Nach einführenden Worten von Hüthig-Verlagsleiter Rainer Simon und Chefredakteur Alfred Vollmer, der die Veranstaltung auch moderierte, widmete sich der erste Themenblock  der Zusammenarbeit der Geräte. „Hertz trifft Herz“ überschrieben  Dr. Peter Herrmann von der Göttinger Universitätsklinik für Anästhesiologie und Prof. Dr. Phuc Nguyen, stellvertretender Institutsleiter der Medizinischen Fakultät Mannheim, ihre Keynote. Darin erkundeten sie das Potenzial, das computergestützte multimodale Monitoring-Systeme für eine zeitsynchrone kabellose Erfassung und Analyse von Biosignalen bieten. Matthias Wedel, Leiter Remote Solutions bei Siemens Healthcare, referierte über die unterschiedlichen Standards, die bei der Kommunikation medizinischer Systeme – systemintern bis standortübergreifend. Dabei unterstich er die zentrale Rolle der Interoperabilität.

Rudolf Sosnowsky (Hy-Line): "Eine sehr runde Veranstaltung, die Medizin und Elektronik in einem ganzheitlichen Ansatz zusammenbringt."

Rudolf Sosnowsky (Hy-Line): „Eine sehr runde Veranstaltung, die Medizin und Elektronik in einem ganzheitlichen Ansatz zusammenbringt.“ Therese Meitinger

Herausforderung Gebrauchstauglichkeit

Im zweiten Themenblock „Usability“ problematisierte Prof. Dr. Christian Johner (Johner Institut) den Begriff der „Gebrauchstauglichkeit“:  Zwar sei das Schlagwort in aller Munde, doch werde es  oft wenig differenziert angewandt. Prof. Dr. Michael Quintel, Direktor der Göttinger Universitätsklinik für Anästhesiologie, beleuchtete in seiner Keynote den Einsatz von Medizinelektronik aus der Sicht der intensivmedizinischen Praxis. Unter dem Motto „Zwischen Patientensicherheit und Patientenwohl“  setzte er sich kritisch mit Alarmen und der Lautstärke auf der Intensivstation auseinander.

Welche Rolle KI-basierte Sprachassistenzsysteme im OP-Umfeld spielen können, zeigte Dr.-Ing. Norbert Pfleger, Geschäftsführer von Semvox, in seiner Rede auf. Frank Hedrich (Hahn-Schickard-Gesellschaft) stellte einen MEMS-basierten Atemstromsensor vor, der in Kombination mit einer Smartphone-App die Qualität der medizinischen Erstversorgung verbessern soll. Im letzten Vortrag des ersten Kongresstags gab  Rudolf Sosnowsky (Hy-Line) nicht nur einen Überblick über Touch-Technologien sondern er erläuterte auch die Möglichkeiten der PCAP-Technologie für Touchscreens, die im medizinischen Umfeld zum Einsatz kommen.

Der Austausch zwischen Entscheidern stand im Fokus des ersten Medizin Elektronik Kongress'.

Der Austausch zwischen Entscheidern stand im Fokus des ersten Medizin Elektronik Kongress‘. Alfred Vollmer

Networking bei Schweinebraten und Alpenkulisse

Den ersten Vortragstag ließen die Kongressteilnehmer in einem „Original Bayerischen Biergarten“ ausklingen, der im Foyer des Hochhauses der Süddeutschen Zeitung auf sie wartete. Bei Schweinebraten, Bier, Brezen, Apfelstrudel und anderen bayerischen Spezialitäten nutzten sie die Gelegenheit zum entspannten Networking. Sicher ließen sich hier auch einige der Standgespräche der Fachausstellung vertiefen, auf der Iftest, Asys Life Science, Embex, Hy-Line und der VDMA ihr Angebot präsentierten.

Zusammenarbeit über die Wertschöpfungskette

Norman Slottke (Siemens Medical): „Der Kongress bot einen idealen Rahmen für Gespräche zwischen Forschung, Dienstleistern und Zulieferern aus der Medizintechnikbranche. Aus unserer Sicht war die Veranstaltung ein voller Erfolg und wir freuen uns schon auf nächstes Jahr.“

Norman Slottke (Siemens Medical): „Der Kongress bot einen idealen Rahmen für Gespräche zwischen Forschung, Dienstleistern und Zulieferern aus der Medizintechnikbranche. Aus unserer Sicht war die Veranstaltung ein voller Erfolg und wir freuen uns schon auf nächstes Jahr.“ Alfred Vollmer

Den ersten Schwerpunkt des zweiten Kongresstags bildete die Zusammenarbeit über die Wertschöpfungskette. Günther Fischer (Wibu-Systems)  widmete sich der Rolle, die IT-Security im medizinischen Kontext einnimmt. Mithilfe welcher Technologien  lassen sich beispielsweise sensible Patientendaten schützen oder Hackerangriffe auf intelligentes Equipment unterbinden? „Autoklavierbare Elektroniken – ein Trend in der Medizintechnik?“ – diese Frage stellte Victor Callegari von Turck Duotec in den Raum, um sie dann definitiv zu beantworten. Markus Peter Manleitner (QTEC) führte das Auditorium hingegen in die Lieferantenbewertung  nach dem Standard Medical-SPICE ein. Wie Hersteller akzeptable Risiken ermitteln und warum Risikoanalysen oft pessimistisch angelegt sind, erklärte Dr. Andreas Purde vom TÜV Süd in seinem Vortrag.

Von der Forschung zum Produkt

Das Themenfeld „Von der Forschung über die Architektur zum fertigen Produkt“ bestimmte den Nachmittag des zweiten Kongresstags. So vollzog Dr. Günter Hahn von der Anästhesie des Göttinger Universitätsklinikum den Weg der Elektrischen Impedanztomographie auf dem Weg in die klinische Anwendung nach.  Dr. Hans-Otto Maier, Senior Vice President Innovation- and IP-Management bei B. Braun Melsungen, beschrieb in seiner Keynote die Wechselbeziehung von angewandter Forschung, Vorentwicklung und Produktentwicklung. Er zeigte die Zusammenhänge zwischen Forschung und Entwicklung bei inkrementellen und disruptiven Innovationen auf.

Oliver Bleher, Asys Life Sciences: "Die Vorträge waren gut, auch die Abendveranstaltung hat mir gefallen."

Oliver Bleher, Asys Life Sciences: „Die Vorträge waren gut, auch die Abendveranstaltung hat mir gefallen.“ Therese Meitinger

Über Architekturen für funktionale Sicherheit und insbesondere die Vorteile von Control- und Protect-Systemen sprach Norman Slottke von Siemens Healthcare. Zum Abschluss des Kongress‘ warf Björn Crüts (Vorstand von NC Logics) einen Blick in eine Zukunft, in der Medizingeräte nicht auf ihre Einzelfunktion reduziert bleiben, sondern über eine Plattform vernetzt interagieren.

Fazit: Gerne wieder!

Und das Fazit? „Eine interessante Veranstaltung mit vielen guten Sprechern“, lobt Uwe Hoffmann von Vacutec Messtechnik. Was die Implementierung von Dokumentationen angeht, nimmt er einige Anregungen mit. Der selbstständige Berater  Matthias Hölzer-Klüpfel lobt die Interdisziplinarität: „Ich mochte, dass es viele Fragestellungen aus der medizinischen Praxis gab – ich selber habe ja eher die technische Brille auf.“ Auch Rudolf Sosnowski von Hy-Line schätzt den Erfahrungsaustausch: „Als Vortragender wurde ich viel angesprochen.  Ich habe mit einigen potenziellen Kunden Kontakte geknüpft.“ Die Atmosphäre auf dem bayerischen Abend sei „sehr angenehm“ gewesen. Beim nächsten Medizin Elektronik Kongress am 13. und 14. Juni 2018 will er wieder dabei sein – genauso  wie Robert Kaitan von Otto Bock Healthcare Products, der überlegt, bei der Gelegenheit einen eigenen Vortrag beizusteuern.

Sie wollen sich selbst ein Bild vom Medizin Elektronik Kongress machen? Impressionen von den beiden Tagen finden Sie hier.