State of the art auch für die Industrie: Bedienung von Programmen via Multitouchscreen. Spart externe Eingabehilfen und bringt neue Bedienoptionen.

State of the art auch für die Industrie: Bedienung von Programmen via Multitouchscreen. Spart externe Eingabehilfen und bringt neue Bedienoptionen.

Schurter hat den nach eigenen Angaben weltweit ersten industrietauglichen Multifinger-Touchscreen (MFO, Multifinger Operation) mit Controller serienreif entwickelt. Der MFO basiert auf der bekannten analog-resistiven Fünf-Draht-Technologie.

Der von Schurter vorgestellte Multifinger-Touchscreen ermöglicht eine Dateneingabe mit zwei oder mehreren Fingern gleichzeitig, was beispielsweise für Sicherheitsanwendungen sinnvoll ist. Hier besteht zum Schutz des Bedieners oft die Anforderung, Befehle mit beiden Händen zugleich auszulösen. Diese Funktion eines Zustimmtasters kann der MFO-Touchscreen erfüllen, ebenso kann mit einem Finger eine auszuführende Aktion angefordert, mit dem zweiten Finger der Befehl zusätzlich berührend ausgeführt werden. Der Aspekt Sicherheit ist auch in der Medizintechnik von großer Bedeutung: Bestimmte Aktionen dürfen nur mit zwei bestätigten Schaltbefehlen ausgelöst werden. Ein unbeabsichtigtes Starten von Aktionen oder beispielsweise Einstellungsänderungen von Pegeln durch ungewollte Betätigung lassen sich dadurch ausschließen.

Sind nur Prototypen lieferbar oder ist MFO tatsächlich in Serie? Das Produkt, basierend auf der neuen MFO-Technologie, ist inklusive Controller für eine Serienproduktion lieferbar. Wir haben bereits mehrere Prototypen der MFO-Touchscreens produziert. Jeweils kundenspezifisch mit angepasstem Design der Zonen für unterschiedliche Anwendungsgebiete. Einen 15-Zöller mit zwölf symmetrischen Zonen haben wir als ersten Standard-MFO definiert. Dieser ist unter Serienbedingungen hergestellt und für Musteranfragen ab Lager verfügbar. Einen Serienauftrag eines Kunden haben wir noch nicht, bisher sind wir nur in Bemusterungsphasen. Aber wir sind startbereit. Für einen Serienauftrag ist diese MFO-Technologie wohl noch zu neu auf dem Markt.

Stichwort Maschinenumgebung: Geht das von der Bediensicherheit /Robustheit her? Ja, für HMI und Maschinenbau wurde das Produkt vorrangig entwickelt. Die Technologie basiert auf der erprobten und voll industrie­tauglichen Fünf-Draht-Technologie, die ja sehr robust, für raue Umgebungen geeignet und mit einer sehr hohen Lebensdauer von über 35 Millionen Betätigungen behaftet ist. Die analog-resistive Technologie ist zudem die einzige Technologie die ohne Abstriche voll industrietauglich ist. Alle Anforderungen wie zum Beispiel bedienbar mit Handschuh oder Stift, Verschmutzung der Oberfläche, Produkt reagiert nur auf mechanischen Druck etc. sind kein Problem – Bediensicherheit ist also voll gegeben. Für extreme Anwendungen bzw. Anforderungen kann der MFO mit einem zusätzlichen Glasoverlay auf der Oberfläche laminiert werden.

Was setzt das MFO in der Applikation voraus? Um die Funktionalität nutzen zu können muss der Anwender neue Oberflächen programmieren, das heißt es muss ein Umdenken bei der Gestaltung der Bedienoberflächen stattfinden. Viele neue Lösungen zum Beispiel im Sicherheitsbereich sind jetzt möglich: Hier kann bisher nur mit Touchpanels gearbeitet werden. Andere Eingabemedien (wie Zustimmtaster etc.) können entfallen. Bisher konnte kein analog-resistives Touchpanel mit zwei oder mehr Fingern gleichzeitig aktiviert werden. Das heißt Anwendungen sind jetzt möglich, bei denen der User beide Hände am Touchpanel haben muss um sicherheitsrelevante Befehle auslösen zu können. Zusätzlich können die Multifingerzonen parallel zum analogen Touchcontroller separat ausgewertet werden.

Wie sehen Sie den Markt für diese Produkte? Die enorme Anfrageflut und das Interesse seit dem offiziellen Launch zeigt, dass der Markt diese Mehrfingertauglichkeit in Zukunft benötigt und auch einsetzen wird. Zudem ist die Technologie kostengünstig, das heißt ohne Mehrkosten zu den bisherigen industrietauglichen Touchscreens. Es wird aber eine gewisse Zeit dauern, bis das Produkt in neue HMI, im Maschinenbau, Medizin POI/POS, Luftfahrt etc. eindesignt wird. Spätestens nach der Einführung von Microsoft mit Win 7 und der damit möglichen Multitouchfähigkeit, auch ohne eine spezielle Oberflächenprogrammierung, wird sich das Produkt jedoch in vielen neuen Applikationen wiederfinden.

Und mit was für einer weiteren Entwicklung rechnen Sie? Die Stückzahlentwicklung lässt sich schwer vorhersagen. Aber der Markt für Touchscreens und Touchpanel wächst stetig. Nahezu alle Produktneuentwicklungen mit integriertem Display werden fast selbstverständlich mit Touchscreen ausgestattet. An diesem Wachstum wird der MFO-Touchscreen sicher einen wichtigen prozentualen Anteil in naher Zukunft einnehmen. (uns)