Innerhalb der europäischen Union stehen seit 1982 bei über 90 % aller Industrieunfälle organisatorische Fehler an erster Stelle – das ist vermeidbar.

Innerhalb der europäischen Union stehen seit 1982 bei über 90 % aller Industrieunfälle organisatorische Fehler an erster Stelle – das ist vermeidbar.

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Wenn es um Menschenleben geht, kann und darf nicht allein die Effizienz einer Maschine ausschlaggebend sein. Außerdem muss das, was für den gesamten Maschinenbau gilt, auch für diejenigen gelten, die Anlagen oder Maschinen weiterentwickeln, verändern oder warten: Es obliegt ihnen, mit den betreffenden Normen zur Sicherheit vertraut zu sein, Fehler zu vermeiden und unumgehbare Risiken den Anforderungen der jeweiligen Norm entsprechend zu beherrschen. Daher sah sich das auf Modernisierungen von Prozessanlagen spezialisierte Engineering-Unternehmen LAE aus Nußloch dazu veranlasst, verstärkt auf die Sicherheit bei Kundenanlagen zu achten.

„Die immer noch relativ hohen Unfallzahlen an der Schnittstelle Mensch/Maschine haben uns davon überzeugt, dem Sicherheitsaspekt in unserem Unternehmen einen noch höheren Wert zuzuweisen“, erklärt Ronnie Trickes, Leiter Business Administration bei LAE. Deshalb hat das Unternehmen damit begonnen, seine Ingenieure zu ‚Functional Safety Engineers Industry‘ zertifizieren zu lassen. Dabei bildeten das Ermitteln der nötigen Risikominderung und das normgerechte Realisieren anhand von Praxisbeispielen die Schwerpunkte der Weiterbildung. Ziel war das Vermitteln von Know-how und praktischer Sachkenntnis im Bereich der funktionalen Sicherheit von Maschinen auf Basis der IEC 61508, IEC 61511 und weiterer internationaler Standards, wie der Richtlinie 2006/42/EG (Maschinenrichtlinie) inklusive CE-Kennzeichnung.

Auch wenn die Zahl der tödlichen Unfälle seit ­Jahren tendenziell ­abnimmt, liegt der Wert immer noch zu hoch.

Auch wenn die Zahl der tödlichen Unfälle seit ­Jahren tendenziell ­abnimmt, liegt der Wert immer noch zu hoch. Bild: Referat – Statistik – Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung (DGUV)

Dass diese Regeln wirken, zeigt ein Blick auf die Statistik: In Deutschland sank seit Einführung der EU-weiten CE-Maschinenrichtlinie im Jahre 2006 die Anzahl der Unglücke beim Bedienen einer Maschine von 66 902 um rund 35 % auf 43 791 im Jahr 2015 und bei den Todesfällen sogar um 45 % von 40 auf 22. Mit 14 464 respektive 10 Opfern ist das Überwachen, Bedienen, Betätigen einer Maschine die häufigste Unfallursache. Dagegen stiegen im Jahr 2016 beispielweise die meldepflichtigen Wegeunfälle um 3,84 % auf 186 070 an. All diese Zahlen belegen, dass ein Mehr an Maschinensicherheit Unfälle verhindern und so Menschenleben retten kann. Es liegt also in der unternehmerischen Verantwortung, dem Bereich Maschinensicherheit einen entsprechend hohen Stellenwert im Unternehmen zuzuweisen.

Problem der komplizierten Bürokratie

Seit der Einführung der ­CE-Richtlinie im Jahr 2006, nimmt die Zahl der Unfälle bei Bedienung einer ­Maschine stetig ab.

Seit der Einführung der ­CE-Richtlinie im Jahr 2006, nimmt die Zahl der Unfälle bei Bedienung einer ­Maschine stetig ab. Bild: Referat – Statistik – Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung (DGUV)

Sich in der Vielzahl der bestehenden und sich ständig ändernden Richtlinien, Gesetzen, Verordnungen und Normen, etwa zur CE-Zertifizierung, zurechtzufinden, erweist sich jedoch oft als schwierig: Standards, die gestern noch galten, sind morgen bereits überholt oder wichtige Sicherheitsvorschriften wurden verschärft. Da gerät in Unternehmen die Frage, ob die Sicherheit an der eigenen Anlage nach geltender Gesetzeslage wirklich noch garantiert ist, so manches Mal ins Hintertreffen. Zudem rechnet es sich für Betroffene nur selten, in eigenes Personal inklusive Weiterbildung zu investieren. „Deshalb haben wir unser Leistungsspektrum in diesem Bereich erweitert und tragen mit unserer Erfahrung in Sicherheits- und Managementsystemen Sorge, dass wir die Risiken an dieser Stelle minimieren“, kommentiert Klaus Philipp, Bereichsleiter Prozessanlagen/Industrie.

Denn weltweit kommt es jährlich immer noch zu 270 Millionen Verletzungen durch Maschinen. Innerhalb der europäischen Union stehen seit 1982 bei über 90 % aller Industrieunfälle organisatorische Fehler an erster Stelle. Diese Fakten sind für LAE ein wichtiger Ansatzpunkt, um sein Know-how einzubringen. „Wir sehen unsere Einsatzgebiete sowohl im Maschinenbau, wo Gefährdungen meist eindeutig identifizierbar sind, als auch in der Prozess- und Verfahrenstechnik, wo sich die Gefahren oft komplexer und schwieriger darstellen“, so Philipp.

Arbeitssicherheit in Deutschland

„Vor zwanzig Jahren geschahen in Deutschland je Arbeitsstunde noch etwa doppelt so viele Unfälle wie heute“, betont Dr. Joachim Breuer, Hauptgeschäftsführer der Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung (DGUV), und ergänzt: „Die Arbeitsbedingungen hierzulande werden immer sicherer.“ Dafür spricht auch die Tendenz, dass nicht nur die Zahl der meldepflichtigen, sondern auch die der schweren Unfälle abnimmt.

Beispielsweise ist das Risiko einen Arbeitsunfall zu erleiden, laut der Arbeitsunfall-Statistik von 2015, erneut gesunken. So fiel die Zahl der Arbeitsunfälle pro einer Million Arbeitsstunden um fast 2 %. In absoluten Zahlen: Pro eine Million Arbeitsstunden ereigneten sich im Jahr 2015 nur 14 Arbeitsunfälle. 866056 meldepflichtige Arbeitsunfälle gab es insgesamt; das sind etwa 21,9 je 1000 Vollarbeiter – 1,3 % weniger als 2014. Und das bei einer Zunahme der geleisteten Arbeitsstunden um 1,5 % im Berichtsjahr.

Dabei steht ‚der Vollarbeiter‘ für eine statistische Rechengröße und dient dem Berechnen der Unfallquote. Ein Vollarbeiter entspricht der durchschnittlich von einer vollbeschäftigten Person im produzierenden Gewerbe und Dienstleistungsbereich tatsächlich geleisteten Arbeitsstundenzahl pro Jahr. Die Größe spiegelt damit die Expositionszeit gegenüber Arbeitsunfällen wider. So ergibt sich die Unfallquote beziehungsweise das durchschnittliche Unfallrisiko aus den Arbeitsunfällen pro 1000 Vollarbeiter. Als tödlich zählen die Statistiker einen Unfall, wenn der Tod im Berichtsjahr innerhalb von 30 Tagen nach dem Unfall eintritt.

Mehr rund um das Thema CE-Konformität gibt es auf Seite 2.

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