. Beim Thema Elektromobilität vertritt Degenhardt die klare Meinung, dass sich nur durch Innovationen und millionenfache Anwendung wirkliche Technikakzeptanz erreichen lässt, nicht durch politische Vorgaben oder Prämien. Eine dieser Innovationen ist ein hochauflösendes 3D-Lasersystem, das die Umgebung bei Tag und Nacht wahrnimmt und voraussichtlich ab 2020 in Serienproduktion gehen soll.

Notentriegelung macht Schlüssel überflüssig

Auch die Fahrzeugtür ist bei Continental intelligent und verfügt über eine Notentriegelungstechnologie, die mechanische Notschlüssel bei entladener Autobatterie überflüssig macht. Das System nutzt eine gepufferte Energie des Türsteuergeräts, die ausreicht, um die Tür noch einmal entriegeln zu können. Der sogenannte Smart Access ermöglicht außerdem den Fahrzeugzugang über das Smartphone. Das Herzstück dieser Lösung ist der virtuelle Schlüssel, der auf dem mobilen Endgerät zwischengespeichert wird und aus einem fälschungssicheren Datensatz besteht. BLE- oder NFC-Transceiver-Module sind im Fahrzeug verteilt, um eine Lokalisierung des autorisierten Smartphones sowohl von innen als auch von außen zu ermöglichen. Wird ein berechtigter, virtueller Schlüssel erkannt, erteilt das System die Erlaubnis, das Fahrzeug zu öffnen und den Motor zu starten – mechanische Schlüssel sind damit überflüssig.

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