Industrie 4.0 wohin das Auge blickt: Die Hannover Messe 2017 vereint sieben Leitmessen unter einem Dach und hat sich dabei die vierte industrielle Revolution mit über 400 konkreten Anwendungen als Hauptthema auf die Fahnen geschrieben.

Industrie 4.0 wohin das Auge blickt: Die Hannover Messe 2017 vereint sieben Leitmessen unter einem Dach und hat sich dabei die vierte industrielle Revolution mit über 400 konkreten Anwendungen als Hauptthema auf die Fahnen geschrieben. Deutsche Messe

DIe Messe im Überblick

24.–28. April 2017

Täglich geöffnet von 9 bis 18 Uhr

Messegelände Hannover

Tickets: 17 – 84 Euro

Vereint sieben Leitmessen

www.hannovermesse.de

Über 190000 Besucher fanden letztes Jahr den Weg auf die Messe und begutachteten die Neuheiten von mehr als 5 200 Ausstellern. Im Jahr 2017 präsentieren 6 500 Unternehmen ihre Innovationen der Öffentlichkeit. Der Grund: Dieses Jahr sind sieben statt der letztjährigen fünf Messen vertreten: Industrial Automation, Digital Factory, Energy, ComVac, Industrial Supply, Research & Technology sowie Motion, Drive & Automation.
„Die Technologien für eine erfolgreiche Digitalisierung der industriellen Produktion sind ausgereift“, erklärt Dr. Jochen Köckler, Mitglied des Vorstands der Deutschen Messe und bezieht sich damit auf die mehr als 400 Anwendungs­beispiele der Industrie 4.0, die es in diesem Jahr zu sehen gibt.
Ob Integrated Energy, Digitaler Zwilling, Machine Learning, Predictive Maintenance, Smart Materials, vernetzte und kollaborative Roboter (Cobots) oder eben Industrie 4.0 – Unternehmen sehen sich bereits heute mit Technologien konfrontiert, deren Nutzen sie oft nur schwer einschätzen können. Hier setzt die Messe laut Köckler an, denn sie bildet mit ihren sieben Messen alle für die industrielle Wertschöpfung relevanten Industrie­zweige ab.

Hellseher im Maschinenraum

Einer der Messeschwerpunkte liegt wie auch im Vorjahr auf der Predictive Maintenance, bei der intelligente Systeme eine Störung erkennen und melden, noch bevor sie auftritt. Dabei ist die vorausschauende Instandhaltung untrennbar mit Begriffen wie Industrie 4.0, Internet der Dinge (IoT) und Big Data verknüpft. Denn bei der Digitalisierung fallen große Datenmengen an, die sich auswerten und beispielsweise durch Machine-Learning-Technologien an die Maschine zurückspielen lassen. So erhalten Systeme die Fähigkeit, sich selbstständig zu optimieren. Die entsprechende Sonderschau ‚Predictive Maintenance‘ zeigt in Halle 19 wie Maschinendaten laufend erhoben, ausgewertet und verarbeitet werden, wie mithilfe von Sensoren Verbesserungs­potenziale an einzelnen Teilen früh zu erkennen sind und auf welche Art Predictive Maintenance den Wartung­sprozess sowie die Fertigung beschleunigt.

Digital Twin: Doppelt hält besser

Digital Twins sind digitale Abbilder physischer Maschinen. Ihre Basis bildet ein 3D-CAD-Modell, mit allen Eigenschaften und Funktionen des geplanten Produkts – vom Material über die Sensorik bis hin zur Bewegung und Dynamik der realen Maschine. Realer und digitaler Zwilling tauschen dabei Statusdaten aus, die Sensoren permanent erfassen. Statt teurer Prototypen und langwieriger Versuchs­ketten lassen sich so Szenarien schnell durchspielen, Lösungsstrategien entwickeln und verwerfen sowie Verbesserungs­möglichkeiten ausloten und umsetzen. Im Rahmen der Messe für integrierte Prozesse und IT-Lösungen, der Digital Factory, befassen sich die Aussteller neben den digitalen Twins auch mit Softwarefragen entlang der industriellen Prozesskette.

Cobots erobern die Fertigung

Kollaborative Roboter, sogenannte Cobots, führen nicht mehr nur programmierte Prozesse aus, sondern reagieren auf den Menschen.

Kollaborative Roboter, sogenannte Cobots, führen nicht mehr nur programmierte Prozesse aus, sondern reagieren auf den Menschen. Redaktion IEE

Roboter gehören schon seit geraumer Zeit zu einem automatisierten Fertigungs­prozess – allerdings gut abgeschottet hinter Zäunen. Immer mehr im Kommen sind hingegen die Cobots, also kollaborative Roboter, die nicht mehr nur programmierte Prozesse ausführen, sondern auf den Menschen reagieren und direkt mit ihnen in Kontakt stehen. Mittels Sensortechnik registrieren sie Bewegungen sowie Position von Personen und eignen sich daher, um den Arbeitern direkt zu assistieren, ohne sie einem Verletzungsrisiko auszusetzen. So eröffnen die Collaborative Robots eine andere Form der Zusammenarbeit. Laut dem Veranstalter wird sich im Bereich der Cobots ein Markt ähnlich dem der Drohnen entwickeln, und so neue Geschäftsideen ermöglichen. Die Messe soll dafür den Grundstein legen.

Forum: Industrie 4.0 trifft das Industrial Internet

Hinter dem Leitthema „Creating Value“ steckt die Botschaft, dass die Testphase der Industrie 4.0 vorbei ist und die Kommerzialisierung begonnen hat. Um dem Fortschritt des Konzepts konkrete Formen zu geben, benötigt es Antworten zu vielen Themenfeldern: Mensch und Arbeit, Geschäfts- und Strategiemodelle, der Umgang mit der Datenflut, Cybersecurity, Standards und Interoperabilität, Mittelstand und Anwender, Use Cases, etc. Diesen Fragestellungen geht das Forum Industrie 4.0 in Halle 8 nach. Gemeinsam mit der Plattform Industrie 4.0, dem Industrial Internet Consortium (IIC), dem VDMA und dem ZVEI veranstaltet die Deutsche Messe das Forum bereits zum zweiten Mal. Praxisbeispiele und die dem Forum angeschlossene SmartFactoryKL demonstrieren ergänzend, wie Industrie 4.0 real und live funktioniert.

Gastland Polen

Hallenplan der Hannover Messe 2017

Hallenplan der Hannover Messe 2017 Deutsche Messe

Ganz so spektakulär wie 2016 wird es dieses Jahr wohl nicht: Zusammen mit Kanzlerin Merkel eröffnete der damalige US-Präsident Barack Obama die letztjährige Messe und sorgte durch die extremen Sicherheitsmaßnahmen für einen gewissen Unmut unter Besuchern wie Ausstellern. Polen ist für die Maschinenbauer aus Deutschland in den vergangenen Jahren zu einem wichtigen und starken Handelspartner geworden und hat seine Rolle als verlängerte Werkbank des Westens erweitert. Es werden 150 polnische Unternehmen erwartet. Tadeusz Kościński, Polens stellvertretender Minister für wirtschaftliche Entwicklung: „Als Partnerland der diesjährigen Hannover Messe will Polen zeigen, dass ihm nicht allein an einer schnellen Wirtschaftsentwicklung gelegen ist, sondern vor allem an einer Entwicklung, die sich auf innovative Industrien stützt.“ Gemeinsam mit Angela Merkel eröffnet die polnische Ministerpräsidentin Beata Szydło die Messe am 24. April.