Große Teile der Leiterplattenproduktion von Würth Elektronik in Niedernhall wurden durch einen Großbrand zerstört: Die mit 5 gekennzeichnete Produktionshalle wurde komplett und die mit 3 gekennzeichnete Halle teils zerstört.

Große Teile der Leiterplattenproduktion von Würth Elektronik in Niedernhall wurden durch einen Großbrand zerstört: Die mit 5 gekennzeichnete Produktionshalle wurde komplett und die mit 3 gekennzeichnete Halle teils zerstört.Würth

Auch wenn die Ursache des Brandes in der Nacht auf den 27. Dezember 2014 noch nicht geklärt ist, kann eine erste Bestandsaufnahme gezogen werden. Mit dem „alten Bauabschnitt“ ist einer von drei Abschnitten der Niedernhaller Produktion zerstört. Dort befanden sich Prozesse wie Bohren, Multilayer, Durchkontaktierung, Lötstopplack und Siebdruck, sowie ein Teil des Labors und der Vertriebsbüros. Mit dem Rückbau soll begonnen werden, sobald das Gebäude von der Staatsanwaltschaft freigegeben ist.

Das so genannte Steinhaus und der Teil der Produktion, in denen Vertrieb und Verwaltung sowie die Innenlagenfertigung und ein Teil der Galvanik untergebracht waren, sind nicht direkt betroffen und lediglich durch Ruß und Rauch beeinträchtigt, nach einer Sanierung aber wieder beziehbar. Diese läuft bereits: Mit den Reinigungs- und Ausräumarbeiten wurde gleich im neuen Jahr gestartet. Auch der im Jahr 2009 erstellte Neubau ist vom Feuer verschont geblieben. Schon wenige Tage nach dem Brand wurden dort einzelne Prozesse peu à peu wieder aufgenommen. „Brandschutztüren haben diese Gebäude vor dem Feuer bewahrt. Wir sind froh, dass die Maßnahmen gegriffen haben und so ein Ausbreiten des Brandes verhindert werden konnte“, erklärt Daniel Klein, Geschäftsführer von Würth Elektronik CBT.

Betroffene Mitarbeiter finden „neue“ Arbeitsplätze

Wie berichtet, agieren weitere Geschäftsbereiche des Würth Elektronik Verbundes wie Würth Elektronik eiSos in Waldenburg und Würth Elektronik ICS (WE ICS) in Niedernhall-Waldzimmern unabhängig und sind durch den Vorfall nicht eingeschränkt. Die regionale Nähe der Gesellschaften ist ein Vorteil: Im kürzlich bezogenen Gebäude der Schwesterfirma WE ICS wurde kurzfristig Platz für 70 Arbeitsplätze geschaffen. Binnen kürzester Zeit wurden für die Niedernhaller Mitarbeiter aus Vertrieb und aus den vorbereitenden Stellen Schreibtische, Stühle, Computer und Telefone, sowie die notwendige IT-Struktur installiert.

An der Verlagerung von Teilen der Produktion an die beiden Leiterplatten-Standorte Rot am See und Schopfheim wurde schon kurz nach dem Brand geplant und gefeilt, erläutert Klein: „Kollegen der beiden Werke haben über die Feiertage gearbeitet und so Kapazitäten generiert. Mittlerweile sind dort Schichten erweitert und somit Produktionskapazitäten erhöht worden. In beiden Werken wurde sogar außerplanmäßig in neue Maschinen investiert, um die benötigten Kapazitäten zu schaffen.“ Seit dieser Woche haben die ersten Niedernhaller Mitarbeiter bereits ihre Arbeit in Rot am See und Schopfheim aufgenommen.

„Unsere Kunden brauchen Leiterplatten. Gemeinsam arbeiten wir an Lösungen, wie wir diese liefern können“, formuliert Denis Giba, Geschäftsführer von Würth Elektronik CBT, die nächsten Ziele. „Uns ist bewusst, dass viele Aufträge in den kommenden Wochen von anderen Herstellern abgewickelt werden. Für einen Vertriebsmitarbeiter gibt es nichts Schlimmeres, als nicht liefern zu können. Diese Durststrecke müssen wir überwinden. Daher stimmen wir eng ab, ob eine Verlagerung der Produktion in eines der anderen Werke oder nach Asien in Frage kommt. Wir loten alle Optionen aus, um die beste Möglichkeit zu finden.“ Ein speziell eingerichteter Bereich auf der Homepage von Würth Elektronik bietet den Kunden Informationen rund um das Werk Niedernhall. Zudem ist es über ein besonderes Tool möglich, den Auftragsstatus abzufragen.

Die beiden Geschäftsführer Giba und Klein halten daran fest: „Jetzt schauen wir nach vorn und arbeiten daran, wieder schnell umfassend aktiv zu sein.“ Das Unternehmen setzt sich ehrgeizige Ziele, was den Wiederaufbau des Standortes angeht. Verwaltung und Vertrieb sollen im März wieder im Steinhaus einziehen. Mittels Ausschreibung bei Produktionsplanungsbüros sollen bis Ende Januar bereits Pläne für den Neubau der zerstörten Bereiche vorliegen. Voraussichtlich wird das neue Gebäude nicht direkt auf dem Brandareal aufgezogen, wodurch Aufbau noch einmal beschleunigt werden kann. Daniel Klein dringt auf Tempo: „Ich will im März die Bagger anrollen sehen.“