Jonas Urlaub, Kübler: „Für Motoren und Verstärkerhersteller ist die Nutzung von SCS open link kostenlos.“ Kübler

Jonas Urlaub, Kübler: „Für Motoren und Verstärkerhersteller ist die Nutzung von SCS open link kostenlos.“ Kübler

Welche Probleme wollen Sie zusammen mit Hengstler und Baumer lösen?

Jonas Urlaub: Das Problem haben heute unsere Kunden und deren Kunden. Durch proprietäre Systeme haben sie bei Lieferengpässen, Qualitätsproblemen oder Sonderwünschen immer das Nachsehen. Dies erhöht deren unternehmerisches Risiko drastisch. Wenn sie dies umgehen wollten, oder einen Spezialantrieb hatten, der einen speziellen Sensor verlangt, den die beiden Hersteller nicht im Portfolio haben, mussten sie bisher weitere Protokolle einbinden und pflegen. Dies ist mit SCS open link als wirklich offene Schnittstelle nun nicht mehr nötig. Es sind alle Anbieter eingeladen, SCS open Link auf Sensorseite zu implementieren.

Wofür steht eigentlich SCS?

Jonas Urlaub: SCS steht für Single Cable Solution, also eine Einkabeltechnologie. Das soll verdeutlichen, dass mit diesem Protokoll die Möglichkeit besteht, die Daten auf zwei Spannungsversorgungsadern zu modulieren und zusätzlich dieses Adernpaar in die Versorgungsleitung der Motoren zu integrieren.

Wie haben Sie das technisch umgesetzt?

Jonas Urlaub: Technisch bildet das Protokoll Acurolink von Hengstler die Basis für SCS open link. Dieses Protokoll hat sich bereits bewährt und seine Performance unter Beweis gestellt.

Welche Vorteile hat ihre Lösung beispielsweise gegenüber Hiperface DSL und Endat 2.2 oder der BiSS-Schnittstelle?

Jonas Urlaub: SCS open link fokussiert die Einkabellösung und ist Hardware-technisch kompatibel mit Hiperface-DSL. Vom Protokollaufbau ist SCS open link näher an EnDat 2.2 und Biss-C. Beide sind allerdings keine Einkabellösungen. Somit haben wir das Beste aus drei Protokollen vereint, um einen schlagkräftigen, offenen Standard zu kreieren.

Ist Ihre Vereinigung für weitere Anbieter von Drehgebern und Motorenhersteller offen?

Jonas Urlaub: Natürlich. Wir haben ein transparentes Lizenzmodell definiert, das es jedem ermöglicht die Technologie zu nutzen. Das Besondere daran: Für die Hersteller von Servoverstärkern beziehungsweise Antriebsherstellern ist die Implementierung und Nutzung kostenlos. Für die Sensoren erheben wir eine Schutzgebühr, da hier auch die Abwärtskompatibilität und ein Conformance-Test bereitgestellt werden muss.

Bei SCS open link haben sich Wettbewerber zusammengerauft, um einen Standard für Server-Feedback-Systeme zu schaffen: Jochen Feiler, Geschäftsführer Hengstler, Gebhard Kübler, Geschäftsführer Kübler und Karsten Just, Geschäftsführer Vertrieb und Marketing der Baumer Group (vl).

Bei SCS open link haben sich Wettbewerber zusammengerauft, um einen Standard für Server-Feedback-Systeme zu schaffen: Jochen Feiler, Geschäftsführer Hengstler, Gebhard Kübler, Geschäftsführer Kübler und Karsten Just, Geschäftsführer Vertrieb und Marketing der Baumer Group (vl). Kübler

Wem gehört die Technologie und wie haben andere Anbieter Zugriff darauf?

Jonas Urlaub: Diese Aspekte sind von den drei Gründungsfirmen der Community, Baumer, Hengstler und Kübler, erarbeitet worden und vertraglich festgehalten. Im Rahmen der Lizenzvereinbarung werden diese Rechte auch an jeden Nutzer übertragen, so dass hier Planungssicherheit für die Zukunft gegeben ist – auch wenn beispielsweise eine der Gründungsfirmen irgendwann nicht mehr partizipieren sollte.

Gibt es einen Zusammenhang zwischen SCS open Link und der im September gegründeten BiSS Association e.V, in der Sie sich ebenfalls engagieren?

Jonas Urlaub: Nein, die BiSS Association e.V. hat das Ziel die gleichnamige Schnittstelle zu fördern. Kübler ist schon seit den ersten Stunden ein BiSS-Nutzer und hat diese Schnittstelle in sehr vielen Encodern implementiert.

Ich welche Gebervarianten integriert Ihr Unternehmen die SCS-Schnittstelle?

Jonas Urlaub: Wir starten zur SPS IPC Drives mit einem klassischen Motorfeedback System, dem Sendix S36. Hier liegt sicherlich auch einer der Hauptanwendungen. Auf der Roadmap sind aber auch klassische Encoder und lineare Systeme für andere Motorarten. Auch wenn in einigen Applikationen eine Integration der Geberleitung in ein Kabel nicht immer so viele Mehrwerte generiert wie bei Servosystemen, kann durch die Reduzierung der Adern im Kabel dennoch sehr viel gewonnen werden. Die Systemvorteile sind hier eine geringere Kabeldicke, die leichtere Installation durch kompaktere Steckverbinder oder das geringere Fehlerrisiko beim Konfektionieren im Feld.

Welche Applikationen haben Sie ins Auge gefasst.

Jonas Urlaub: Die Einkabeltechnik hat einen Hype, speziell in Applikationen wo viele Motoren in der Bewegung mitfahren oder bewegt werden. Weniger Kabel heißt weniger Masse, engere Biegeradien, kleinere Energieketten und somit höhere Dynamik bis hin zu kleineren Antriebsmotoren. Darin liegt der Mehrwert dieser Technologie.
Zum Tragen kommen diese Vorteile in jeglicher Art von Handlingsmaschinen, Portalen aber auch Roboterarmen. Durch die Unterstützung weiterer Motorarten, unser nächster Schritt bei Kübler, entsteht ein durchgängiges Portfolio bei den Antriebsherstellern und somit ein sehr weites Spektrum an Applikationen.

Der Geber ist das Eine, die Integration in Motoren und Umrichter das Andere. Gibt es schon Interesse seitens der Motorenhersteller oder gar erste Implementierungen?

Jonas Urlaub: Es wäre schlimm, wenn nicht. Immerhin raufen sich hier am Markt agierende Wettbewerber zusammen, um einem großen Marktwunsch verschiedenster Hersteller gerecht zu werden. Wir hoffen und erwarten natürlich, dass viele jetzt die Vorteile eines offenen Standards nutzen und sich SCS open link im Markt etabliert.

SCS OPEN LINK

SCS open link ist eine mit besonderem Fokus für Motor-Feedback-Anwendungen entwickelte Schnittstelle. Sie ermöglicht einen hoch performanten Austausch bidirektionaler Daten zwischen Motor und Drive, wie beispielsweise Positionsdaten des Encoders. Durch die Möglichkeiten zur Übertragung weitere Daten von Sekundärsensoren beispielsweise für die Temperaturüberwachung oder das Condition Monitoring erfüllt SCS open link zudem die heutigen und zukünftigen Anforderungen von Industrie 4.0 und IIoT. SCS open link ist als Ein-Kabel-Lösung konzipiert und unterstützt 2- und 4-Draht-Anwendungen. Die neue Schnittstelle ermöglicht Kabellängen bis 100 m, Übertragungsraten bis 10 MBaud und Reglerzyklen bis 32 KHz. Für Funktionale Sicherheit ist das Protokoll zertifiziert bis SIL3 und Kategorie 3. Die Kompatibilität von Geräten untereinander wird sichergestellt durch eine neutrale Zertifizierungsstelle.

SPS IPC Drives 2017: Kübler: Halle 7A, Stand 506; Hengstler: Halle 4A, Stand 525; Baumer: Halle 4A, Stand 335