Magnetbandspeicher erleben derzeit eine Renaissance: Erfunden vor mehr als 60 Jahren, sind sie nach wie vor eine sichere, energieeffiziente und kostengünstige Technologie zur Speicherung und Archivierung enormer Datenmengen. Meist werden sie in der lokalen Datensicherung in Rechenzentren, für Disaster-Recovery-Lösungen oder zur Einhaltung rechtlicher Vorgaben für die Datenaufbewahrung eingesetzt. Die Industrie nutzt sie jedoch vermehrt für neue Anwendungen in den Bereichen Big Data oder Cloud Computing.

Magnetbandspeicher

Ein Wissenschaftler präsentiert den sogenannten Sputtered- magnetic-Tape-Prototypen, auf den erstmals Daten mit einer Speicherdichte von 201 Gigabits pro Quadratzoll (rund 6,45 cm²) geschrieben wurden IBM

Mit der nun präsentierten Technologie könnte eine Kassette bis zu 330 Terabytes (TB) an unkomprimierten Daten speichern – eine Datenmenge, die der Textmenge von 330 Millionen Büchern entspricht. „Im Vergleich zu heutigen kommerziellen Barium-Ferrit-Speicherbändern werden die Kosten für mit dem Sputter-Verfahren hergestellte Magnetbänder voraussichtlich etwas höher sein“, erklärt Evangelos Eleftheriou, IBM Fellow und Leiter des Cloud & Computing Infrastructure Departments im IBM Forschungszentrum in Rüschlikon bei Zürich. Dank des sehr hohen Speicherpotenzials seien die Kosten pro Terabyte dennoch konkurrenzfähig mit anderen Speichertechnologien. Damit biete sich die Technologie auch für den Einsatz im Cold-Storage, also der Speicherung von wenig genutzten Daten in der Cloud an.

Um die Speicherdichte von 201 Milliarden Bit pro Quadratzoll zu erzielen, nutzen die Wissenschaftler ein von Sony Storage Media Solutions entwickeltes Speicherband, bei dem die Magnetschicht mittels Kathodenzerstäubung (engl. sputter deposition) aufgetragen wurde. Durch dieses Verfahren isteine extrem feine Verteilung der Magnetpartikel auf dem Band und damit eine höhere Speicherdichte möglich.

IBM und Sony Storage Media Solutions arbeiten bereits seit mehreren Jahren insbesondere bei der Erhöhung der Speicherdichte von Magnetbandspeichern eng zusammen. Aus dieser Kooperation entstanden beispielsweise ein Rolle-zu-Rolle-Verfahren zur Herstellung von langen Magnetbändern im Sputter-Verfahren oder eine verbesserte Schmiermitteltechnik, die die Lauffähigkeit von Magnetbändern unterstützt.