Die wirtschaftliche Entwicklung der Automationsbranche ist nach Angaben des ZVEI-Fachverbands Automation sehr positiv: Roland Bent, Vorstandsmitglied des ZVEI-Fachverbands Automation (r.) und Gunther Koschnik, Geschäftsführer des Fachverbands Automation, bei der Pressekonferenz auf der Messe SPS IPC DRIVES in Nürnberg.

Die wirtschaftliche Entwicklung der Automationsbranche ist nach Angaben des ZVEI-Fachverbands Automation sehr positiv: Roland Bent, Vorstandsmitglied des ZVEI-Fachverbands Automation (r.) und Gunther Koschnik, Geschäftsführer des Fachverbands Automation, bei der Pressekonferenz auf der Messe SPS IPC DRIVES in Nürnberg. Redaktion IEE

„Vom heute erkennbaren Industrie-4.0-Potenzial haben wir bisher nicht mal 15 Prozent in der Fabrikautomation gehoben“, erklärte Bent auf der Pressekonferenz des Verbands während der Messe SPS IPC DRIVES in Nürnberg. Mit dem Begriff ‚Industrie 4.0‘ habe die deutsche Industrie eine Marke geschaffen, die „mittlerweile überall auf der Welt verstanden“ werde. „Jetzt“, so Bent, „füllen wir die Marke weiter Stück um Stück mit Leistungen auf.“

Die wirtschaftliche Lage ist sehr gut

Die Automationsbranche in Deutschland kommt in den ersten neun Monaten auf einen Umsatz von 39,9 Milliarden Euro, ein Wachstum von 7,2 %. Der Auftragseingang ist in diesem Zeitraum um 10,4 % gestiegen; im Vorjahreszeitraum waren es hingegen nur 1,5 %. Insgesamt ist es das siebte Wachstumsjahr in Folge. „Diese sehr gute wirtschaftliche Lage stellt uns vor ‚Luxusprobleme‘ auf der Beschaffungsseite in den Bereichen Rohstoffe, Vorleistungen, aber auch bei den Fachkräften“, sagte Bent. Bei den Exporten konnten die Hersteller von Automatisierungstechnik um 5,6 % zulegen: Am stärksten wuchsen sie mit 11,9 % nach Prozent in die europäischen Nicht-EU-Staaten. Vor diesem Zahlenhintergrund ist sich Bent daher sich, dass 2018 ein weiteres gutes Jahr für die deutsche Automatisierungsbranche werden wird: „Unsere Branche entwickelt sich äußerst dynamisch. Und es ist kein Ende in Sicht.“ Die deutschen Hersteller von Automatisierungstechnik liegen vom Produktionsvolumen gesehen weltweit auf Platz 3, hinter China und knapp hinter den USA, erklärte Bent.

ZVEI_Geschäftszahlen Automation 9 Monate_2017

ZVEI

Technische Trends und Entwicklungen

Wichtig für die weitere Entwicklung von Industrie 4.0 ist nach Einschätzung des Verbands eine für industrielle Anwendungen geeignete Infrastruktur. Die 5. Mobilfunkgeneration sei auf dem Weg, auch die Entwicklung in Richtung Industrie 4.0 weiter zu beschleunigen. „Im ZVEI arbeiten wir daher an einer industriefähigen Gestaltung der 5G-Technologie“, sagte Bent. Die ZVEI-Task Force 5G werde derzeit zu der ‚5G Alliance for Connected Industries and Automation‘ (5G-ACIA) erweitert, um die Wünsche und Anforderungen der Industrie in die 5G-Standardisierung einzubringen. Der Vorteil der Technik sei, dass sie nicht nur die Übertragung großer Datenmengen erlaube, sondern auch zeitkritische Automationsprozesse mit Reaktionszeiten kleiner als eine Millisekunde erlaube. Die Kosten für die 5G-Technik schätzt Bent von der Hardware-Seite prinzipiell als „günstig“ ein. Über die Kosten für das 5G-Netzwerk und den Netzwerkbetrieb könne man derzeit nichts sagen.

Einen wichtigen Grund für den Erfolg von Industrie 4.0 und der deutschen Akteure sieht Bent in dem „weltweit einzigartigen Industrie-4.0-Ökosystem“ in Deutschland, bestehend aus den Verbänden der Plattform Industrie 4.0, dem Standardisation Council Industrie 4.0 und dem Labs Network Industrie. Der ZVEI-Führungskreis Industrie 4.0 hat für die Jahre 2018 bis 2020 eine neue Strategie beschlossen, berichtete Bent. Diese „3i-Strategie“ soll auf der bisherigen aufbauen und die Arbeitsergebnisse mit den Partnern in der Plattform Industrie 4.0, vor allem dem VDMA und Bitkom, weiter implementieren, die Industrie 4.0 weiter internationalisieren und zum Dritten die innovationspolitischen Ziele der Elektroindustrie bei Industrie 4.0 voranbringen.

In diesem Zusammenhang treibt der ZVEI auch das Verbundforschungsprojekt ‚DC-Industrie“ voran. „Wir kommen jetzt in die zweite Hälfte dieses Projekts“, sagte Gunther Koschnik, Geschäftsführer des Fachverbands Automation. Bei diesem Projekt geht es um intelligente, offene Gleichstromnetze für die Industrie, die besonders stromeffiziente Systemlösungen mit elektrischen Antrieben ermöglichen sollen. Das dreijährige Forschungsprojekt wird vom Bundeswirtschaftsministerium mit 10 Millionen Euro bezuschusst.