Der Mittelstand kann jetzt schon in die Industrie 4.0 starten. Erste Basistechnolgien stehen bereits bereit.

Der Mittelstand kann jetzt schon in die Industrie 4.0 starten. Erste Basistechnolgien stehen bereits bereit.Agiplan

Studienleiter Dr. Jürgen Bischoff von Agiplan apelliert an den Mittelstand: „Der Mittelstand droht bei der Digitalisierung und Vernetzung der Produktion abgehängt zu werden, wenn er nicht bald eine aktivere Rolle einnimmt.“ Die Begründung für die aktuelle Zurückhaltung sieht die Studie in einer mangelnden Kenntnis über die wirtschaftlichen Möglichkeiten, der Skepsis vor der neuen Technologie und der erforderlichen Know-How-Breite, um die Komplexität zu beherrschen.

Die Vision des volldigitalisierten Industrie-4.0-Unternehmens liegt laut den Autoren der Studie für den deutschen Mittelstand zwar noch in weiter Ferne, erste Umsetzungsschritte können jedoch gemacht werden. Die Chancen für mehr Wettbewerbsfähigkeit sind erkannt und einige Technologien bereits marktreif; sie werden aber noch zu selten eingesetzt. Das gilt vor allem für die Bereiche Datenverarbeitung und Assistenzsysteme. Daten werden bereits in den meisten Unternehmen erfasst. Doch es wird noch zu wenig Nutzen aus den Daten gezogen. Assistenzsysteme reduzieren Fehler und steigern die Produktivität. Solche Systeme könnten in Produktion und Logistik schon angewendet werden.

Roadmap hilft bei der Umsetzung

Erste Unterstützung für mittelständische Unternehmen, die in die Industrie 4.0 starten wollen, gibt ein Roadmap-Modell der Studie. Das Modell zeigt in fünf Funktionsbereichen den Umsetzungsstand und den Weg, den Unternehmen bei der Technologie-Einführung verfolgen können.

  • 1. Datenerfassung und -verarbeitung:

Daten sind die Grundlagen für Industrie 4.0 und werden bereits in den meisten Unternehmen erfasst. Damit Prozess- und Produktqualität davon profitieren, muss die Datenverarbeitung systematisiert werden und die Datenqualität steigen.

  • 2. Assistenzsysteme:

Verfügbar und anwendungsreif sind Assistenzsysteme für Mitarbeiter und Prozesse in Produktion und Logistik. Sie tragen zur Fehlerreduzierung, Produktivitätssteigerung und Flexibilisierung bei.

  • 3. Vernetzung und Integration:

Die Zusammenarbeit über Bereichs- und Unternehmensgrenzen hinweg bietet dem Mittelstand mittelfristig großes Potenzial. Strukturnachteile gegenüber Konzernen könnten so ausgeglichen werden. Voraussetzung dafür sind ein einheitlicher Informationsaustausch sowie eine durchgehende Kommunikationsstruktur. Diese gilt es erst noch zu etablieren.

  • 4. Dezentralisierung und Serviceorientierung:

Das langfristig größte Wertschöpfungspotenzial von Industrie 4.0 steckt im Wandel von der Produkt- zur Serviceorientierung, und von der zentralen Steuerung zur dezentralen Prozessverantwortung. Neue Geschäftsmodelle und eine stärkere Kundenbindung sind hierdurch möglich.

  • 5. Selbstorganisation und Autonomie:

Autonome und sich selbst organisierende Maschinen, Produktionsprozesse und Logistiksysteme sind Zukunftsmusik. Zwar lassen sich Teilanwendungen schon umsetzen, für die meisten mittelständischen Unternehmen werden diese Anwendungen in den nächsten Jahren aber nur in Spezialfällen interessant sein.

In der Studie im Auftrag des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie (BMWi) hat ein Konsortium aus Agiplan, Fraunhofer IML und Zenit Forschungs- und Förderprogramme das Technologieangebot, die Anwendungsbereiche und den aktuellen Umsetzungsstand in mittelständischen Unternehmen mit bis zu 2.500 Mitarbeitern ermittelt.