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Anzeige von Rohde & Schwarz aus dem Jahr 1947, erschienen in der Fachzeitschrift Funktechnik von Chefredakteur Curt Rint, der unter anderem auch Gründungschefredakteur und bis zu seinem Tode Herausgeber der Hüthig-Fachzeitschriften iee und elektronik indu
Anzeige von Rohde & Schwarz aus dem Jahr 1947: Der Messtechnik-Spezialist bietet nicht nur Geräte, sondern auch Dienstleistungen rund um die Messtechnik an.
Mit der Einführung von zwei Produktfamilien will sich Rohde&Schwarz im Jahr 2010 als neuer Anbieter von Oszilloskopen auf dem Weltmarkt positionieren: Nicht nur, dass das Unternehmen sein umfassendes Messtechnik-Portfolio erweitert: Mit Scopes mit Hochges

Die Basis für alles Neue sind Wissensdrang und die Freude an der schöpferischen Überwindung von Grenzen. Davon waren Dr. Lothar Rohde und Dr. Hermann Schwarz vor 83 Jahren getrieben, als sie in einer Münchner 120-Quadratmeter-Wohnung das „Physikalisch-technische Entwicklungslabor Dr. L. Rohde und Dr. H. Schwarz“ (PTE) gründeten. Vor allem aber wussten sie: Messen muss jeder, der Innovationen vorantreiben will. Elektronikhersteller rund um den Globus verlassen sich auf die qualitativ hochwertigen Produkte des Messtechnik-Spezialisten. Und das aus gutem Grund: Noch vor der Firmengründung entwickelten Dr. Lothar Rohde und Dr. Hermann Schwarz ihre erste Messlösung: Einen Interferenzwellenmesser mit großem Wellenbereich (6 bis 3.600 m Wellenlänge). Es war das erste Messgerät überhaupt für keramische Hochfrequenz-Bauteile. Damit setzten sie ihren ersten Meilenstein, auf den noch einige marktprägende Meilensteine folgten.

Vom Tüftler zum Hidden Champion

Ein Menschenleben lang ist Rohde & Schwarz in diesem technischen Universum zu Hause, das heute unser Leben mitbestimmt: Nicht nur, dass das Unternehmen mit seinem ausgeprägten Forschergeist, immer wieder branchenprägende Meilensteine setzt und die Entwicklungen der Zeit mitgestaltet – der Bogen der Aktivitäten ist weit gespannt: Über alle Produkte die mit Hilfe von drahtloser Technologie kommunizieren oder von ihr abhängig sind. Heute ist Rohde & Schwarz ein Weltkonzern mit rund 9.800 Mitarbeitern, wovon etwa 5.900 in Deutschland beschäftigt sind. Das Unternehmen ist mit Niederlassungen und Büros in über 70 Ländern vertreten. Als Hersteller von Mobilfunk- und EMV-Messtechnik sowie von Sende- und Messtechnik für das digitale terrestrische Fernsehen ist der Konzern Weltmarktführer und stolz darauf bis heute ein unabhängiges Familienunternehmen zu sein. Erwirtschaftet wurde im Geschäftsjahr 2013/2014 (Juli bis Juni) ein Umsatz von rund 1,75 Milliarden Euro, mit einem Exportanteil von etwas über 90 Prozent. Damit gehört das Unternehmen zur Riege der German Hidden Champions, die weltweit kontinuierlich für Furore sorgen.

Was Menschen zu Höchstleistungen antreibt, haben viele Wissenschaftler zu ergründen versucht. Diese Technologie- und Innovationsführer jedenfalls vereinen das Beste aus zwei Welten: Sie sind flexibel wie Mittelständler und professionell wie Konzerne. In den Chefs brennt jenes Feuer, das ihre Firmen in die weltmarktführende Position katapultiert. Ihr Führungsstil ist effektiv – erfordert aber auch, scheinbar unvereinbares in Einklang zu bringen. Was die Unternehmen auszeichnet, ist ihre hohe Kundennähe – sie bildet ein zentrales Element ihrer Strategie: Der erste UKW-Sender Europas ging damit auf das Konto von Rohde & Schwarz – das noch junge Unternehmen löste 1949 eine Revolution im Äther aus. Denn im engen Schulterschluss mit Radio München, dem Vorgänger des Bayerischen Rundfunks, entwickelte Rohde & Schwarz in kaum anderthalb Monaten eine leistungsfähige UKW-Sendeanlage, die einen Tag früher als vorgesehen an den Start ging. Heute empfangen Menschen in mehr als 80 Ländern TV- und Radioprogramme über Sender von Rohde & Schwarz.

Komplexe Produkte, die für die Hidden Champions typisch sind, erfordern eine interaktive Beziehung zum Kunden. Bei Rohde & Schwarz war der Weg vom Labor zur Fabrik kurz, die Expansion fortschrittlich. Bereits fünf Jahre nach der Gründung hatte die damals noch PTE genannte Rohde & Schwarz 1938 in Berlin ein Büro für Behördenkontakte eingerichtet. Um die Beziehungen zu den dort ansässigen Ämtern sowie zu den alliierten Streitkräften zu intensivieren, wurde nach Kriegsende in Berlin die R&S Vertriebs GmbH gegründet. Damit wurde der Vertrieb professionalisiert und auf eigene Füße gestellt. 1949 zählten bereits 65 Gerätegrundtypen inklusive verschiedener Modelle, Hilfsgeräte und Zubehör zum Produktportfolio des Unternehmens. Die weiteren Produktionsstandorte Memmingen (1944) und Teisnach (1969) legten die Grundsteine für die internationale Expansion. 2001 kam in Tschechien der Fertigungsstandort Vimperk dazu.

Technik für Menschen, die an der Welt von morgen bauen

Jedes zweite Handy oder Smartphone auf der Welt wird mit Messgeräten von Rohde & Schwarz entwickelt und produziert. Mobilfunkgeräte sind seit langem Allgemeingut, doch die Technik dahinter ist ausnehmend komplex und anspruchsvoll. Jede Menge neuer Technologien und immer höhere Frequenzen fordern die Messtechnik heraus: Die Messtechnik-Systeme des Unternehmens macht diese Komplexität beherrschbar und sorgt in allen Bereichen für ein reibungsloses Funktionieren, von der Standardisierung neuer Verfahren über die Produktentwicklung und -produktion bis zur Überführung neuer Technologien in den Netzbetrieb und dessen Überwachung und Optimierung. Eine maßgebliche Rolle spielt Rohde & Schwarz schließlich seit Jahrzehnten in der Mobilfunkmesstechnik. Mit dem ersten GSM-Systemsimulator im Jahre 1991 trug das Unternehmen dazu bei, dass GSM rund um den Globus seinen Siegeszug antreten konnte. Das System half festzustellen, ob sich Mobiltelefone standardkonform verhielten. Seither begleiten die Testsysteme und Messplätze aus München alle bedeutenden Entwicklungen in der Mobilfunkbranche.

Als Ende der 1950er Jahre Wissenschaftler in den USA die ersten integrierten Schaltkreise (IC) entwickelten, begann die Ära der Mikroelektronik: Das stellte eine weitere Herausforderung für die Messtechnik dar, da ICs besonderer Messverfahren bedürfen. Mit dem ICMA stellte Rohde & Schwarz ein IC-Testsystem vor, das den automatischen Test von Halbleitern und integrierenden Schaltungen zuließ. Der BMA prüfte mit einer „Ja/Nein“-Aussage bis zu 20 Parameter von etwa 1200 Halbleitern pro Stunde. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte man Halbleiter und gedruckte Schaltungen noch mühsam einzeln von Hand messen müssen. Im Rahmen eines Projekts für den Tornado wurde Rohde & Schwarz schließlich mit der Entwicklung eines Automatischen Testsystems (ATS) beauftragt.

Mess- und Prüfzeiten sind in der Produktion seit jeher ein entscheidender Kostenfaktor. Mit dem Funkmessplatz mit Mikroprozessorsteuerung (SMPU) lancierte das Unternehmen 1974 eine weitere Weltneuheit. Das System kombinierte die Funktionen verschiedener Messgeräte und kam in der Produktion von Funkgeräten und Baugruppen zum Einsatz. Der SMPU ließ sich stufenweise automatisieren und bot die Möglichkeit, modernste Computersteuerungen zu integrieren. Mit dem intelligenten Kommunikationsprozessor ALIS GP 853, der in der HF-Funkgerätefamilie HF 850 zum Einsatz kam, gelang dem Unternehmen ein weiterer Coup. Der Prozessor vereinfachte die Handhabung im Hochfrequenzfunk deutlich und machte ihn auch für ungeschulte Anwender zugänglich. Die Funkgeräte mit ALIS waren international, besonders in den USA, sehr erfolgreich. 1994 nahm Rohde & Schwarz damit in Mexiko das bis dahin weltweit größte zivile HF-Kommunikationsnetz in Betrieb. Vorzeigeobjekte waren unter anderem die Neumayer-Station in der Antarktis und das Polarstern-Forschungsschiff. Funktechnik – insbesondere Funkgeräte, Signalgeneratoren und Messempfänger – war schon immer die Welt von Rohde & Schwarz. 1986 wurde die Produktpalette um einen Spektrumanalysator erweitert, den FSA. Obwohl es am Markt bereits einige Wettbewerber mit solchen Geräten gab, konnte sich Rohde & Schwarz schnell in dem neuen Gebiet behaupten.

Kein Lauscher an der Wand: Abhörsicher mobil telefonieren

Die Kohl-Regierung war sich nicht zu schade, in einer Geheimoperation die einstige Stasi-Kryptologen in den Westen zu überführen – der Wechsel lief so zügig wie diskret. Die im Bundesinnenministerium in Bonn geplante Aktion mündete im Januar 1991 mit der Gründung von Rohde & Schwarz SIT. Die Tochter von Rohde & Schwarz sollte als Auffanggesellschaft für besonders versierte Stasi-Kryptologen dienen, die nach dem Willen der Bonner Regierung in Schlüsselpositionen bleiben sollten. Heute entwickeln sie geheime Chiffriertechnik für Bundesregierung und Nato.

Wenn man so will, dann ist Rohde & Schwarz so etwas wie ein inoffizieller Hoflieferant des Bundes: Mit dem Topsec-GSM entwickelte die Rohde & Schwarz SIT ein abhörsicheres Handy. Ein spezielles Verschlüsselungssystem wurde direkt im GSM-Mobiltelefon integriert. So konnte man auf einfache Weise sicher telefonieren. Das System erhielt sogar die Empfehlung des Bundesamts für Sicherheit in der Informationstechnik. Seit 2004 ist die Tochterfirma SIT „Sicherheitspartner“ des Bundesinnenministeriums. Auch die Bundeskanzlerin telefonierte schon mit Krypto-Handys von SIT. Inzwischen ist die nächste Stufe sicherer Sprachverschlüsselung erreicht: Das Topsec-Mobile passt zu nahezu jedem Mobiltelefon. Denn das Sprachverschlüsselungsgerät wird drahtlos über eine Bluetooth-Schnittstelle mit dem Handy verbunden.

Auf dem Weg zum Oszilloskop-Vollsortimenter

Ein Oszilloskop ist das wohl bekannteste und wichtigste Gerät in der allgemeinen Messtechnik. Ein Markt der schon gut besetzt und heiß umkämpft ist. Für Rohde & Schwarz begann die Ära mit eigenen Oszilloskopen relativ spät im Jahr 2005 mit dem Kauf der Firma Hameg. Hameg steht für Hartmann Messgeräte, wurde 1957 vom jungen Ingenieur Karl Hartmann in Frankfurt am Main gegründet, der sich von Beginn an mit der Entwicklung und Fertigung von Oszilloskopen befasste. Hartmann zog sich im Jahr 2005 aus Altersgründen zurück und verkaufte das Unternehmen an Rohde & Schwarz. Seit Ende 2010 produziert Hameg im Rohde & Schwarz-Werk Vimperk in Tschechien und verkauft seit 2012 die Produkte auch über das Vertriebsnetz von Rohde & Schwarz. Im Verlauf des Jahres 2016 wird Hameg in den Geschäftsbereich Messtechnik von Rohde & Schwarz eingliedert. Mit der Integration will das Unternehmen das Wachstum im Bereich der sogenannten Value Instruments, seiner Messtechnik im unteren Preissegment, weiter vorantreiben.

Oberhalb des von Hameg besetzten Preis- und Leistungssegments brachte Rohde & Schwarz im Jahr 2010 erstmals Oszilloskope aus eigener Entwicklung und Fertigung auf den Markt. Die zwei- und vierkanaligen Baureihen RTM (200 MHz bis 1 GHz Echtzeitbandbreite), RTE (200 MHz bis 2 GHz) und RTO (600 MHz bis 4 GHz) gehören heute zum konkurrenzfähigen Programm. Alle erweiterbar um die Mixed-Signal-Option zur Logikanalyse und mit Erfassungs- und Analyseraten von 1 Mio. Messkurven/s erhältlich. Auch dem Trend zu höherer Auflösung der Kanäle ist Rohde & Schwarz gefolgt und bietet bei RTE und RTO je nach dem 8-Bit-A/D-Wandler eingestellter Filterbandbreite bis zu 16 Bit vertikale Auflösung an. Die drei amerikanischen Top-Oszilloskop-Mitbewerber haben Oszilloskope mit Echtzeitbandbreiten von rund 70 GHz (Keysight Technologies und Tektronix) bis 100 GHz (Teledyne LeCroy) im Programm. Es bleibt abzuwarten, ob beziehungsweise wann sich Rohde & Schwarz in dieses High-end-Segment wagt. Als familiengeführtes Unternehmen ist man nicht dem Druck von außen ausgesetzt und kann mit dem sprichwörtlich langen Atem sich sorgfältig auf die nächsten Schritte vorbereiten, um auch am Oszilloskop-High-end zum Champion und damit zum Vollsortimenter zu werden.