Viele entdecken gerade erst das Potenzial von MRK für ihre Produktion. Helmut Schmid, Universal Robots

Viele entdecken gerade erst das Potenzial von MRK für ihre Produktion. Helmut Schmid, Universal Robots Universal Robots

UR gilt als Protagonist der Mensch-Roboter-Kollaboration. Spüren Sie eine steigende Akzeptanz des Kollegen Roboter?

Helmut Schmid: Die Mensch-Roboter-Kollaboration trifft bei den Anwendern auf immer mehr Akzeptanz. Immerhin ist das Konzept MRK mittlerweile der maßgebliche Treiber der gesamten Automatisierungsbranche.

Woran machen Sie das fest?

Helmut Schmid: Dieser Trend können wir sehr gut an den Geschäftszahlen von Universal Robots fest machen: Seit wir Ende 2008 den Cobot zur Marktreife gebracht und unseren ersten UR5 verkauft hatten, ist die Zahl der UR-Roboterapplikationen rasant gestiegen. Heute sind weltweit schon mehr als 16 000 unserer Roboter im Einsatz, was uns zum Marktführer mit einem 60-prozentigen Anteil am MRK-Markt macht.
Wir wachsen auch nach wie vor im hohen zweistelligen Bereich auf zuletzt rund 89 Millionen Euro in 2016. Das entsprach einem erneuten Wachstum von 62 Prozent. Diesen Kurs möchten wir natürlich beibehalten.

Woher kommt die Akzeptanz von MRK?

Helmut Schmid: Die Aufklärungsarbeit trägt zunehmend Früchte. Vom Start weg waren natürlich die ohnehin automatisierungsaffinen Industrien wie Automotive und Elektronik die Vorreiter bei kollaborativer Robotertechnologie. Neben diesen Markttreibern, zu denen sich auch die Logistik hinzugesellt hat, bemerken wir eine immer größere Nachfrage von kleinen und mittelständischen Firmen unterschiedlichster Branchen. Sie erkennen, dass sich der Einstieg in die Automatisierung bereits mit einem für sie realistischen Investment umsetzen lässt. Daher betrachten viele ihre Produktion unter völlig neuen Gesichtspunkten und entdecken Potenziale, wo monotone oder körperlich belastende Abläufe durch den Einsatz kollaborierender Roboter optimiert werden können – und dabei natürlich auch die Wertschöpfung steigt.

Spielen Ihnen hier die Industrie-4.0-Initiativen in die Hände?

Helmut Schmid: Ohne Frage, Industrie 4.0 beflügelt unseren Erfolg. Denn mit der vierten industriellen Revolution stehen wir vor einem großen Wandel in der Fertigung. Die Produktvielfalt steigt, die Produktzyklen nehmen ab. Die Produktion wandelt sich von einer Massenherstellung zur individuellen, kundenspezifischen Fertigung mit der Losgröße 1. Das verlangt eine hohe Flexibilität innerhalb der Prozesse. Und genau hier setzt die MRK an: Flexible und einfach bedienbare MRK-Roboter übernehmen repetitive, monotone, belastende bis hin zu potenziell gefährlichen Aufgaben. Somit setzen sie menschliche Arbeitskraft frei, die dann wiederum für anspruchsvolle Arbeiten eingesetzt werden kann. Im Endeffekt werden alle Ressourcen effizienter genutzt.

Die Sicherheit ist das A und O bei der MRK. Helmut Schmid, Universal Robots

Die Sicherheit ist das A und O bei der MRK. Helmut Schmid, Universal Robots Universal Robots

Gibt es eine grobe Richtschnur, wann der Einsatz von Cobots sinnvoll ist?

Helmut Schmid: Wir verstehen unsere Produkte als flexible Werkzeuge: Prinzipiell lässt sich jede wiederholende Tätigkeit mit einer Nutzlast bis zehn Kilogramm mit unserer UR-Robotern automatisieren.
Unser Brot und Butter-Geschäft ist bislang die Maschinenbeschickung, also Be- und Entladetätigkeiten. Ebenso gibt es viele Applikationen, in denen UR-Roboter verpacken und palettieren. Die Logistikbranche nimmt hier gerade Fahrt auf.

Der Betrieb von Robotern ist bislang stark reglementiert und durch Sicherheitsaspekte eingeschränkt.

Helmut Schmid: Mit der ISO/TS 15066 gibt es eine erste Technische Spezifikation (TS), die einen Standard für die Sicherheit speziell in der Mensch-Roboter-Kollaboration definiert. Sie gilt als notwendige Erweiterung des etablierten Standards EN ISO 10218, den Sicherheitsrichtlinien für Industrieroboter.
Mit der ISO/TS 15066 haben wir jetzt eine konkrete Richtlinie, wie Risikobeurteilungen speziell bei der Einführung von kollaborierenden Robotern durchzuführen sind. Hierfür definiert sie klare Grenzwerte hinsichtlich aller Kräfte und Belastungsgrenzen, die sicherstellen, dass die Roboter sicher mit ihren menschlichen Kollegen zusammenarbeiten.
Somit bildet die ISO/TS 15066 einen soliden Rahmen, auf den sich künftig aufbauen lässt. Allerdings sind wir noch nicht ganz am Ziel.
Aus dem Integrationsalltag unserer Partner hören wir, dass die in der TS festgeschriebenen Werte nicht so einfach und pauschal auf jede beliebige Situation anwendbar sind. Das ist auch nur verständlich: Die in der TS definierten Werte basieren in erster Linie auf theoretischen Rechenbeispielen. Um diese allerdings in konkreten, individuellen Roboterapplikationen einzuhalten, bedarf es einer Reihe an Messungen.
Wir sehen daher aktuell keinen akuten Bedarf an mehr Normung. Vielmehr wünschen wir uns, dass ein Weg gefunden wird, die bestehenden Normen noch praxisnäher zu gestalten.

Wie sieht die Safety-Philosophie von UR aus?

Helmut Schmid: Der Faktor Sicherheit ist unser Leitmotiv für die Mensch-Roboter-Kollaboration. Unsere UR-Roboter gelten für sich genommen bereits als sicher, denn sie sind mit internen Kraftreglern und zudem mit einem patentierten und TÜV-zertifizierten Sicherheitssystem mit 15 justierbaren Sicherheitsfunktionen ausgestattet.
Der ‚nackte‘ Roboterarm ist zunächst einmal eine sogenannte ‚unvollständige‘ Maschine. In letzter Instanz muss der Sicherheitsaspekt also immer mit Blick auf die komplette Applikation bewertet werden. Daher braucht es für jede Anwendung, bei der unsere Roboterarme zum Einsatz kommen, eine separate Risikobeurteilung. Die erfolgreiche Beurteilung gewährleistet, dass die Anwendung sicher ist und ihre Arbeit ohne oder nur mit minimaler Schutzumhausung neben dem Menschen aufnehmen kann. Und je nachdem welche Aufgaben die Roboter verrichten, müssen Mitarbeiter entsprechend auf den sicheren Umgang mit ihnen sensibilisiert werden.

Welche Rolle Low-Cost-Roboter beim Thema MRK spielen, lesen Sie auf Seite 2.

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