Seit bekannt ist, dass sich die Organisationen IDA und Modbus.org zur Modbus-IDA.org zusammenschließen (IEE 11/03, S. 12), fragt sich die Automatisierungsbranche, ob das nun der große Durchbruch der IDA oder deren Ende ist. Dazu ein Statement von Martin Jetter, bis zur Verschmelzung noch IDA-Vorstand:
Getreu dem Motto – bad news are good news – sehen einige Berufs-Pessimisten ein tragisches Ende der IDA mit der Verschmelzung zur Modbus-IDA.org. Aus meiner Sicht ist ein Ende der IDA gar nicht mehr möglich – viel zu sehr sind wesentliche Elemente weit über die Grenzen der IDA hinaus auch in andere Konzepte eingeflossen.
Zuerst trat die IAONA und kurze Zeit später die IDA an, um Ethernet in der Automatisierung zu etablieren. Vor allem die IDA hatte es sich auf die Fahnen geschrieben, die notwendigen technischen Voraussetzungen dafür zu schaffen. Diese Ziele wurden uneingeschränkt erreicht. Die Arbeit dieser Organisationen beeinflusst die Roadmap aller führenden Automatisierungsanbieter massiv – technisch sowie zeitlich.
Wichtige Teile der IDA-Spezifikation, wie die IP-Adress-Vergabe, Plug&Work oder Device-Description, wurden mit der PNO und ODVA gemeinsam erarbeitet und abgestimmt. Gerade im Bereich Web spielt das IDA-Konzept eine herausragende Rolle und hat die Automatisierungswelt stark beeinflusst, vor allem weil sich die anderen Organisationen mit diesem zentralen Thema kaum beschäftigt haben.
Hinsichtlich der heiß diskutierten Realtime-Aspekte hat die IDA mit NDDS ein Konzept für leistungsfähige Komponenten und mit Modbus-TCP eine Lösung für kleine Geräte geschaffen. Bei letzteren hat die IDA weltweit den höchsten Marktanteil verfügbarer Geräte.
Aber eigentlich sollte gar nicht mehr mit Marktanteilen geklotzt werden. Hier wird noch viel zu sehr mit der alten Feldbuskrieg-Terminologie argumentiert. Auf Basis von TCP/IP sind unterschiedliche Protokolle möglich, ohne dass sie sich gegenseitig stören – dies ist in der IT-Welt auch längst üblich. Oder gab es jemals ein Streitgespräch darüber, ob nun FTP oder HTTP den höheren Weltmarktanteil hat? Das ist überhaupt nicht von Interesse. Beide haben ihre Berechtigung und stören sich nicht. Analog dazu implementieren bereits jetzt Hersteller in einem Gerät gleichzeitig Modbus-TCP und Ethernet/IP. Somit sollte also endlich Schluss sein mit den alten Floskeln. Lernen wir lieber die Regeln der neuen Automatisierungswelt – Durchgängigkeit, Transparenz und Offenheit. Und diese Welt wurde maßgeblich von der IDA gestaltet, die auch weiterhin ein gewichtiges Wort mitreden wird.
Selbstverständlich hat sich die Welt seit der IDA-Gründung weitergedreht. Die IDA hat ihre ursprünglichen Ziele erreicht, sowohl technisch als auch hinsichtlich des Marketing. Das nächste Etappenziel heißt nun vor allem – Umsetzung in Geräte. Auch wenn nicht jedes IDA-Mitglied die gesamte Spezifikation realisiert, so fließen doch maßgebliche Elemente ein. Und dafür ist eine international agierende Organisation mit starker Marketing-Ausrichtung besser positioniert als die technisch orientierte IDA. Die Fortführung der IDA-Mission unter der Modbus-IDA ist also sichergestellt. Was will man mehr?