Jed Pecchioli ist President APAC and EMEA Operations beim US-amerikanischen Distributor America II.

Jed Pecchioli ist President APAC and EMEA Operations beim US-amerikanischen Distributor America II. America II

Herr Pecchioli, welche Innovationen werden die Industrie in Zukunft beeinflussen?

Das Internet der Dinge wird einen großen Einfluss auf die gesamte Branche haben. Unseren Franchise-Linien eröffnet das viele Chancen. Wir haben zum Beispiel einige sehr schöne Display-Linien mit Firmen wie CCT und Beneq, bei den Sensoren wären Altech und Shenzhen KPD zu nennen. Der stärkste Trend derzeit ist, dass viele chinesische Hersteller auf eine AVL-Position setzen, also eine Position auf der Approved Vendor List, und damit europäische und nordamerikanische Hersteller herausfordern, und zwar in Bezug auf Preis und Qualität. Das Vorurteil ist ja, dass chinesische Produzenten vor allem billig sind und Fälschungen anfertigen. Tatsächlich gibt es aber viele sehr gute Unternehmen, die die etablierten Anbieter zunehmend herauszufordern. Viele neue Möglichkeiten gibt es auch bei Sound-Bausteinen, dem Powermanagement von Exar oder Kingstate sowie bei den Timing-Bausteinen. Auch unsere bekannten Franchise-Linien wie Fox und IQD werden vom IoT-Geschäft profitieren. Es durchdringt alle Bereiche.

Gibt es neben neuen Chancen auch neue Risiken?

Eine große Herausforderung für die Industrie sind Firmenfusionen und -übernahmen: M&A schaffen Instabilität auf dem Markt. Die Franchise-Händler wissen nicht mehr, ob sie die jeweilige Linie verlieren oder behalten. Auch für Kunden stellt sich diese Frage: Sie stehen vor Problemen, wenn ein wichtiger Hersteller zu einem anderen Franchise-Distributor wechselt, mit dem das eigene Unternehmen nicht zusammenarbeitet. So ein Szenario kann den kompletten Service-Level entlang der Wertschöpfungs- und Lieferkette vermasseln. Da bei der Fusion von zwei Firmen auch die Kundenbasis beider Unternehmen zusammenwächst, hat der einzelne Abnehmer künftig weniger Einfluss. Also sehe ich das definitiv als Bedrohung. Ich weiß auch, dass die europäischen und deutschen sowie die US-amerikanischen Distributoren die chinesischen Vertriebler nicht unterschätzen dürfen: In Zukunft werden sie einen größeren eigenen Fußabdruck hinterlassen. Sie sind sehr gut in dem, was sie tun.

Asien hat den Ruf, preiswerter zu sein als Europa. Geht das auf Kosten der Qualität?

Hier geht es weniger um den Preis, als um die Marge. Klar können Sie in China billiger produzieren, aber auch hier steigen die Herstellungskosten. Viele Anbieter sind aber bereit, eine kleinere Marge zu akzeptieren, um die Marktanteile bei hochvolumigen Produkten zu steigern und auf die AVL der Kunden zu kommen. Das ist eine Mentalitätsfrage. Selbst bei Amercia II hatten wir lange keine eigene China-Strategie, was ein Fehler war. Schließlich gibt es hier viele gute Hersteller, allerdings auch eine Menge guter Distris. Man muss nur die Kultur kennen und verstehen.

Zurück zum IoT: Glauben Sie, dass Software hier eine größere Rolle spielen wird?

Ehrlich gesagt: Ja. Software wird definitiv eine größere Rolle spielen. Ich war auf einer Elektronik-Messe in Japan, sah aber vor allem Cloud-Anbieter, die ihre neuesten Produkte und Lösungen vorstellten. Wir selbst sind zwar noch nicht im Software-Spiel involviert, ich glaube aber, wenn wir mit einigen der aufstrebenden Software-Unternehmen zusammenarbeiten, können wir hier einiges bewegen. Denn dann haben die Kunden eine Gesamtlösung, von der Hardware bis zur Software. Wenn wir unsere hundert Franchise-Linien am Laufen haben, könnte Software der nächste Schritt sein, eventuell zusammen mit einem Partner.

Eingangs haben Sie Displays erwähnt: welche Trends sehen Sie hier?

Derzeit explodiert der Markt förmlich, aber irgendwann wird er gesättigt sein und Displays gehören zum Standard, so wie alles andere auch. Es gibt sehr viele neue Anwendungen. Wir haben zum Beispiel einen Kunden in Deutschland, der sich auf IoT spezialisiert hat und Monitoring-Lösungen an Städte in Osteuropa verkauft. Dort werden die Lösungen im öffentlichen Wohnungsbau eingesetzt, um Schimmelbildung zu erkennen, bevor es zu einem großen Problem wird.

Jede IoT-Anwendung braucht Displays. Neben der Anzeige benötigen sie auch immer Sensoren, Sound-Ausgabe, Powermanagement, diskrete Bauteile, Kondensatoren, aber auch kleine Mikrocontroller. Das IoT tangiert unsere Lincard auf ganzer Breite. Displays sind nur ein Teil davon.

Danke