Auf einen Blick: verschiedene Formen des elektronischen Handels.

Auf einen Blick: verschiedene Formen des elektronischen Handels.Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie

Durchgeschüttelt wie nach einer Achterbahnfahrt, so werden sich die meisten Unternehmen im Markt für elektronische Bauteile und Baugruppen bei einem Rückblick auf die letzten beiden Jahre vorkommen: Nach dem freien Fall 2009 folgte 2010 ein rasanter Aufstieg. Monat für Monat verzeichneten die Hersteller weltweit Rekorde beim Auftragseingang und am Ende gab es Knappheit und Preiserhöhungen. Die Vorkommnisse in Japan – Erdbeben, Tsunami und die Atomkatastrophe – werden die Versorgungslage der Elektrotechnik- und Elektronikindustrie im Jahr 2011 weiter verschärfen.

Die in der Krise 2009 reduzierten Kapazitäten konnten die sprunghaft ansteigende Nachfrage im letzten Jahr kaum befriedigen. In Europa war und ist die Nachfrage nach elektronischen Bauteilen nun deutlich größer als das lokale Angebot. Einkäufer hatten oft das Nachsehen. Denn wer elektronische Komponenten auf dem lokalen Markt suchte, wurde oft nur schwer fündig. Eines der ernsten Probleme: Stammlieferanten konnten wegen Kapazitätsengpässen nicht liefern – der Bedarf überstieg die geplanten Produktionszahlen, weil auch die Vorlieferanten 2010 nicht mit einem Boom gerechnet hatten. Als Ausweg gibt es in Form eines Sourcing-Marktplatzes durchaus Möglichkeiten, den Radius der Suche nach geeigneten Lieferanten zu erweitern.

Ausschreibung auf einem Sourcing-Marktplatz

Chips, Dioden, Encoder, fotoelektrische Zellen, Gehäuse, Generatoren, Halbleiter, Induktoren, Kondensatoren, Netzteile, Oszillatoren, Relais, Sensoren, Signalgeneratoren und Transistoren sowie vorgefertigte Module: Es gibt kaum Materialen und Güter, die sich nicht für eine Ausschreibung auf einem Sourcing-Marktplatz eignen würden. Benötigt ein Anlagenbauer oder ein Werkzeugmaschinenhersteller maßgefertigte Produkte, ist er auf einem Sourcing-Marktplatz genau richtig. Beschafft werden Zubehörteile oder auch ganze Baugruppen auf Basis von Arbeitsplänen, Stücklisten oder Konstruktionszeichnungen – vorwiegend für Einzelaufträge.

Eine Frage der Herkunft

Online-Sourcing ist an sich nichts Neues, die Frage ist die nach dem Service ringsum. Mfg.com schreibt sich auf die Fahnen, die Ausschreibungen zu prüfen beziehungsweise eine Kriterienvergabe zuzulassen: auf Vollständigkeit der technischen Angaben zu den elektronischen ­Bauteilen und Modulen, gegebenenfalls Konstruktionszeichnungen, Liefer­termin, Einschränkung bei der Lieferantensuche, Suchregionenbeschränkungen wie Deutschland/Europa/weltweit oder Negativ­einstellungen, die bestimmte Länder ausregeln oder ob Lieferant-Referenzen vorhanden sein müssen. Um diese Zusatzservices bieten zu können beziehungsweise um die Qualität zu erhalten, ist das Angebot allerdings kostenpflichtig.

Viele Unternehmen, die projektorientiert arbeiten, verschenken Geld und Zeit, wenn sie die benötigten Produkte in Herstellerkatalogen suchen. Deutlich effektiver ist es, sich als Einkäufer auf einem Sourcing-Marktplatz zu registrieren. Der entscheidende Vorteil: Je mehr Informationen ein potenzieller Lieferant elektronischer Bauteile und Baugruppen über den Einkäufer hat, desto eher finden bei einem konkreten Bedarf beide Seiten zusammen.

Elektronische Ausschreibung: vollständig und konsistent

Wichtig ist, welche Serviceangebote ein Marktplatz bietet. Ist die Registrierung kostenlos, kann der Einkäufer kaum erwarten, dass ihm ein Service zur Verfügung steht. Teil eines kostenpflichtigen Serviceangebots ist etwa, dass der Marktplatzbetreiber die Ausschreibung eines Einkäufers auf Vollständigkeit hin überprüft: Sind alle technische Angaben zu den elektronischen Bauteilen und Modulen vorhanden? Ist eine Konstruktionszeichnung erforderlich und verfügbar? Ist ein Liefertermin genannt? Gibt es eine Einschränkung bei der Lieferantensuche? Soll nur innerhalb von Deutschland, von Europa oder auch weltweit nach einem geeigneten Lieferanten gesucht werden? Scheiden etwa bestimmte Regionen oder Nationen als Lieferanten aus? Muss der potenzielle Lieferant Referenzen vorweisen, beispielsweise, dass er ähnliche Teile schon einmal gefertigt hat?

Eine Sourcing-Plattform bietet eine Reihe von Anknüpfungspunkten zu anderen Systemen, etwa zu Logistik- und Zahlungsdiensten.

Eine Sourcing-Plattform bietet eine Reihe von Anknüpfungspunkten zu anderen Systemen, etwa zu Logistik- und Zahlungsdiensten.Mfg.com

Hat der Einkäufer, und das können neben Mitarbeitern aus der Einkaufsabteilung (Sourcing-Spezialisten) auch Techniker oder Ingenieure sein, solche Services gebucht, besteht der nächste Schritt darin, dass der Betreiber des Sourcing-Marktplatzes im Rahmen des jeweiligen Servicevertrags nach geeigneten Lieferanten sucht. Denn eines ist klar: Automatisch finden die passenden Geschäftspartner nicht zusammen. Hier hat sich in den letzten zehn Jahren bei der Erwartungshaltung einiges geändert. Als zu Beginn des letzten Jahrzehnts die ersten B2B-Online-Marktplätze starteten, dachten viele, es genüge, wenn möglichst viele Einkäufer und Lieferanten auf dem Marktplatz gelistet sind. Die Annahme lautete: Je größer das Angebot, desto eher finden Einkäufer und Lieferanten ohne weiteres Zutun zueinander.

Registrierung von Lieferanten

Dass dies nicht funktionieren kann, zeigt ein einfaches Beispiel. Erfährt ein Unternehmen eine Woche vor dem zugesagten Liefertermin, dass der Produzent der Bauteile Probleme hat, benötigte Vorprodukte zu erhalten, ist ein Sourcing-Marktplatz der geeignete Ort, um nach Alternativen zu suchen. Aber nur Premium-Services, wie sie beispielsweise der Sourcing-Marktplatz Mfg.com anbietet, erlauben die aktive Suche nach Lieferanten, die in der Lage sind, den Auftrag in der geforderten Menge, Qualität und Zeit zu bearbeiten. Erst auf dieser Basis erhalten Einkäufer innerhalb weniger Stunden eine Liste mit geeigneten Lieferanten.

Damit ein solcher Service möglich ist, müssen sich auch die Lieferanten explizit auf dem Sourcing-Marktplatz registrieren und, ähnlich wie die Einkäufer, ein aussagekräftiges Profil ihres Leistungsspektrums hinterlegen. Sehr hilfreich an dieser Stelle ist, ob es ein Bewertungssystem gibt, bei dem Einkäufer aus früheren Transaktionen Lieferanten benoten. Durch eine Konsultation der Lieferantendatenbank ist ein Marktplatzbetreiber dann in der Lage, eine Liste mit geeigneten Unternehmen zu erstellen und sofort mit den passenden potenziellen Produzenten oder Dienstleistern persönlich Kontakt aufzunehmen. Je mehr Informationen über Einkäufer und Lieferanten vorhanden sind, desto eher gelingt der Matching-Prozess zwischen beiden.

Ein Sourcing-Marktplatz muss demnach deutlich mehr bieten als ein elektronisches schwarzes Brett oder der Kleinanzeigenteil einer Zeitung. Die elektronische Ausschreibung bedeutet für den Einkäufer mehr, als nur mit einem Lieferanten eine Geschäftsbeziehung einzugehen. So gibt es beispielsweise Änderungen an der Bauweise von Komponenten, den Austausch von Informationen und Aktualisierungen von Produktionen oder Materialvorgaben.

Alle Aktivitäten auf dem Marktplatz gebündelt

Beim Electronic-Sourcing müssen sämtliche Aktivitäten an einer zentralen Stelle zusammengefasst und koordiniert werden. Einkäufer senden Ausschreibungen per Mausklick, stellen vermittelt über einen Sourcing-Marktplatz wie Mfg.com einen Kontakt mit möglichen Lieferanten her, tauschen mit ihnen Nachrichten aus, teilen ihre Aufträge zu, bewerten die Lieferanten oder führen Audits durch. Nur wenn diese Bedingungen erfüllt sind, können Unternehmen bei elektronischen Ausschreibungen tatsächlich Zeit und Geld sparen.

Auch den Produzenten elektronischer Bauteile bietet ein Sourcing-Marktplatz klare Vorteile. Denn heute kann es sich kein Unternehmen leisten zu warten, bis die Kunden es finden. Das zeigte sich im Krisenjahr 2009, als in vielen Unternehmen bisherige Kunden den Bezug von Waren einstellten und ganze Märkte vorübergehend wegbrachen. Auch Startups profitieren von der Präsenz auf dem Sourcing-Marktplatz, denn sie erhalten ohne Vertriebskosten Kontakt zu Interessenten. Ein Sourcing-Marktplatz eröffnet den registrierten Lieferanten die Möglichkeit, direkt mit Einkäufern, die ihre Produkte und Service benötigen, in Verbindung zu treten. Das ist schließlich die klassische Aufgabe eines Marktplatzes, Angebot und Nachfrage zusammenzubringen. 

Martin Hengstmann

: Martin Hengstmann, Area Sales Manager Buy-Side bei Mfg.com in München.

(uns)

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