Nachdem Ibeo bereits mit Valeo eine Entwicklungspartnerschaft bei Lidar hat, aus welcher der Lidar-Sensor Scala hervorging, der sich momentan im B2-Status befindet und wohl voraussichtlich erstmals 2017 im neuen Audi A8 in Serie gehen wird, setzte ZF den großen Hebel an und erwarb eine 40-Prozent-Beteiligung am Unternehmen Ibeo Automotive Systems GmbH. Das 2009 gegründete, kleine aber feine Unternehmen mit Sitz in Hamburg ist der Pionier bei Lidar-Sensoren schlechthin und nach Angaben von ZF „Marktführer in der Entwicklung von Lidar-Technologie sowie Software zur Umgebungserkennung und Spezialist für Anwendungen zum Autonomen Fahren“. Zu den Ibeo-Kunden gehören namhafte Automobilhersteller weltweit.

Nicht nur für ZF ist die Lidar-Technologie ein wesentlicher Sensor für das automatisierte Fahren.

Nicht nur für ZF ist die Lidar-Technologie ein wesentlicher Sensor für das automatisierte Fahren. ZF TRW

Derzeit ist von Valeo noch kein Statement zu bekommen, ob und inwiefern sich dieser Deal auf den Laserscanner Scala von Valeo auswirkt.
„Mit Lidar haben wir Zugriff auf eine entscheidende Technologie der Umfeld- und Objekterkennung“, begründet der ZF-Vorstandsvorsitzende Dr. Stefan Sommer den Einstieg bei Ibeo. „Lidar-Sensoren ergänzen die von uns bisher genutzte Radar- und Kameratechnik – vor allem aber bringt die von Ibeo geleistete Fusion dieser drei Sensor-Technologien hervorragende Ergebnisse in der Umgebungswahrnehmung und ist Voraussetzung für das Autonome Fahren.“

Dr. Sommer ist sich sicher: Mit ZF wird Ibeo den nächsten und für die Anwendung in Fahrzeugen bedeutenden Technologiesprung machen: die mit ZF entwickelte Lidar-Generation wird die Umgebung dreidimensional abbilden können und ohne rotierende Spiegel auskommen, wie sie derzeitige Lidar-Systeme beinhalten. Durch die Solid-State-Technologie wird die Lidar-Technologie kompakter und lässt sich besser in Fahrzeuge integrieren.

„Mit Lidar haben wir Zugriff auf eine entscheidende Technologie der Umfeld- und Objekterkennung“, begründet der ZF-Vorstandsvorsitzende Dr. Stefan Sommer den Einstieg bei Ibeo.

„Mit Lidar haben wir Zugriff auf eine entscheidende Technologie der Umfeld- und Objekterkennung“, begründet der ZF-Vorstandsvorsitzende Dr. Stefan Sommer den Einstieg bei Ibeo. KD Busch (am 20. Automobil-Elektronik-Kongress)

„Unsere Leitidee bei ZF lautet ‚See – Think – Act‘, denn wir werden die Autos der Zukunft mit neuen Sinnen und mehr Intelligenz ausstatten“, führt Dr. Sommer weiter aus. „Um das zu erreichen, decken wir die verbleibenden weißen Flecken in unserem Technologieportfolio nach und nach ab“, erläutert ZF-Chef Sommer die Beteiligung an Ibeo. „Mit der Lidar-Technologie und Sensorfusion stärken wir gewissermaßen Auge und Gehirn zukünftiger Autogenerationen und kommen so der Vision des unfallfreien Fahrens wieder ein Stück näher.“

Die technologischen Wurzeln des Unternehmens Ibeo reichen bis 1998 zurück. In dem rasant wachsenden Markt der Sensorik und Umfelderkennung wird Ibeo mittelfristig von aktuell gut 50 auf 250 Mitarbeiter wachsen und ein Autonomous Driving Competence Center (AD-CC) aufbauen. Ziel des AD-CC ist die Serienentwicklung und -vermarktung von Lösungen zum hochautomatisierten- und Autonomen Fahren.

„Wir freuen uns sehr auf die Zusammenarbeit mit ZF – mit dem Technologiekonzern haben wir einen starken Partner an Bord, der zielstrebig die Megatrends Sicherheit und Autonomes Fahren gestaltet“, bewertet Ibeo-Geschäftsführer Dr. Ulrich Lages die Minderheitsbeteiligung von ZF. „Mit unserem umfassenden Know-how sind wir in der Lage, alle Fahrassistenzanwendungen bis hin zu hochautomatisierten Fahrsystemen mit 3D-Lidar-Technologie zu ermöglichen.“

Lidar (aus dem Englischen: „Light Detection and Ranging“) bezeichnet ein Verfahren, bei dem ein Lichtpuls ausgesendet wird und über die Laufzeit und Lichtgeschwindigkeit eine Entfernung berechnet werden kann. Lidar ist eine dem Radar sehr verwandte Methode zur optischen Abstands- und Geschwindigkeitsmessung; statt der Radiowellen beim Radar werden Laserpulse verwendet.