"Egal ob Boards oder Systeme, der Software-Anteil bei Embedded-Lösungen steigt rasant und die IoT-Anbindung wird zunehmend Pflicht." Dirk Finstel

„Egal ob Boards oder Systeme, der Software-Anteil bei Embedded-Lösungen steigt rasant und die IoT-Anbindung wird zunehmend Pflicht.“ Dirk FinstelAdlink

Herr Finstel, welche Strategie steckt hinter dem hohen Wachstum?

Um das Wachstum über die kommenden Jahre fortzuführen, hat Adlink in den letzten Jahren eine Reihe von Akquisitionen getätigt. Ein wichtiger Baustein ist dabei die Präsenz in Deutschland und Europa, die mit den Übernahmen von Firmen wie Lippert und Penta ausgebaut wurde. Sowohl unser Headquarter in Mannheim als auch der Entwicklungsstandort in Deggendorf sollen weiter ausbauen. Wichtig für ein solides Wachstum ist vor allem aber auch die Technologieführerschaft ‒ beispielsweise im Themenumfeld des Internets der Dinge.

Was unterscheidet denn Ihr IoT-Angebot von anderen?

Ich behaupte, dass wir technologisch mit unserem Smart Embedded Management Agenten ‚Sema‘ und unserer sicheren industriellen IoT-Cloud weiter sind als unser Wettbewerb. Auch ­haben wir im I/O-Segment Know-how, ­etwa bei der Datenakquisition und in der Medizintechnik. Beides zusammen bildet für OEMs in den Bereichen Medizin, Industrieautomation, Maschinen- und Anlagenbau eine interessante technologische Basis, die der Wettbewerb auch nicht von heute auf morgen entwickeln kann.

Die Sema-Cloud von Adlink hat drei Bestandteile: den Agenten, der die Daten sammelt und zur Cloud schickt, den Cloud-Server als IoT-Zentrale und der das Load-Balancing steuert sowie die Endapplikation.

Die Sema-Cloud von Adlink hat drei Bestandteile: den Agenten, der die Daten sammelt und zur Cloud schickt, den Cloud-Server als IoT-Zentrale und der das Load-Balancing steuert sowie die Endapplikation.Adlink

Was kann Ihre Sema-Cloud genau?

Sema hat drei Bestandteile: den Agenten, der die Daten sammelt und zur Cloud schickt, den Cloud-Server als eigentliche IoT-Zentrale und der das Load-Balancing regelt sowie die Endapplikation für die strukturierte Anzeige der Daten und Konfigura­tion der Systeme.

Das ist überwiegend Software.

Exakt! Und genau dieses Know-how ist entscheidend. Es nutzt Kunden nämlich nichts, wenn sie zwar alle Bestandteile irgendwo kaufen können, die aber als System noch nicht funktionieren. Intel nutzt deswegen unsere Lösung für die Intel Industrial Solutions Consolidation Series und kombiniert sie mit drei vorkonfigurierten, virtuellen Maschinen mit zwei Echtzeitbetriebssystemen und einem Linux, das auch unseren Sema-Agenten anbinden kann. Die Implementierung der Middleware ist hier entscheidend und damit wir als Hardware-Lieferant. Wir sind nicht ohne Grund einer der fünf Premier-Partner der Intel-Allianz Internet of Things Solutions.

Ist das die Embedded Solution Allianz?

Genau. Sie wurde umbenannt, weil die IoT-Anbindung heute den Unterschied zwischen einfachen und intelligenten Embedded-Lösungen ausmacht.

Sehen Sie neben IoT weitere Wachstumsfelder für Adlink?

Die gibt es, lassen sich aber nicht unbedingt vom IoT-Trend abkoppeln. Industrielle Tablets und Handhelds sind eine Kategorie, die für die Optimierung der Logistikprozesse sowie Wartungs- und Instandhaltungseinsätze unabdingbar sind. Smarte Vision-Systeme sind ebenso interessant. Wir bieten hierfür beispielsweise x86-basierte Kameras, deren Quadcore ­Intel Atom E3800 CPU genügend Rechenleistung für anspruchsvolle BV-Applikationen liefert. Es gibt also viele interessante ­industrielle Applikationen, für die wir dedizierte Systeme ent­wickeln – und mit denen wir weiter wachsen.

Was halten Sie von Embedded NUC, abgeleitet von Intels Next Unit of Computing?

Der Board-Markt ist weiterhin wichtig, weil es genügend Applikationen gibt, bei denen OEMs ihr spezifisches Gehäuse selbst entwickeln. Und wir wollen auch in diesem Segment die Nummer zwei werden, etwa im Teilmarkt der Computer-on-Modules mit COM Express, Smarc, QSeven und ETX. Es ist also weit gefehlt, den Markt in diese beiden Lager zu unterteilen.

Ich persönlich glaube nicht an einen Erfolg von NUC im Embedded-Segment. Die Plattform wurde von Intel im unteren Preissegment platziert und auf hochvolumige Märkte optimiert. Diese Nische ist im Embedded-Markt zu klein, um die Investition zu begründen. Wenn ein OEM so ein industrietaugliches System gerne möchte, dann können wir dies auch umsetzen.