Die geschäftsführenden Jumo-Gesellschafter Bernhard (links) und Michael Juchheim investieren 50 Millionen Euro am Standort Fulda.

Die geschäftsführenden Jumo-
Gesellschafter Bernhard (links) und Michael Juchheim investieren
50 Millionen Euro am Standort Fulda. Redaktion IEE

Wir konnten in den vergangenen zehn Jahren ein überdurchschnittliches Umsatzwachstum verzeichnen, das hat sich auch positiv auf die Beschäftigungsentwicklung ausgewirkt“, erläutert Bernhard Juchheim im Vorfeld der SPS IPC Drives. „Konkret wurden 2014 221 Millionen Euro erwirtschaftet. Das vierte Quartal läuft zwar ganz gut, wir werden aber die geplanten 7 % Zuwachs in 2015 nicht erreichen“, so Bernhard Juchheim. Bedeutender Umsatztreiber war und ist das Ausland, das über 50 % des Umsatzes generiert. „Das internationale Wachstum hilft uns, Arbeitsplätze in Deutschland zu sichern“, macht Bernhard Juchheim mit Verweis auf das anstehende Neubau-Projekt vor den Toren Fuldas deutlich. „Unsere beiden Werke im Zentrum Fuldas sind zu klein und platzen aus allen Nähten.“ Deswegen wird gerade ein komplettes Werk für 600 Mitarbeiter vor den Toren Fuldas geplant. „Hier konzentrieren wir auf 100 000 m² mittel- bis langfristig unsere komplette Sensorproduktion mit Logistikzentrum,“ präzisiert Michael Juchheim. Derzeit ist die Vorplanung abgeschlossen und die Bauanträge laufen. Der Zeitplan ist ambitioniert: Wenn Anfang 2016 mit dem Bau begonnen werden kann, soll bereits im Frühling 2017 der Umzug beginnen. Die Gesamt­investitionen belaufen sich auf 50 Millionen Euro. „Das ist nicht nur die größte Investition in unserer Firmengeschichte, es ist auch ein klares Bekenntnis für weiteres Wachstum am Standort Deutschland“, betont Michael Juchheim.

Auch die Konzentration auf Branchen wie die Wasser- und Abwassertechnik sei Teil des Erfolgsmodells. Dazu Michael Juchheim: „Wir entwickeln uns konsequent vom Komponenten- zu einem Systemanbieter, der Komplettlösungen aus einer Hand anbieten kann.“ Er führt hier das in 2015 gestartete Dienstleistungsangebot Engineering an. Die Einheit bündelt das im Unternehmen vorhandene Applikations- und Beratungs-Know-how und unterstützt Kunden bei Projekten, angefangen von grundlegenden Machbarkeitsanalysen über die Durchführung von Workshops, die Erstellung von Lasten- und Pflichtenheften bis hin zur Konfiguration, Programmierung und Überprüfungen von Automatisierungslösungen. Neben der Inbetriebnahme und Projektdokumentation gehören auch Schulungen des Bedienpersonals zum Repertoire.

„Wichtig ist auch, immer neue Messgrößen für unsere Unternehmensgruppe zu erschließen“, bekräftigt Michael Juchheim. Den Worten folgen Taten in Form einer Geräteserie zur Durchflussmessung und einem busfähigen Anschlusssystem für Sensoren der Flüssigkeitsanalyse. Alle wichtigen Messparameter der Flüssigkeitsanalyse können damit gemessen und ausgewertet werden. Zur Markteinführung wurde das bestehende Programm um eine pH- und eine Redox-Sonde erweitert. Daneben lassen sich die Sensoren zur Trübungs- und Sauerstoffmessung anbinden.

Flexibler Feldbus für digitale Analyse-Messtechnik entwickelt

Reinhard Manns, Produktmanager Digiline: „Bei unserem Sensornetzwerk haben wir einige Alleinstellungsmerkmale implementiert, etwa die einfache Erweiterung und Kaskadierung auf bis zu 32 Sensoren sowie die Trennung von Sensorkopf und -elektronik.“

Reinhard Manns, Produktmanager Digiline: „Bei unserem Sensornetzwerk haben wir einige Alleinstellungsmerkmale implementiert, etwa die einfache Erweiterung und Kaskadierung auf bis zu 32 Sensoren sowie die Trennung von Sensorkopf und -elektronik.“ Redaktion IEE

Über das zur Messe vorgestellte Sensornetzwerk Digiline können die Sensoren in Stern- oder Baumstruktur miteinander verbunden werden. Lediglich eine digitale Signalleitung geht dann noch zur Auswerteeinheit. Dies erlaubt eine effizientere und schnellere Verkabelung von Anlagen. Grundlage dafür ist eine möglichst frühe Digitalisierung der Messwerte in der Sensorelektronik und das von Jumo verwendete RS485-Busprotokoll als Kommunikationsmedium. Die Sensoren bestehen aus dem Sensorkopf und einer wiederverwendbaren Elektronik, die mit dem Sensorkopf über einen M12-Steckverbinder angeschlossen ist. Erst bei einem endgültigem Verschleiß der pH- oder Redox-Elektrode wird die Verbindung getrennt und die Elektronik kann mit einem neuen Sensor weiter genutzt werden. Im Elektronik-Kopf erfolgt die Digitalisierung der Messwerte und die Anbindung ans Netzwerk.
Angeschlossen werden die Sensoren über M12-Stecker an eine Interface-Box für bis zu vier Sensoren. Werden mehr Sensoren an einer Messstelle benötigt, lässt sich durch Kaskadierung eine zweite Box an einen der Sensoreingänge anschließen. Somit stehen dann vor Ort drei weitere Eingänge zur Verfügung. „Praktisch braucht es diese Box gar nicht, ein Y-Stecker ginge auch,“ erklärt Produktmanager Reinhard Manns.

Ein weiterer Vorteil des Sensornetzwerks: Über das Bussystem lässt sich die Anzahl Sensoren erhöhen, die an Mess- und Regelgeräte wie Aquis Touch angeschlossen werden können. Ebenso sind Digiline-Sensoren direkt, das heißt ohne zusätzlichen Messumformer, an das Automatisierungssystem mTRON T anbindbar. „Eine vergleichbare Lösung hat derzeit kein anderer Hersteller“, schwärmt Manns. Damit eine Einbindung der smarten Sensoren in ältere Systeme möglich ist, gibt es die meisten Typen auch mit Analogausgang (4 bis 20 mA).
„Komplett neu ist auch die zum System gehörende Software für das Sensor Management“, betont Manns. Darüber erfolgen Parametrierung und Kalibrierung der pH- oder Redox-Sonden im Labor mittels USB-Schnittstellenwandler. Die Software speichert die Kalibrierdaten und die Bewertung des Sensorzustands nicht nur auf dem Server, sondern zusätzlich direkt im Sensor, was die Dokumentation über dessen gesamten Lebenszyklus ermöglicht.

Mit der Device-App unterstützt Jumo Aktivitäten der Anwender in Richtung Industrie 4.0.

Mit der Device-App unterstützt Jumo Aktivitäten der Anwender in Richtung Industrie 4.0. Jumo

Device-App für Industrie 4.0

Die Geräteüberwachung im Feld erleichtert eine weitere Neuheit, die auf der SPS IPC Drives vorgestellt wird: eine Device-App. Mit ihr können Anwender über Smartphone und Tablet (Android und Apple) eine Verbindung mit verschiedenen Jumo-Geräten aufbauen, beispielsweise dem Bildschirmschreiber Logoscreen 600. Nach einem Softwareupdate funktioniert die App auch mit den Mehrkanalmessgeräten Aquis Touch und dem Automatisierungssystem mTRON. Bei der App-Entwicklung wurde Wert auf eine möglichst einfache Bedienung gelegt. So orientiert sich das Bedienkonzept am Design des Bildschirmschreibers Logoscreen 600, dessen Icon-basiertes Bedienkonzept innerhalb von drei Klicks zur Anzeige des gewünschten Prozesswerts führt.

Die App scannt bei Bedarf das Netzwerk und listet die gefundenen Jumo-Geräte auf. Die Anwahl eines Geräts ist anschließend aus der Liste heraus möglich oder manuell über deren IP-Adresse/DNS-Name. Auch eine Einschränkung der Auswahl nach Gerätetyp ist über Filter gegeben. Nach dem Verbindungsaufbau listet die App alle verfügbaren Daten auf, zum Beispiel Text/Bild-, Ereignis- oder Alarmlisten. Bei einem Bildschirmschreiber werden in der Gruppenansicht alle konfigurierten Gruppen mit den dazugehörigen Kanälen dargestellt. Abrufbar sind Namen, Prozesswerte und die Einheiten aller zurzeit aktiven Gruppen und Kanäle. Ereignisse oder Alarmierungen werden mit einem Icon, einer Beschreibung sowie Datum und Uhrzeit des Auftretens angezeigt. Die Device-App wird permanent weiterentwickelt und ist kostenlos im iTunes-Store und auf Google Play verfügbar.

SPS IPC Drives 2015 –Halle 7, Stand 246