Weltweiter Markt für Automobilelektrik und -elektronik von 2005 bis 2115 in Milliarden Euro (Quelle: Mercer Management Consulting)

Weltweiter Markt für Automobilelektrik und -elektronik von 2005 bis 2115 in Milliarden Euro (Quelle: Mercer Management Consulting)

Innovative Features sichern der Autoelektronik bis 2015 ein Wachstum von jährlich 5,9%. Von dem guten Branchentrend können vor allem die Zulieferer profitieren, die die Bedürfnisse der Endkunden kennen und in die Produktentwicklung einbeziehen Der Bereich Forschung und Entwicklung garantiert der Autoelektronik auch in Zukunft weiteres Wachstum. Mittlerweile ermöglicht oder beeinflusst die Elektronik bereits über zwei Drittel der Innovationen in den Fahrzeugen. Nicht zuletzt deshalb wird der Markt für Elektrik und Elektronik im Auto bis 2015 um durchschnittlich 5,9% pro Jahr auf 230 Milliarden Euro wachsen, so das Ergebnis der aktuellen Studie „Autoelektronik“ von Mercer Management Consulting.

Doch die Vielzahl an Neuentwicklungen stellt die Entwicklungsabteilungen in den Zulieferunternehmen vor neue Herausforderungen. So wird es für die Lieferanten künftig von entscheidender Bedeutung sein, die Endkundenbedürfnisse bei der Entwicklung neuer Funktionen zu berücksichtigen. Denn nur mit kundenorientierten Produkten können sich die Unternehmen im zunehmenden Wettbewerb von der Konkurrenz abheben und die guten Wachstumschancen langfristig für sich nutzen. Rasante technische Entwicklung.

Die technische Entwicklung im Bereich der Autoelektronik war in den vergangenen Jahren rasant. Ob Motor, Bremse oder Klimaanlage – kaum eine Funktion kommt mittlerweile ohne technische Regelung aus. Heute beträgt der Wertanteil der Elektronik in den Fahrzeugen weltweit bereits durchschnittlich 20% . Und der Strom an Neuerungen wird auch in Zukunft nicht abreißen: Bis 2015 werden elektrische und elektronische Bauteile sowie Software über 30% des Autowertes ausmachen.

Dieser positive Trend ist das Ergebnis erheblicher Anstrengungen im Bereich Forschung und Entwicklung. Die Elektronik-Zulieferer wendeten im Jahr 2005 mehr als 8% ihres Umsatzes für F&E-Ausgaben auf. Zum Vergleich: Der allgemeine Branchendurchschnitt der Automobilzulieferer lag im gleichen Zeitraum lediglich bei 4,3%. Diese Innovationsfreude wird es den Elektronik-Zulieferern auch weiterhin ermöglichen, überdurchschnittlich zu wachsen und dabei gute Margen zu erwirtschaften. Die besten Zukunftschancen haben die Zulieferer, die eine bisher vernachlässigte Größe bei der Produktentwicklung in den Vordergrund rücken: die Endkunden. Denn letztlich entscheiden die Konsumenten, ob sich eine neue Funktion durchsetzen wird oder nicht.

Das gilt insbesondere für die Neuentwicklungen, die als Sonderausstattung auf den Markt kommen. Hier ist die Angebotsvielfalt an elektronischen Features mittlerweile so groß, dass die meisten Konsumenten nur noch die Funktionen zukaufen werden, die sie wirklich benötigen – vor allem weil die Budgets der Kunden für den Autokauf eher konstant bleiben werden, während gleichzeitig die Autopreise – wenn auch nur moderat – steigen. Endkundenverständnis ist notwendig. Um in einem stetig wachsenden Markt konkurrenzfähig zu bleiben, müssen die Autoelektronik-Zulieferer umdenken. Anstatt sich auf eine intuitive Markteinschätzung oder auf das Wissen der Hersteller zu verlassen, müssen die Lieferanten die Endkundenbedürfnisse systematisch erforschen. Die fehlende Nähe zu den Konsumenten gilt es, mit Hilfe moderner Marktforschungsmethoden, Lead-User-Konzepten oder Trendanalysen zu kompensieren.

Die Ergebnisse aus den Untersuchungen müssen anschließend konsequent in der Produktentwicklung umgesetzt werden. Mit einem derartigen Wissens- und Innovationsvorsprung können die Elektronik-Zulieferer ihr Abatzrisiko minimieren und die Bestellraten von neuen Funktionen besser einschätzen. Das ist insbesondere für kleine und mittelständische Zulieferer entscheidend, die oft nur wenige Produkte auf den Markt bringen und daher umso mehr vom Erfolg ihrer Neuentwicklungen abhängig sind.

Standardisierungen

Ein besseres Endkundenverständnis ist für die Elektronik-Zulieferer auch hinsichtlich eines weiteren zentralen Branchenthemas von großer Bedeutung: Die Standardisierung im Bereich Autoelektronik. Mit der rasanten technischen Entwicklung ist der Aufwand, die unterschiedlichen elektronischen Systeme miteinander zu vernetzen, in den vergangenen Jahren immer größer geworden. Das führt zu einer hohen technischen Komplexität der Fahrzeuge. So finden sich in einem Kleinwagen heute an die 20 Steuergeräte, in der Oberklasse sind es bis zu 70. Zwar sind viele neue Fahrzeugmodelle – insbesondere von deutschen Herstellern – trotz der steigenden Komplexität mittlerweile sehr zuverlässig.

Mit der Entwicklung von einheitlichen Schnittstellen und Softwarearchitekturen, will die Branche diese Komplexität langfristig beherrschbarer machen. Standardisierungsinitiativen wie etwa Autosar im Bereich Software haben für die Zulieferer zwar letztlich die Konsequenz, dass ihre Produkte im Wettbewerb vergleichbarer werden. Dennoch sind die Standards für die Zukunftsfähigkeit vieler Lieferanten ausgesprochen wichtig – und das nicht nur hinsichtlich der Komplexitätsreduktion: Sie sind ein wirksames Mittel, dem stetig steigenden Kostendruck standzuhalten und gleichzeitig die Innovationsfähigkeit beizubehalten.

Die Entwicklung anspruchsvoller Technologien wie Fahrerassistenzsysteme erfordert zum Teil sehr hohe Investitionen. Weil solche Funktionen allerdings einen deutlichen Endkundennutzen und damit gute Absatzchancen bieten, darf ein entsprechendes Engagement nicht daran scheitern, dass die Unternehmen die hohen Entwicklungskosten scheuen.

Wenn Standardisierungsinitiativen helfen, die Ausgaben in einem überschaubaren Rahmen zu halten und damit die Möglichkeit eröffnen, konkurrenzfähige Produkte auf den Markt zu bringen, sind sie in jedem Fall sinnvoll – vorausgesetzt die Bemühungen beziehen sich auf eine Funktion, die zusätzliche Kundenvorteile erschließt. Standards oder auch Kooperationen, die nur darauf ausgerichtet sind, die Kosten zu senken, verfügen dagegen über eine weitaus geringere Durchsetzungskraft.

Ein bereits erfolgreicher Standard ist MOST (Media Oriented Systems Transport). Die Initiatoren haben dabei ein Endkundenbedürfnis frühzeitig erkannt und entsprechend bedient. Gewinner der zukünftigen Entwicklung Funktionen für den Innenraum werden ein Wachstum von 7% erreichen und damit zu den Gewinnern der zukünftigen Entwicklung gehören. Ein mit knapp 6% noch ebenfalls gutes Wachstum wird es in den Segmenten Chassis und Karosserie geben. Beide Segmente bedienen über die Weiterentwicklung bestehender Funktionen wie Infotainment (Innenraum) oder Lichtsysteme (Karosserie) auch neue Anwendungen wie Fahrerassistenzsysteme.

Vieler dieser Funktionen ist gemeinsam, dass sie die Fahrer bei ihrer Tätigkeit unterstützen anstatt ihn durch eine zusätzliche Bedienung oder Einstellung zu überfordern. Diese Verbraucherfreundlichkeit bei der Entwicklung neuer Funktionen oder Standards zu berücksichtigen, kann den Zulieferern neben umfassenden Maßnahmen zur Kostenoptimierung entscheidende Wettbewerbsvorteil sichern.(jj)