Die Anlagenbetreiber können mit Maps zu jeder Zeit den Status sämt­licher Anlagenteile zentral visualisieren. Zudem archiviert die Lösung alle notwendigen Daten automatisch.

Die Anlagenbetreiber können mit Maps zu jeder Zeit den Status sämt­licher Anlagenteile zentral visualisieren. Zudem archiviert die Lösung alle notwendigen Daten automatisch.Mitsubishi Electric

Die irischen Umweltschutzgesetze erfordern ein spezielles Berichtswesen, das über die aktuellen Prozessabläufe Auskunft gibt und deren Einhaltung die irische Umweltbehörde EPA (Environmental Protection Agency) streng kontrolliert. Die Betreiber einer Wasseraufbereitungsanlage inklusive vier zugehöriger Kläranlagen im Osten von Irland müssen sich immer über die laufenden Prozesse informieren, um sicherzustellen, dass sie alle Vorgaben erfüllen. Allerdings sind beide Verfahren – die Wasseraufbereitung und die Klärung – stark dezentralisiert und die bisherige Infra­struktur war nicht auf einen schnellen Informationstransfer ausgelegt. In der Folge standen regelmäßige, zeitintensive Besuche der Anlagen auf der Tages­ordnung. Die Zusammenarbeit mit Mitsubishi Electric hatte das Ziel, sowohl den Informationstransfer effizienter zu gestalten als auch den Energieverbrauch der Anlagen so weit wie möglich zu verringern, um Ressourcen zu sparen und damit Kosten zu senken.

Das Unternehmen implementierte eine Automatisierungslösung, die sich aus der Steuerungsplattform iQ, verschiedenen Frequenzumrichtern und Bedienterminals der GOT-Serie zusammensetzt. Entwickelt und visualisiert wurde die Lösung mit der Mitsubishi Adroit Process Suite (Maps), einer Anwendung zur Dokumentationsverwaltung mit Diagnose- und Wartungs-Tools. Dabei verarbeitet die Adroit Scada Intelligence Suite (ASI) die von Maps archivierten Daten zentral und stellt sie dem Nutzer zur Verfügung. Die Kommunikation zwischen den lokalen Pumpstationen und der zentralen Anlage erfolgt über ein GPRS-Netzwerk.

Drei in einem

Maps verbindet drei grundlegende Aufgaben im Anlagenbau miteinander: das Programmieren der SPS, das Entwickeln der Prozessleitapplikation sowie das Erstellen und Aktualisieren der Dokumentation. Die Maps-Bibliothek enthält hierfür vorgefertigte Bausteine, sogenannte Templates. Im Fall der Wasser- und Abwasser­industrie beziehen sie sich auf Automatisierungsobjekte wie Pumpen, Ventile, Tanks und Durchfluss-Messgeräte. Ein Template beinhaltet das in der Steuerung abgebildete Verhalten, die grafische Darstellung, die Alarme, die Datenarchi­vierung des betreffenden Objektes, die Messstellenbezeichnungen (Tags) als Bestandteile des Prozessleitsystems sowie alle im Programm verwendeten digitalen sowie analogen Ein- und Ausgänge.

Das Ergebnis ist eine Prozessleitapplika­tion, die alle genannten Elemente der Templates einbezieht. In Zusammenarbeit mit Adroit Technologies, Partner der Mitsubishi Electric E-Factory Alliance und spezialisiert auf PC-basierte Visualisierungssysteme, entstanden für die Anwendung in der irischen Wiederaufbereitungs- und Kläranlage zusätzliche kundenspezifische Templates. Nach erfolgreichem Verifizieren konnten die Techniker die komplette Inbetriebnahme von vier Kläranlagen in knapp einer Woche durchführen.

 Maps kann auch die Daten aller Durchfluss-Messgeräte zusammenfassen: So erhält der Bediener Informationen über den Wasserdurchfluss der gesamten Anlage.

Maps kann auch die Daten aller Durchfluss-Messgeräte zusammenfassen: So erhält der Bediener Informationen über den Wasserdurchfluss der gesamten Anlage.Mitsubishi Electric

Zugriff für Unbefugte verboten

Die Anlagenbetreiber können nun jederzeit den Status aller Anlagenteile zentral visualisieren. Zudem archiviert die Lösung alle notwendigen Daten automatisch. Somit entfallen die Kosten für die lokale Datenerfassung durch Überprüfen der Anlagenwerte vor Ort. Für den ausschließlichen Zugriff von autorisierten Personen und damit für die Datensicherheit sorgt Windows Security. Dieses Programm ist Bestandteil von Microsoft Windows und verwaltet die Benutzer und Ihre zugeteilten Rechte. Jeder Anwender bekommt sein eigenes Konto, an das er sich mit seinem Benutzernamen und Passwort anmeldet. Maps greift auf diese Benutzerstrukturen zu und verwaltet die Rechte innerhalb der Applikation. Schließlich darf nicht jeder Mitarbeiter alle Einstellungen ändern. Außerdem verwendet Maps die in Windows Security hinterlegten Nutzerprofile, um Einstellungen innerhalb der Applikation nutzerspezifisch zu sichern und abzurufen. Konfiguriert ein Benutzer beispielsweise eine Grafik mit mehreren Kurven, speichert Maps die Konfiguration in dem persönlichen Windows-Nutzerprofil automatisch ab. So bekommt jede Anwender nur das zu sehen, was für ihn relevant ist, und er kann an jedem Bedienterminal seine zuvor unterbrochene Arbeit wieder aufnehmen.

Immer und überall den Überblick behalten

Mit den Touch-Bedienterminals der Modellreihe GT12 von Mitsubishi Electric überwachen und steuern die Techniker die einzelnen Stationen. Da dem Bediener alle relevanten Informationen auf dem 10″-Display unmittelbar zur Verfügung stehen, hat er im Servicefall einen vollständigen Überblick über alle System­prozesse. Neben der einfachen Bedienung und Konfiguration sowie einer kurzen Reaktions- und Bildaufbauzeit verfügen die Bediengeräte auch über SPS-Diagnose­funktionen.

Das Alarmsystem zeigt Ereignisse um­gehend in der Zentrale an. Zudem übermittelt es sofort nach Auftreten eines Problems eine SMS an die Mitarbeiter des Service-Teams. Deren schnelle Reaktion spart Ressourcen und verringert Ausfallzeiten. Die Mitarbeiter können auch Niveau­daten oder aktuelle Zustände von Pumpen und Sensoren anfordern. Sie erhalten diese Informationen dann ebenfalls per SMS. Dieser ortsunabhängige Zugriff erhöht die Flexibilität der Mitarbeiter, der Kauf zusätzlicher Hardware ist nicht nötig.

Hartmut Pütz ist Präsident von Mitsu­bishi Electric Europe.

Hartmut Pütz ist Präsident von Mitsu­bishi Electric Europe.Mitsubishi Electric

Automatisch auf dem aktuellen Stand

Neben dem Archivieren der Daten soll die Lösung alle anfallenden Informationen möglichst übersichtlich darstellen, damit sich die Betreiber zügig einen Überblick verschaffen können. Im Fall der irischen Anlage übernimmt die Adroit Scada Intelligence Suite (ASI) die Datenaufbereitung. In regelmäßigen Abständen durchsucht es die Datenbank nach relevanten Informationen und bringt sie in einen entsprechenden Kontext, zum Beispiel zu einer speziellen Pumpe: Zu dieser Pumpe gehören Angaben zu Ort, Verfügbarkeit, Fördermengen, Energieverbrauch und weitere anwenderspezifische Daten. Einmal konfiguriert, legt das System diese Informationen periodisch im sogenannten Data Warehouse unter Berücksichtigung des jeweiligen Kontextes ab. Anschließend lassen sich diese in einem Report, beispielsweise basierend auf Excel, schnell und anschaulich darstellen, um etwa die Effizienz der Pumpen anhand von Fördermenge und Energieverbrauch zu vergleichen.

Für die Anlagenbetreiber in Irland war auch wichtig, Informationen für den EPA-Report der irischen Umweltbehörde in einem vorgegebenen Format liefern zu können. Mussten diese Informationen früher manuell eingeholt und zusammengestellt werden, fragt sie der Betreiber jetzt kurzfristig per Knopfdruck über das Business-Intelligence-System ab.

Interview mit Hartmut Pütz, Präsident von Mitsubishi Electric Europe

„Die Bibliothek von Maps wird sukzessive für andere Industrien erweitert.“

Herr Pütz, die Kooperation mit und Beteiligung an dem südafrikanischen Scada-Anbieter Adroit begann vor knapp zwei Jahren. Ist die Applikation in Irland das erste Referenzprojekt in Europa?
Nein, wir haben mit Maps europaweit und auch in Afrika im letzten Jahr eine Reihe von Projekten realisieren können. Die Einsatzgebiete sind vielfältig. Die Bandbreite reicht vom Einsatz in der Wasserwirtschaft über Abfallentsorgung zu Nahrungs- und Tiernahrungsindustrie. Auch im Bergbau findet es seinen Einsatz.

Liegt demnach der Schwerpunkt vor allem auf Applikationen mit prozesstechnischem Charakter?
Die integrierte Bibliothek in Maps besitzt derzeit einen starken Wasser-Fokus. Diese Bibliothek wird sukzessive für andere Industrien erweitert. Unsere aktuell gewonnenen Projekte finden sich aber in vielen unterschiedlichen Industrien, wie der Prozess-, Lebensmittel- und Energie-Industrie, wieder.

Parallel zur Adroit-Kooperation ist Mitsubishi Electric seit gut einem Jahr an dem amerikanischen Scada/Visualisierungsanbieter Iconics beteiligt. Wie passt das zusammen?

Maps ist eine für die EMEA-Region (West/Osteuropa, Naher Osten, Afrika) ausgerichtete Lösung und ist derzeit noch schwerpunktmäßig für die Wasserindustrie ausgelegt. Iconics hingegen wird nur im asiatischen und amerikanischen Markt zu finden sein und fokussiert sich auf Gebäude-Management.

Braucht Mitsubishi Electric nicht eine einzige, in das eigene Entwicklungsportal integrierte Scada/HMI-Lösung?
Im Vorfeld haben wir uns zu diesem Thema natürlich Gedanken gemacht. Fakt ist, das die beiden Lösungen sich global gesehen ergänzen. Jeder Markt hat seine Schwerpunkte wie Industrien, Regularien und Arbeitsmethoden, für die die jeweilige Lösung optimal passt. Wir forcieren, wie erwähnt, die industriespezifischen Lösungen, jedoch nutzen wir generische Infrastrukturkomponenten gemeinsam, zum Beispiel EZ-Socket, um die konsistente Integration in unsere Engineering-Plattform zu garantieren.