Der dynamische chinesische Markt zwingt deutsche Maschinenbauer zum Umdenken.

Der dynamische chinesische Markt zwingt deutsche Maschinenbauer zum Umdenken.EBM Papst

„Hat man das Potenzial, in China langfristig orientiert vorzugehen, dann sollte man es auch anpacken. Ich meine, es ist besser, selbst in die Höhle des Löwen zu gehen, anstatt zu warten, bis die chinesische Konkurrenz irgendwann in der eigenen Höhle auftaucht“, erklärte Dr. Thomas Lindner VDMA-Präsident und Vorsitzender der Geschäftsführung von Groz-Beckert, anlässlich der Veröffentlichung der Studie. In drei bis fünf Jahren, so die Studie, werde fast jeder vierte deutsche Maschinenbauer über F&E-Einheiten in China verfügen.

Deutsche Unternehmen müssten deshalb den chinesischen Markt noch stärker in ihrer Strategie- und Geschäftsmodellentwicklung berücksichtigen. Denn viele deutsche Maschinen seien für die Bedürfnisse der Kunden in China überfunktioniert. Die Gefahr der Abwanderung dieser Kunden zum lokalen chinesischen Wettbewerber sei daher groß, befürchten die Mannheimer Wissenschaftler. „Das mittlere Marktsegment ist für die zukünftige Positionierung deutscher Maschinenbauer in China besonders wichtig, da es sich laut unserer Umfrage in den nächsten drei bis fünf Jahren zum größten Teilsegment des chinesischen Maschinenbaus entwickeln wird – von heute 34,3 % des Gesamtmarktes auf 40,3 % in drei bis fünf Jahren – und dort auch das stärkste Wachstum mit plus sechs Prozent zu beobachten ist“, erklärte Wolfgang Albeck, IFM Mannheim. „Mit ihren leistungsstarken und vergleichsweise teuren Angeboten treffen die deutschen Maschinenbauer allerdings nicht immer die Preis-Leistungserwartungen der lokalen Kunden.“

Land im Detail

Chinas Maschinenmarkt

China ist mit 678 Milliarden Euro Umsatz (2012) der weltweit größte Markt für Maschinen (vor den USA mit 330 Milliarden Euro). 2003 lag der Maschinenumsatz in China bei 77 Milliarden Euro, neun Jahre später bereits bei 678 Milliarden Euro. Die durchschnittliche jährliche Wachstumsrate (Compound Annual Growth Rate) in China lag von 2003 bis 2012 bei 27,3 %.

Mit der Entstehung wettbewerbsfähigerer Anbieter in China – und anderen Emerging Markets – bestehen darüber hinaus auch zunehmend Alternativangebote für die Kunden vor Ort, weshalb deutsche Unternehmen über eine verstärkte Anpassung ihrer Produkte und Geschäftsmodelle an die lokalen Bedürfnisse nachdenken müssten. Allerdings würden nur ein Viertel der Unternehmen, die sich an der Studie beteiligt haben, ihre chinesischen Rivalen ähnlich gut kennen wie ihre europäischen Konkurrenten, was gezielte Wettbewerbsmaßnahmen erschwere.