Die industrielle Ethernet-Verkabelung ist in aller Munde. Auch auf der Hannover Messe wurden wieder einige neue Produkte präsentiert. Allerdings gibt es bei den IP67-geschützten Ethernet-Steckverbindern unterschiedliche Lösungsansätze. Außerdem herrscht bei der Normierung noch keine Klarheit. Um ein wenig Licht ins Dunkel zu bringen haben wir in der aktuellen Ausgabe der IEE (Erscheinungstermin 9.6.) einige Experten von Steckverbinder-Herstellern nach ihrer Meinung zu dem Thema gefragt. Außerdem stellen wir dort einige Produktbeispiele vor. Eine herstellerneutrale Meinung zu der Steckverbinder-Problematik lieferte uns Dr. Günter Hörcher, Leiter der Produktentwicklung der Fraunhofer Technologie-Entwicklungsgruppe in Stuttgart:



„In der weltweiten Standardisierung der industriellen Datenverkabelung erhitzt nichts so sehr die Gemüter wie die Festlegung des Steckverbinders an der Schnittstelle zur strukturierten Gebäudeverkabelung. Zwar entscheiden auch die Kabel über die Qualität des Kommunikationssystems, aber es sind vor allem die lösbaren Verbindungen, die nach längerer Betriebsdauer, zumal in verschmutzungsgefährdeten Bereichen, Störungen verursachen können. Da sich unter Umständen damit erst nach Jahren die Spreu vom Weizen trennt, ist es für Anwender um so wichtiger, schon bei der Planung den Weizen zu kennen.“
„Die Normung der Steckverbinder selbst ist dabei nicht sehr hilfreich. Schon alleine in der in Kürze erscheinenden IEC 61076–3–106 sind zehn Varianten von IP67-Schutzverriegelungen für RJ-45-Steckelemente aufgeführt. Den Normungsgremien für die anwendungsneutrale Industriegebäudeverkabelung beim Projekt ISO/IEC 24702 und für die maschinennahe Verkabelung bei IEC wird es nun um so schwerer fallen, eine wirklich einheitliche Lösung zu präsentieren. Laut Plan wird das Wahlverfahren im Juni festgelegt, so dass im Herbst mit dem Ergebnis gerechnet werden kann. Die Nutzerorganisationen PNO, ODVA und IDA haben sich allerdings schon jeweils für ihren Favoriten entschieden. Wer sich nicht auf die Steckkompatibilität mit der Büroverkabelung festlegen muss, kann auf den im Sensor-/Aktor-Bereich bereits bewährten M12-Stecker zurückgreifen, der in IEC 61076–2–101 genormt ist und in einem gerade ausgearbeiteten Anhang dazu als vierpolige, D-kodierte Variante für 100 MHz-Anwendungen wie Fast-Ethernet ertüchtigt wird.“

Industrielle Anforderungen bereits an der Basis

„Bei dem Kampf um die besten Stecker im schmutzigsten Umfeld übersieht man oft die Probleme in der nächst-niederen Anforderungsklasse. Dort kommen bisher oft noch Büroware zum Einsatz, obwohl industrielle Anforderungen bezüglich Umgebungsbedingungen und Zuverlässigkeit auch hier eine detailliertere Spezifikation erfordern. Bei ISO/IEC wurde deshalb zur Beschreibung der Umgebungsanforderungen die sogenannte MICE-Tabelle entwickelt, die in den Umwelt-Kategorien ’mechanical‘, ’ingress‘, ’chemical‘ und ’electromagnetic‘ jeweils drei Klassen definiert. Dieses aus dem einfacheren Ansatz der IAONA weiterentwickelte Konzept wurde inzwischen von EIA/TIA in USA und auch von IEC SC65C adaptiert. Es bietet Flexibilität in der Klassifizierung der sehr unterschiedlichen industriellen Bedingungen, in denen Verkabelung installiert werden muss, ohne eine zu große Komplexität zu erzeugen. Bis Ende diesen Jahres will die ISO/IEC Industrial Premises Task Group ihren Entwurf fertig stellen, kurz darauf soll auch die weitgehend damit harmonisierte europäische EN 50173–3 zur Kommentierung freigegeben werden.“