Dr. Karl-Thomas Neumann, Mitglied des Vorstands der Continental AG: Die einzige Alternative kann sein, sich der Herausforderung „Low-Cost-Car“ zu stellen.

Dr. Karl-Thomas Neumann, Mitglied des Vorstands der Continental AG: Die einzige Alternative kann sein, sich der Herausforderung „Low-Cost-Car“ zu stellen.

Zunächst einmal ist es eine Frage der Definition: Bei uns ist ein Low-Cost-Car ein VW Fox, in Osteuropa ist es der Dacia Logan, in China der Chery QQ und in Indien eben der 2000-$-Wagen Tata Nano. „Ich glaube, wir müssen den Tata Nano sehr ernst nehmen und als Meilenstein sehen“, erläuterte Dr. Karl-Thomas Neumann, Mitglied des Vorstands der Continental AG, auf der Euroforum-Jahrestagung „Elektronik-Systeme im Automobil“ in München.

Zwar stehen wir einem solchen Fahrzeug kritisch gegenüber, aber wir sollten es auch im Vergleich zur derzeitigen Situation sehen. Wenn beide Elternteile und 3 Kinder gleichzeitig auf einem Moped unterwegs sind, dann bietet selbst ein Tata Nano im Vergleich zum hoffnungslos überladenen Zweirad noch eine erheblich höhere Sicherheit. Dr. Neumann ist sich daher sicher: „Wir sehen einen Megatrend in Richtung Low-Cost-Car und wir müssen uns dieser Herausforderung stellen.“

Für Dr. Neumann liegt das Low-Cost-Segment in Europa unterhalb 10.000 €, in Japan „bis herunter zu 5000 € und in Asien tatsächlich unterhalb von 5000 €“.

Das primäre Wachstum des Low-Cost-Marktes sieht Dr. Neumann in Asien: „Hier entsteht in den nächsten zehn Jahren ein Markt – nicht nur im Bereich Low-Cost, aber hauptsächlich dort – ein Markt, der die Größe des nordamerikanischen Fahrzeugmarktes hat. Die einzige Alternative kann sein, sich dieser Herausforderung zu stellen.“

Dies funktioniere nur mit Entwicklern in der Region, welche die Anforderungen des Marktes vor Ort verstehen. Außerdem müssten die Low-Cost-Systeme von Grund auf neu entwickelt werden; ein „Downsizing“ bereits bestehender Systeme käme nicht in Frage. Darüber hinaus müssten auch die Tier-2-Zulieferer für diese Märkte nach den Low-Cost-Regeln neue Produkte in diesen Regionen entwickeln. „Außerdem muss man natürlich vor Ort produzieren“, erklärt Dr. Neumann. „Die Gründe hierfür liegen in steuerlichen Aspekten, in Zoll-Bestimmungen und natürlich in der Logistik.“

„Wichtig ist dabei aber, dass wir nicht exakt die Fabriken kopieren, die wir in Europa oder Nordamerika haben, sondern dass man Fabriken baut, die weniger investiv sind und in denen man Vorteile aus den geringeren Lohnkosten in diesen Ländern ziehen kann“, gibt Dr. Karl-Thomas Neumann zu bedenken. Dabei bestehe die Herausforderung, die gleiche Qualität wie in Europa zu produzieren.

Während nach Dr. Neumanns Angaben die Top-5-Kriterien für den Neukauf eines Autos in Europa Zuverlässigkeit, Verkaufspreis, Kraftstoffverbrauch, „Look & Feel“ und Ausrüstung (in dieser Reihenfolge) sind, priorisierten die Käufer in den „Emerging Markets“ anders, denn dort stehe der Verkaufspreis an erster Stelle, und erst danach folgten Aussehen bzw. Status, Kraftstoffverbrauch, Funktionen und an fünfter Stelle dann die Zuverlässigkeit.

Im Kurzinterview mit AUTOMOBIL-ELEKTRONIK konkretisierte Dr. Neumann dann seine Angaben noch weiter: „Die Entwicklung und Produktion von Schlüssel-Komponenten wie beispielsweise ABS-Ventilen wird immer in Europa bleiben. Dieses Schlüssel-Know-how geben wir nicht aus der Hand.“

In Hinblick auf die ambitionierten Asien-Pläne von Continental – das Unternehmen baut derzeit ein Entwicklungszentrum in China (siehe AUTOMOBIL-ELEKTRONIK 1/2008, Seite 10) – erklärte Dr. Neumann im Gespräch: „Wenn wir in China entwickeln, dann erfolgt das hauptsächlich, weil wir hier in Europa nicht genügend Ingenieure bekommen.“(av)