Gut drei Jahre hat es nun gedauert, bis es die Kontrahenten endlich geschafft haben,sich an einen Tisch zu setzen. Zuvor gab es zwar mehrere gegenseitige Aufrufe zur Kooperation und Zusammenarbeit – ernsthaft konnte oder mochte aber niemand mit dem anderen. Nun sind anscheinend beide Systemwelten so weit spezifiziert und in der Entwicklung, dass man keinem mehr zumuten könnte, die Technologie des anderen zu übernehmen. Damit behält jeder sein Gesicht und seine Absatzmärkte. So funktioniert eben Politik – auch die Technologie-Politik.


Überraschend war der Schritt für viele von uns nun doch – auch für die ODVA, die man nicht vergessen sollte. Haben ODVA und IDA nicht Ende letzten Jahres einen Letter of Intend unterzeichnet, unter dem Dach der IAONA die White Spots künftig gemeinsam zu lösen? Die White Spots, die nun IDA und die PNO angehen. Die Zeit war einfach zu knapp, um die ODVA in die Gespräche einzubeziehen, hieß es aus dem PNO-Umfeld. Die ODVA auszugrenzen ist auch gar nicht die Absicht. Dies zeigt die Besetzung der IDA/PNO-Arbeitsgruppen, deren Mitglieder auch in den Arbeitsgruppen von IDA und der ODVA sitzen. Die ODVA ist vorerst also nicht dabei – offiziell noch nicht. Man wird die Kröte aber wohl schlucken – genauso wie die IDA letzten Herbst, als ODVA und PNO zusammen mit der OPC-Fouridation den Startschuss für OPC-DX gaben. Dazu ist das Thema zu wichtig, um beleidigt zu schmollen. Denn jetzt werden die Fundamente geschaffen, auf die große Anwender gewartet haben, um ihre künftigen Automatisierungsstrukturen darauf aufzusetzen. Erst das identische Engineering erlaubt es Anwendern überhaupt, den Steuerungslieferanten zu wechseln. Denn er braucht jetzt seine Leute nicht mehr teuer umzuschulen. Und wer hier nicht von Anfang an dabei ist, dürfte langfristig schlechte Karten im Automatisierungs-Poker haben.


Damit scheint für Heinrich Munz von Kuka Roboter nun endlich sein Ziel in greifbarer Nähe, auf das er schon seit drei Jahren hinarbeitet: Egal mit welcher Steuerung Kuka seine Roboter auszurüsten hat, er baut immer Ethernet ein und macht nur einmal das Engineering. (ku)