“Neuer Markt” in München

Mit der vierten Materialica (1. bis 4. Oktober 2001) setzt die Messe München den positiven Trend des “Marktplatzes für Product Engineering” weiter fort. Denn Baustoffe und Bautechnologien der Ingenieure sind in Bewegung ? Orientierung wird zum Muss.

Klein hat sie vor vier Jahren begonnen, die Materialica. Doch von Anfang an wurde sie akzeptiert. Denn die Messebesucher hatten schon lange vor der Messe erkannt, dass in Zeiten des permanenten Feilens am Optimum die herkömmlichen Definitionen von Rohmaterial und Fertigungstechnologie bestenfalls die Orientierungsrichtung angaben, dass aber eine Zersplitterung in Untergruppen, die dem jeweiligen Grundmaterial zugeordnet waren und die daher auf den verschiedensten Fachmessen präsentiert wurden, nicht der Weisheit letzter Schluss sein konnte. Zu vielfältig über Branchengruppen hinweg vernetzt waren die Anwendungen schon in jüngerer Vergangenheit, zu komplex die Neuentwicklungen und deren Verarbeitungstechnologien.

Neues Messekonzept
Kein Wunder, dass man sich bei der Messe München entschied, den Bereich Material und Verarbeitung als Ganzes zu sehen und in einer eigenen Messe anzubieten ? mit Erfolg, wie sich bald herausstellte.
Anlässlich eines Interviews vor einigen Monaten positionierte der Geschäftsführer der Messe München GmbH, Dr. Joachim Enßlin, die Vorteile des neuen Messekonzeptes: “Der Reiz der Materialica liegt darin, die aktuellen Werkstoffanwendungen und Verfahren übergreifend aufzuzeigen und damit Spiegelbild und Trendbarometer der Industrie zu sein. Der Markt zeigt, dass “Pro & Contra”-Grundsatz-Diskussionen über die Eignung eines Materials längst passé sind. Heute ist die intelligente Kombination von Materialien und Verfahren für den Erfolg eines Produktes entscheidend. An oberster Stelle steht die gewünschte Funktionalität, gefolgt von Aspekten wie effiziente Fertigung, am Markt realisierbare Stückkosten oder individuelles Design. Auf Basis dieser Matrix wird die Wahl getroffen. Das Endprodukt ist dabei eine Summe aus mehreren Einzelteilen: Ausgangsbasis bildet der Werkstoff mit seinen charakteristischen Materialeigenschaften, die kundengemäß durch Oberflächentechniken und Verbundlösungen modifiziert und erweitert werden. Das zieht wiederum spezielle Konstruktionsvorgaben und Produktionsabläufe nach sich. Bei diesem Prozess stehen Werkstoff-Innovationen und Verfahrensentwicklungen in einem engen Dialog und auch in einem Wettbewerb. Diese Verzahnung und die Konsequenzen, die sich daraus für die gesamte Industrie ergeben, werden auf der Materialica transparent dargestellt. Dieser Querschnitts-Ansatz ist einzigartig, die Materialica ist damit mehr als die Summe der einzelnen Werkstoffe und Verfahren ? sie zeigt Werkstoffanwendungen, veredelte Verbundmaterialien und marktfähige High-Tech-Konstruktionslösungen in ihrer Integration”.
Am Start standen 1998 zunächst innovative Werkstoffe, Verfahren und Anwendungen, bei der Materialica 2000 legte man gesteigertes Gewicht auf den Sektor Forschung und Entwicklung. Heuer erweitern die Münchner den Ansatz deutlich in Richtung Industrie, womit ein weiterer Schritt zur umfassenden Präsentation des Themas gesetzt wurde.
Nicht zuletzt werden hiezu auch die Ergebnisse der Besucherstatistik der Materialica 2000 beigetragen haben. Denn mehr als ein Drittel (37 Prozent) gaben an, aus der Maschinenbaubranche zu kommen, 30 Prozent deklarierten sich als Automotive-Repräsentanten, 23 Prozent vertraten den Bereich des Anlagenbaues und immerhin jeder zehnte Besucher bezeichnete den Aerospace-Bereich als seine Unternehmenssparte.

Bei den angegebenen Funktionen hatten Produktentwickler, Konstrukteure und Designer nahezu einen Zwei-Drittel-Anteil, jeder fünfte Besucher arbeitete im Productmanagement ? alles Positionen, die das industrielle Schlaglicht erklären können.
Neun von zehn Besuchern attestierten sich Entscheidungskompetenz und ein zwanzigprozentiger Anteil an nichtdeutschen Messeteilnehmern zeigt, dass die Materialica schon im vergangenen Jahr den Titel “international” zu Recht trug.

Anwendungen und Verfahren
Systemtechnik auch im Werkstoffbereich ? längst schon hat das “wie” das “was” überholt. Und so gliedert die Materialica ihr Spektrum in “Anwendungen” und “Verfahren” mit jeweils fünf Untergruppen, also in Summe zehn Schwerpunktthemen oder “worlds” ? man gibt sich anglophil.
Unter dem Überbegriff der Werkstoffanwendungen findet der Besucher die “Plastics Composites World”, den Marktplatz für Kunststoff und seine Anwendungen, die “Metal World” in der dieser gut ausgebaute Markt seine Stärke präsentieren wird, die “Light Metal world”, ein Highlight, wenn es um Leichtgewichte in der Konstruktion geht, die “Ceramics world”, ein immer bedeutsamerer Werkstoffkomplex für hochinnovative Lösungen ? man denke nur etwa an den Bereich Automotive oder Aerospace. Und letztlich noch die “Transportation & Applications World”, die sich mit Materiallösungen in der Prozesstechnik ebenso wie mit jenen des Fahrzeugbereiches befasst.
Die “Verfahrens-Welten” gliedern sich in die “Surface-World”, wo Aussteller Oberflächenbehandlung und Mikrosystemtechnik präsentieren werden, in die “Product Development World”, in der erarbeitete Problemlösungen angeboten werden ? Time-to-Market-Solutions sollten das Ergebnis sein. “Adhesion World” titelt der Schwerpunkt für Kleb- und Dichtstoffe, sowie für die dafür entwickelten Verfahren, “Measurement & Testing World” steht für den immer bedeutenderen QS-Sektor, in dem ohne Messen und Prüfen nichts mehr geht. Und letztlich rundet die “Research & Technologies World”, in der die Ware “F+E” im Angebot steht, die Gliederung des Verfahrens-Themenbereiches ab.

Keine Messe ohne Kongress
Das gilt natürlich auch für die Materialica. Als wissenschaftliches Pendant schuf man die “Materials Week”, die parallel zur Messe im ICM stattfindet. Das Event wird von den Fachgesellschaften “Deutsche Gesellschaft für Materialkunde (DGM)”, “Deutsche Keramische Gesellschaft (DKG)” und “Gesellschaft Werkstofftechnik im VDI” in enger Zusammenarbeit mit dem deutschen Ministerium für Bildung und Forschung veranstaltet. Experten aus Forschung und Entwicklung im Werkstoffbereich werden sich auf diesem europäischen Fachkongress mit der Industrie zu einem intensiven Informationsaustausch treffen.

Markt Messe
Weil aber Messe heute mehr ist, als nur die Standpräsentation der Aussteller, haben die Münchner Messeprofis auf ihr Angebot noch eins draufgesetzt: Jeder der beschriebenen Welten ist eine Focus-Area ? ein Treffpunkt ? mit zusätzlichen Info-Möglichkeiten zugeordnet, mit der man aktuelle Anwendungen und Verfahren in 20-Minuten-Slots kompakt geordnet präsentieren kann, eine Zusatzhilfestellung für eilige oder gezielt recherchierende Messebesucher.
Auch im Vorfeld der Materialica zeigen die Münchner Messeprofis, dass es ihnen mit dem Besucher-Marketing ernst ist: Für jene Interessenten, die sich im Zuge einer Online-Anmeldung registrieren lassen, werden die Eintrittskarten kostenlos abgegeben. Details zum Gratisbesuch der Messe können auf der Materialica-Homepage im “Visitor-Center” abgefragt werden.

Messe München International
Tel. (01) 512 94 90
office@mmi.co.at
http://www.materialica.de