Dr. Ulrich Schaefer, Marktexperte Mikroelektronik des ZVEI stellte die Mikroelektronik-Trendanalyse bis 2018 vor.

Dr. Ulrich Schaefer, Marktexperte Mikroelektronik des ZVEI stellte die Mikroelektronik-Trendanalyse bis 2018 vor.ZVEI

Seinen Tiefpunkt erreichte der Mikroelektronikweltmarkt im Februar 2009. Bereits 13 Monate später wurde der Spitzenwert vom September 2008 wieder erlangt. Nach einem leichten Rückgang in 2012 hat sich der Halbleiterweltmarkt in 2013 wieder positiv entwickelt. Eine weiterhin positive Entwicklung wird auch für 2014 erwartet. Im Jahr 2013 belief sich das Marktvolumen im Halbleiterweltmarkt auf 306 Milliarden US-Dollar. Der Pro-Kopf-Verbrauch der Weltbevölkerung betrug im selben Jahr 42 US-Dollar. Im Vergleich dazu lag dieser Wert in 1993 bei 11 US-Dollar, was einer Vervierfachung in den letzten 20 Jahren entspricht.

Bei der Entwicklung des IC-Marktes in Milliarden Stück ist das Trendwachstum seit 1991 nach wie vor unverändert bei durchschnittlich neun Prozent pro Jahr. Bisher gab es nur temporäre Abweichungen von diesem Trend wegen Lagerlauf – beziehungsweise –abbau. Der Verbrauch an ICs pro Kopf der Weltbevölkerung hat sich von sechs ICs in 1991 auf 28 ICs in 2013 erhöht. In einem Zeitraum von über 30 Jahren fand ein konstantes jährliches Wachstum von neun Prozent statt.

Marktanteilsentwicklung stark verschoben

Die Marktanteilsentwicklung hat sich seit 1986 stark verschoben. Waren bis zum Jahr 2000 Japan und Amerika an Platz eins, so ist seit 2000 die Region Asien am stärksten gewachsen und verbraucht etwa 57 Prozent der Produktion. Während seit 2008 ein stetiger Rückgang von Europa und Japan zu verzeichnen ist, ist die Tendenz bei Amerika und Asien inklusive China steigend. China ist das Produktionsland von elektronischen Geräten schlechthin geworden. China allein ist inzwischen zum größten Abnehmerland für Halbleiter geworden mit einem Marktanteil von 29 Prozent im Jahr 2013.

Betrachtet man die Marktanteile in 2013, so zeigt sich, dass Europas Anteil am Halbleiterweltmarkt in 2013 konstant blieb. Der Anteil von Deutschland ist leicht angestiegen und beträgt innerhalb Europas etwa ein Drittel. Während Amerika und China Marktanteile gewinnen konnten, blieb der Rest Asiens unverändert. Erheblich zurückgegangen ist hingegen der Marktanteil Japans, was jedoch weitgehend den Änderungen des Wechselkurses zuzuschreiben ist. Nach Stückzahlen berechnet, ist der Einbruch bei Weitem nicht so hoch.

Bis zum Jahr 2018 wird ein Wachstum des Weltumsatzes auf 370 Milliarden US-Dollar erwartet. Betrug das mittlere jährliche Wachstum im Zeitraum von 2008 bis 2013 4,2 Prozent wird für den Zeitraum von 2013 bis 2018 ein mittleres jährliches Wachstum von 3,9 Prozent prognostiziert. Betrachtet man die Regionen getrennt, so wird Asiens Anteil am Mikroelektronikmarkt in 2018 mit 211 Milliarden US-Dollar 57 Prozent betragen, wobei allein China 30 Prozent halten wird. Amerikas Anteil wird auf 21 Prozent anwachsen, mit einem Marktvolumen von 79 Milliarden US-Dollar. Der Anteil von Japan und Europa wird bei jeweils etwa 40 Milliarden US-Dollar liegen, was je elf Prozent entspricht.

Beim Pro-Kopf-Verbrauch der Regionen liegt Japan mit 273 US-Dollar in 2013 trotz des starken Rückgangs mit großem Abstand an der Spitze. Amerika (Nord-, Mittel- und Südamerika) lag 2013 mit einem Verbrauch pro Kopf von 64 US-Dollar mit deutlichem Abstand an Platz zwei. Europa (hier EMEA) bildet das Schlusslicht mit einem Verbrauch von 18 US-Dollar pro Kopf in 2013.

2013 lagen die USA und Deutschland gleich auf bei 171 US-Dollar/Kopf. Die Entwicklung in den USA ist jedoch leicht positiver. Obwohl fast ein Drittel aller Halbleiter in China verbraucht werden, liegt liegt der Pro-Kopf-Bedarf noch unter dem der Europäischen Union, was sich jedoch bis 2018 ändern wird.

Bei der Betrachtung des Mikroelektronikmarktes weltweit nach Anwendungsbereichen, fällt auf, dass in den 90er Jahren noch der Computermarkt mit 50,7 das größte Halbleitermarktsegment weltweit war, gefolgt vom Consumer-Bereich mit 17,5 Prozent. Bis 2013 hat sich diese Aufteilung stark verschoben. Der Anteil des Computer-Bereiches ist erheblich geschrumpft auf einen Anteil in 2013 von nur noch 34 Prozent. Im Konsumbereich ging der Anteil auf 14,3 Prozent zurück. Ganz anders sieht dies in den Bereichen Automotive und Kommunikation aus. Automotive konnte in diesem Zeitraum ein Wachstum von 5,3 auf 9,5 Prozent verzeichnen und der Bereich Kommunikation von 14,7 auf 32,5 Prozent.

Starkes Wachstum bei Automotive in Deutschland

In Deutschland lag das Wachstum im Automotive-Bereich im Zeitraum von 2000 bis 2013 bei 65 Prozent und im Industriesektor bei 42 Prozent. Im Gegensatz dazu hat sich der Anteil in der Konsumelektronik halbiert und in der Kommunikation ging er sogar auf rund ein Fünftel zurück.

Bei der Halbleiterproduktion im Zeitraum von 2008 bis 2013 bei einer Länderverteilung der Produktion nach Firmensitz, zeigt sich, dass die Halbeliterhersteller aus den USA zunehmend das Geschehen am Weltmarkt beherrschen. Mit der EU als Einheit sind Firmen aus nur fünf Ländern maßgeblich an der Herstellung beteiligt, ihr Anteil beträgt mehr als 99 Prozent der Weltproduktion. Chinesische Firmen produzieren unverändert nur einen Anteil von deutlich weniger als einem Prozent.

Bei der Länderverteilung der Produktion nach Standort der Wafer-Fab hält Japan immer noch den ersten Rang in der Produktionskapazität, jedoch mit zum Teil veralteten Fabs. Chinas Anteil ist mit 12,2 Prozent deutlich fremdbestimmt. Der Anteil chinesischer Firmen liegt unter einem Prozent. Die Europäische Union befindet sich mit 9,2 Prozent auf Rang 6. Deutschland gesondert betrachtet, liegt mit 2,8 Prozent auf Rang 7. Firmen aus den USA produzieren relativ wenig im eigenen Land. Der Aufbau neuer Kapazitäten erfolgt überwiegend in Asien und hier wird Taiwan Japan als Nummer eins ablösen.

Prognosen der Halbleiterproduktion in der EU

Wie sind die Prognosen der weiteren Entwicklungen der Halbleiterproduktion in der EU? Sicherlich ist das 20-Prozent-Ziel der EU als nicht realistisch zu sehen. Schon eine Verdoppelung wäre sehr ambitioniert. Die ursprüngliche Zielsetzung war stark durch das Lobbying der 450mm-Protagonisten getrieben. Zur Umsetzung der EU-Strategie hat Commissioner Kroes eine Electronics Leaders Group (ELG) gegründet. Diese setzt sich aus HL-Firmen (unter anderem NXP, Infineon, STMicroelectronics) und Forschungsinstituten zusammen. ELG hat in dem jüngst veröffentlichten Strategiepapier die Ziele durch Fokus auf die Wertschöpfungskette statt auf die Komponentensicht modifiziert.

Die Umsetzung der EU-Strategie soll im Rahmen des neuen (ab Mitte 2014) Joint Undertaking (JU) ECSEL (Electronic Components & Systems Initiative) erfolgen, die die bisherigen europäischen Technologieplattformen ENIAC, ARTEMIS und EPoSS und damit die Themengebiete Mikroelektronik, Software und MEMS vereint. Das ECSEL-Projektvolumen bis 2020 beträgt über fünf Milliarden Euro.

Derzeit existiert noch keine gemeinsame High-Level Group (HLG) der ECSEL Community, die die strategische Ausrichtung von ECSEL aus Sicht der elektronischen Wertschöpfungskette und ihrer Bedeutung für die Wirtschaft in der EU gemeinsam mit den Fördergebern gestaltet. HLG innerhalb ECSEL als Ansprechpatner für die strategische Ausrichtung der Förderprogramme soll voraussichtlich in 05.14 (zeitgleich mit der Europawahl) eingesetzt werden.