Kleines wird groß!

In den vergangenen Monaten konnte man vermehrt Meldungen lesen, in denen der Nanotechnologie eine große Zukunft prognostiziert wird. Einheitlicher Tenor: Ohne Nano geht zukünftig nichts mehr!
Da ist einmal die Rede vom Nanocomputer im Reagenzglas (siehe ES 3/02) der eine Milliarde Operationen pro Sekunde ausführen kann und in einem Tropfen von einem Zehntel Milliliter wässriger Lösung Platz findet. Ein anderes Mal leiten nanometergroße Fasern aus Zinkoxid Laserlicht für optische Computer. Die jüngste Meldung zu diesem Thema kommt vom Computerkonzern IBM. IBM-Forscher haben nach eigenen Angaben die bisher leistungsfähigsten Transistoren aus winzigen Kohlenstoff-Röhrchen gebaut. Die neuartigen Bausteine schlugen Prototypen herkömmlicher Silizium-Transistoren im direkten Vergleich deutlich. Kohlenstoff-Nanoröhrchen, die 50.000 Mal dünner sind als ein menschliches Haar, sollen einmal die Silizium-Elektronik ersetzen. Die Forscher konstruierten die Kohlenstoff-Transistoren nach dem Muster herkömmlicher Silizium-Schaltelemente und verglichen die elektrischen Eigenschaften. Dabei stellten sie fest, dass die Kohlenstoff-Bausteine unter anderem bei einem bestimmten Maß der Stromleitfähigkeit, dem so genannten Gegenwirkleitwert, deutlich bessere Ergebnisse erzielten als die Prototypen neuer Silizium-Transistoren. Es wird voraussichtlich keine zehn Jahre mehr dauern, bis man die physikalischen Grenzen des Siliziums ausgereizt hat. Spätestens dann könnten diese neuen “Super-Transistoren” sukzessive Silizium-Typen verdrängen.
Auch die EU setzt voll auf Nano. Im 6. Rahmenprogramm für Forschung und technologische Entwicklung nimmt die Nanotechnologie bereits den dritten Förderplatz hinter den Bereichen Genom-Forschung und Biotechnologie und der Informationstechnologie ein. Der Nano-Boom kommt so sicher wie das vielzitierte Amen im Gebet.
Vielleicht gerade für ein kleines Land wie Österreich eine große Chance sich wieder einmal an der richtigen Stelle zu engagieren, meint die ES-Redaktion und Ihr

Wolfgang Stabauer
w.stabauer@oewv.at