„Tief im Westen, wo die Sonne verstaubt, ist es besser, viel besser als man glaubt“ – sicher meinte der Sänger Herbert Grönemeyer nur „Bochum“ in seinem gleichnamigen Song. Aber bei genauem Hinsehen lässt sich dieses Lied auf das gesamte Bundesland beziehen: Nordrhein-Westfalen (NRW) ist mit seinen 17,6 Millionen Einwohnern das bevölkerungsreichste Deutschlands, liegt im Westen der Bundesrepublik und erzielte 2014 ein BIP von sage und schreibe 624,67 Milliarden Euro. Damit macht das Bundesland knapp 4,5 % des BIPs der gesamten Europäischen Union aus. Auch, wenn sein Pulsschlag aus Stahl nicht mehr so laut zu hören ist, wie noch 1984, so konzentriert sich NRW nach dem Ende der Montanindustrie auf neue Branchen wie die Informationstechnologie.

Karl-Uwe Bütof ist Leiter der Abteilung Industrie im Ministerium für Wirtschaft, Energie, Industrie, Mittelstand und Handwerk des Landes Nordrhein-Westfalen (MWEIMH).

Karl-Uwe Bütof, Leiter der Abteilung Industrie im Ministerium für Wirtschaft, Energie, Industrie, Mittelstand und Handwerk des Landes Nordrhein-Westfalen (MWEIMH) MWEIMH

Bei Investitionsprojekten liegt NRW in Deutschland ganz vorn. Während der allgemeine Trend der Investitionsaktivitäten in Westeuropa leicht rückläufig ist, behauptet sich die Bundesrepublik Deutschland als attraktive Destination für Foreign Direct Investment (FDI) – laut NRW-Invest steigen seit 2010 die Zahlen ausländischer Investitionsprojekte in Deutschland kontinuierlich an. Mit einem Anteil von stets über 25 % aller ausländischen Direktinvestitionen in Deutschland liegt NRW regelmäßig an der Spitze im Vergleich zu den anderen Bundesländern.  Generell ist das Bundesland „als eine der größten Volkswirtschaften der Welt gleichauf mit den Niederlanden und noch vor der Schweiz, Schweden oder Saudi-Arabien“, erklärte Karl-Uwe Bütof, Leiter der Abteilung Industrie im Ministerium für Wirtschaft, Energie, Industrie, Mittelstand und Handwerk des Landes Nordrhein-Westfalen (MWEIMH), der Süddeutschen Zeitung.

Zwar sind heuer nur noch 16 von den 50 umsatzstärksten deutschen Firmen in Deutschland mit ihrem Hauptsitz in NRW vertreten – 2012 waren es noch 25 – jedoch ist die Wirtschaft nach wie vor die tragende Säule des Bundeslandes. Der wohl wichtigste Faktor für den Erfolg des Standorts NRW ist seine geografisch günstige Lage. Hier kreuzen sich die beiden großen europäischen Verkehrsrouten: Die Nord-Süd-Achse zwischen Südwestengland und Norditalien sowie die West-Ost-Achse zwischen Rotterdam und den dynamischen Ländern Osteuropas. Im Umkreis von 500 km um die Landeshauptstadt Düsseldorf leben 35  % der Verbraucher der gesamten Europäischen Union.

Eckdaten

Die Elektrotechnik- und Elektronikindustrie ist zu einem Synonym für Innovation und Wachstum in Deutschland geworden und gerade in Nordrhein-Westfalen steht die Branche für innovative Querschnitttechnologien. Sie ist dort in ihrer gesamten Bandbreite vertreten und bildet einen unverzichtbaren Teil der nordrhein-westfälischen Wertschöpfungsketten. Viele oft mittelständische Unternehmen der Branche sind auf dem Weltmarkt führend mit ihren innovativen Produkten „Made in NRW“.

Kompetenzzentrum „Mittelstand 4.0“

 NRW-Wirtschaftsminister Garrelt Duin unterstützt das neue Kompetenzzentrum „Mittelstand 4.0“ in NRW: „Damit haben wir allerbeste Chancen auf einen Quantensprung bei der Digitalisierung der heimischen Wirtschaft.“

NRW-Wirtschaftsminister Garrelt Duin unterstützt das neue Kompetenzzentrum „Mittelstand 4.0“ in NRW: „Damit haben wir allerbeste Chancen auf einen Quantensprung bei der Digitalisierung der heimischen Wirtschaft.“ MWEIMH NRW / Hojabr Riahi und Ralph Sondermann

Ein Kompetenzzentrum „Mittelstand 4.0“ in NRW soll mit einem Konsortium unter Führung des Fraunhofer Instituts für Materialfluss und Logistik (Dortmund) und den gemeinsamen Partnern aus Ostwestfalen, Aachen und Mülheim den Zuschlag erhalten.  NRW-Wirtschaftsminister Garrelt Duin begrüßt das: „Die Entscheidung des Bundes für ein Kompetenzzentrum in Nordrhein-Westfalen ist ein Ausweis unserer Leistungskraft bei komplexen digitalen Lösungen.“

Ein Kompetenzzentrum „Mittelstand 4.0“ in NRW soll mit einem Konsortium unter Führung des Fraunhofer Instituts für Materialfluss und Logistik (Dortmund) und den gemeinsamen Partnern aus Ostwestfalen, Aachen und Mülheim den Zuschlag erhalten. NRW-Wirtschaftsminister Garrelt Duin begrüßt das: „Die Entscheidung des Bundes für ein Kompetenzzentrum in Nordrhein-Westfalen ist ein Ausweis unserer Leistungskraft bei komplexen digitalen Lösungen.“ MWEIMH NRW / Hojabr Riahi und Ralph Sondermann

Um in NRW auch weiterhin auf Erfolgskurs zu bleiben, fördert der Bund ein neues Kompetenzzentrum „Mittelstand 4.0“: Ein Konsortium unter Führung des Fraunhofer Instituts für Materialfluss und Logistik (Dortmund) hat gemeinsam mit Partnern aus Ostwestfalen, Aachen und Mülheim den Zuschlag erhalten. Gleichzeitig wird es an den Standorten Dortmund und Köln Mittelstand-Agenturen 4.0 zu speziellen Themen der Digitalisierung geben. NRW-Wirtschaftsminister Garrelt Duin erklärte dazu: „Damit haben wir allerbeste Chancen auf einen Quantensprung bei der Digitalisierung der heimischen Wirtschaft. Die Entscheidung des Bundes für ein Kompetenzzentrum in Nordrhein-Westfalen ist ein Ausweis unserer Leistungskraft bei komplexen digitalen Lösungen.“

Das neue Kompetenzzentrum „Rhein-Ruhr-OWL 4.0“ beschäftigt sich mit drei Schwerpunkten. Das „Hub OWL“ mit dem Fraunhofer Anwendungszentrum Industrial Automation (Lemgo), der Fraunhofer Projektgruppe Entwurfstechnik Mechatronik (Paderborn) und dem Institut für Informatik (Universität Paderborn, Universität Bielefeld, Hochschule Ostwestfalen-Lippe) hat den Schwerpunkt intelligente Automatisierung von Produkten und Produktionssystemen. Am „Hub Metropole Ruhr“ beschäftigen sich das Fraunhofer-Institut für Materialfluss und Logistik (Dortmund) und das Effizienz Cluster Management (Mülheim) mit effizienten, autonomen und wandelbaren Logistiksystemen. Und zu guter Letzt bietet „Hub Rheinland“ mit dem Forschungsinstitut für Rationalisierung (Aachen) und dem Werkzeugmaschinenlabor an der RWTH Aachen die Expertise im Bereich Produktionstechnik.

Industrie 4.0

Nach Angaben des ZVEI sind in NRW 1100 überwiegend mittelständisch geprägte Unternehmen in der Elektro- und Elektronikindustrie angesiedelt. Sie erreichten 2014 einen Umsatz von 33 Milliarden Euro, davon 15,7 Milliarden Euro im Export. Die Elektro- und Elektronikindustrie in NRW ist führend in den Bereichen Licht und Installationstechnik und stark im Bereich Automation.

Die intelligenten und miteinander vernetzten Transportfahrzeuge vom Fraunhofer-Institut für Materialfluss und Logistik (IML) führen Transporte von einem Hochregallager zu Arbeitsstationen aus. Dabei koordinieren sie sich selbstständig untereinander ohne jegliche zentrale Steuerung.

Die intelligenten und miteinander vernetzten Transportfahrzeuge vom Fraunhofer-Institut für Materialfluss und Logistik (IML) führen Transporte von einem Hochregallager zu Arbeitsstationen aus. Dabei koordinieren sie sich selbstständig untereinander ohne jegliche zentrale Steuerung. Fraunhofer IML

Auf den mehr als tausend Quadratmetern der Forschungshalle für „Zellulare Fördertechnik“ (ZFT) suchen sich die Transportwagen ganz von selbst den Weg. In der Dortmunder ZFT-Halle haben die Forscher des Fraunhofer-Institut für Materialfluss und Logistik ein komplettes Lagerzentrum mit Regalen und Kommissionierstationen aufgebaut. Etwa zehn Wissenschaftler aus zwei Abteilungen untersuchen, wie sich Schwarmintelligenz für die Logistik nutzen lässt. Zugleich ist die Halle eines der größten Experimentierfelder für die Anwendung künstlicher Intelligenz in der Logistik. Ein Schwarm aus 50 Wagen und zwei bis fünf Experimentierfahrzeugen kommuniziert und entscheidet dann untereinander, wer die Arbeit übernimmt.

Die Verschmelzung von realer und virtueller Welt, von Mensch, Maschine und Produkt ist in Fachkreisen als „Industrie 4.0“ bekannt. Das Industrieland ist NRW ist prädestiniert dafür, die Zukunft der Industrieproduktion mitzugestalten. So erprobt das Fraunhofer-Institut für Angewandte Informationstechnik (FIT) in St. Augustin Techniken, um Materialeinsatz, Maschinenlaufzeit und Energie möglichst gut aufeinander abzustimmen. Dafür wertet das Institut jeden Arbeitsschritt genau aus. Und zwar mit einem Computersystem, das die Fabrik mithilfe von zahlreichen Sensoren überwacht. Die Rückmeldung der Sensoren sind die Daten, mit denen die Forscher alle Abläufe verbessern können und Maschinen entdecken, die nicht gut genutzt werden.

Industrie 4.0 hält auch Phoenix Contact und Weidmüller auf Trab. Beide Unternehmen haben ihren Firmensitz in NRW und beschäftigen sich mit dem Gebiet der elektrischen Verbindungstechnik sowie der industriellen Automatisierungstechnik.

Chancen und Risiken für die klassische Industrie

Dass die Industrie 4.0 bis spätestens 2025 kommt und die Wettbewerbsfähigkeit des Standorts Deutschland stärkt, davon sind nach dem VDE-Trendreport 2015, einer Umfrage unter den 1300 VDE-Mitgliedsunternehmen und Hochschulen, fast drei Viertel der Befragten überzeugt. Noch mehr erwarten allerdings, dass sich der internationale Wettbewerb um die Technologieführerschaft in der Produktion der Zukunft in den nächsten Jahren stark verschärfen wird und Deutschland aufpassen muss, angesichts der US-Dominanz bei der technischen Software und Internet-Plattformen im Innovationswettlauf um Industrie 4.0 nicht zurückzufallen.

Am meisten von Industrie 4.0 profitieren werden der Automobil- und Maschinenbau (72 % beziehungsweise 66 %), gefolgt von der Elektrotechnik (38 %) und Logistik (36 %). Das derzeit weitaus größte Hindernis für die Ausbreitung von Industrie 4.0 in Deutschland ist laut VDE-Trendreport die IT-Sicherheit (67 %). Daneben seien fehlende Normen und Standards, Migrationsprobleme von klassischer Industrie zu Industrie 4.0 und unzureichende branchenübergreifende und interdisziplinäre Zusammenarbeit für fast jeden Zweiten große Hindernisse, hohe Investitionskosten und Komplexität für jeden Dritten. Fehlende Anwendungsfälle / Geschäftsmodelle und die unzureichende IKT-Infrastruktur (Informations- und Kommunikationstechnologien) sieht etwa ein Viertel als Barriere an.

Industrielle Revolutionen werden oft erst in der Rückschau als solche erkennbar. An der vierten wird aber schon aktiv gearbeitet. Aber keine Revolution geschah bisher von Heute auf Morgen.

Industrielle Revolutionen werden oft erst in der Rückschau als solche erkennbar. An der vierten wird aber schon aktiv gearbeitet. Aber keine Revolution geschah bisher von Heute auf Morgen. DFKI

Gegenüber dem VDE-Trendreport 2013 zum Schwerpunktthema Industrie 4.0 zeigt der aktuelle VDE-Trendreport einen leichten Stimmungswandel im Hinblick auf den Umsetzungszeitraum und die Herausforderungen für die deutsche Industrie. 2013 erwarteten erst 64 % die Realisierung von Industrie 4.0 bis 2025, heute sind es 70 %. Auch die Bedeutung von Industrie 4.0 für Europa wird inzwischen höher eingeschätzt: Während vor zwei Jahren 39 % meinten, Industrie 4.0 sei ein wichtiger Pfad zur Re-Industrialisierung Europas, sind es heute 51 %. Zugleich ist man aber skeptischer, ob Deutschland zum Leitanbieter für Industrie 4.0 wird. 2013 waren noch 51 Prozent davon überzeugt, aktuell glauben das nur 40 %.

Jeder zweite glaubt, dass Industrie 4.0 gerade für mittelständische Unternehmen einen vielversprechenden Markt eröffnet. 80 % meinen aber auch, dass gerade kleine und mittelständische Unternehmen, die das erforderliche Know-how nicht allein aufbauen können, dazu Partner mit Expertise benötigen. Dabei sind Hochschulen (86 %) eher dieser Meinung als Unternehmen (76 %). Mehr als ein Drittel sieht in Industrie 4.0 sogar ein Risiko für die klassische Industrie. Auch hier differieren die Einschätzungen von Unternehmen (48 %) und Hochschulen (25 %) erheblich. Ebenfalls fast jeder Dritte befürchtet, dass die deutsche Industrie zu lange an klassischen Produktionsmethoden festhält.

Schon gewusst, dass…

  • … in Dortmund mit dem Fraunhofer-Institut für Materialfluss und Logistik (IML) eines der weltweit bedeutendsten Forschungsinstitute für Logistik ansässig ist.
  • … das Kölner Start-Up Par-Stream die schnellste Echtzeit-Datenbank für Big-Data-Analysen ist.
  • … NRW deutschlandweit Spitzenreiter bei der Breitbandverfügbarkeit ist.
  • … Düsseldorf als Deutschlands „Mobile Capital“ gilt.
  • … NRW zentraler Standort der deutschen Automobilzuliefererindustrie ist.

Informations- und Kommunikationstechnologien (IKT)

In NRW treiben Informations- und Kommunikationstechnologien (IKT) die digitale Transformation der gesamten Wirtschaft voran. Hier finden Unternehmer, Forschende und Investoren zum Beispiel das IKT-Know-how, um die Entwicklung einer Industrie 4.0 mitzugestalten: Kein anderes deutsches Bundesland besitzt nach Angaben von NRW-Invest eine annähernd so hohe Dichte an Firmen aus dieser Branche wie NRW, angefangen bei mittelständischen IT-Unternehmen über Software-Start-Ups bis zu Telekommunikationsriesen.

Laut NRW-Invest sind über 205.000 Menschen in rund 23.700 IKT-Unternehmen in NRW beschäftigt und erzielen einen Umsatz von etwa 97 Milliarden Euro. Das entspricht 16,2 % des nordrhein-westfälischen BIPs. Allein die IT-Branche in NRW trägt dazu einen Umsatz von zirka 41 Milliarden Euro und über 166.000 Beschäftigten bei. Rund 56 Milliarden Euro Umsatz erwirtschaftete die Telekommunikationsbranche 2013 in NRW mit rund 39.000 Beschäftigten.

Ericsson AB und Inmarsat haben eine strategische Partnerschaft für ein Seeverkehrsabkommen abgeschlossen.

Ericsson AB und Inmarsat haben eine strategische Partnerschaft für ein Seeverkehrsabkommen abgeschlossen.

Wie das Ministerium für Wirtschaft, Energie, Industrie, Mittelstand und Handwerk des Landes Nordrhein-Westfalen informiert, decken die Unternehmen in NRW rund 86 % des deutschen Mobilfunkmarktes ab: Mit Vodafone, E-Plus, der Deutschen Telekom und Ericsson sind vier „Big Player“ der Telekommunikationswirtschaft in Nordrhein-Westfalen angesiedelt. Letzterer gab erst kürzlich  den Abschluss einer strategischen Partnerschaft mit dem Londoner Satellitennetzbetreiber Inmarsat für ein Seeverkehrsabkommen bekannt. Demnach wollen die  beiden Unternehmen gemeinsam Lösungen und Anwendungen entwickeln, um den Austausch von Fracht, logistischen und betrieblichen Informationen zu erleichtern, was zur Optimierung der gesamten Lieferkette führen soll. Dafür unterschrieb Ericsson zunächst einen Distributionsvertrag, um Inmarsats kombiniertes L-Band und  Ku-Band VSAT-Satellitennetz X-Press-Link für den Seeschifffahrtsmarkt anzubieten. Die neue strategische Partnerschaft wird auch den Weg ebnen für die Integration zwischen Ericssons Maritime-ICT-Cloud und der globalen Konnektivität, die über Inmarsat-Satellitenkommunikationsnetz geliefert wird.

Internationale Unternehmen in Düsseldorf

Mit den weißen GaN-auf-Silizium-LEDs erreichte Toshiba 2014 eine Effizienz von 135 lm/W und hohe Color-Rendering-Index-Werte. Nun trennt sich das Unternehmen von weißen LEDs.

Mit den weißen GaN-auf-Silizium-LEDs erreichte Toshiba 2014 eine Effizienz von 135 lm/W und hohe Color-Rendering-Index-Werte. Nun trennt sich das Unternehmen von weißen LEDs. Toshiba

Geht man auf Entdeckungstour durch Düsseldorf, so wäre Ericsson ein wunderbarer Anfang. Von der Düsseldorfer Prinzenallee zuToshiba in die Hansallee sind es nur neun Minuten zu Fuß oder eine U-bahnstation. Der Technologiekonzern räumt gerade kräftig auf: So trennt sich Toshiba unter anderem von den CMOS-Bildsensoren sowie von den weißen LEDs und auch von Fabs. Im Rahmen seiner Strategie und zur Senkung von Fixkosten zieht sich das Unternehmen nach eigenen Angaben aus dem Geschäft mit CMOS-Bildsensoren zurück. In diesem Rahmen hat das Unternehmen einen Letter of Intent über den Verkauf seiner 300-mm-Waferfab in Oita an Sony unterzeichnet. Noch in diesem Jahr soll die Transaktion abgeschlossen sein. Den Zugang zu den 200-mm- und 150-mm-Waferfabs will Toshiba sich zwar sichern, aber die entsprechenden Fertigungsstätten in Oita und Iwate in einem neu zu gründenden Unternehmen konzentrieren. Bei den diskreten Halbleitern will Toshiba den Betrieb der weißen LEDs zwar einstellen, ließ aber gleichzeitig keinerlei Verkaufsabsichten erkennen. Stattdessen konzentriert sich das Unternehmen mit seinen Management-Ressourcen auf Leistungshalbleiter.

Toshiba hat nebenbei erwähnt in Neuss (NRW) seine europäische Zentrale für Produkte aus den Bereichen Computer-Systeme, Projektoren und Unterhaltungselektronik. Das Unternehmen gehört zum global agierenden Großkonzern der Toshiba Corporation, die 1875 in Tokio gegründet wurde und heute ein globales Netzwerk aus mehr als 590 Unternehmen mit über 200.000 Mitarbeitern und einem jährlichen Umsatz von über 63 Milliarden US-Dollar (Stand: 31. März 2014) umfasst.

Zurück in Düsseldorf hat, ebenfalls in der Hansallee, der chinesische Telecom-Riese Huawei eine deutsche Niederlassung. Das Unternehmen verzeichnete 2014 eine Umsatzsteigerung zum Vorjahr von 20,6 % auf umgerechnet 46,5 Milliarden US-Dollar. Nach den endgültigen Geschäftszahlen, die der Konzern Ende März 2015 vorlegte, stieg der Nettogewinn im Jahresvergleich um 32,7 % auf 4,5 Milliarden US-Dollar. Der Netzwerkausrüster zählt zu einem der größten der Welt und profitierte vom rasanten Smartphone-Absatz und der Aufrüstung auf schnellere mobile Datennetze. Die Westeuropazentrale des Unternehmens hat ihren Sitz in Düsseldorf.

Unweit von Huawai in Düsseldorf entfernt hat auch Fujitsu einen von 15 deutschen Firmensitzen. Die Gladbecker Straße ist nur etwa 15 Minuten über die B7 von in der Hansaallee entfernt. Erst im Oktober berichtete der Focus, dass der japanische Computer-Konzern bis Ende September sein Forschungszentrum in Paderborn schließen wird. Insgesamt seien 600 Mitarbeiter betroffen. Fujitsu ist der führende japanische Anbieter von Informations- und Telekommunikations-basierten (ITK) Geschäftslösungen und bietet eine breite Palette an Technologieprodukten, -lösungen und -Dienstleistungen. Mit rund 159.000 Mitarbeitern betreut das Unternehmen Kunden in mehr als 100 Ländern. Im Geschäftsjahr 2013 (zum 31. März 2015) erzielte Fujitsu Limited mit Hauptsitz in Tokio, Japan, einen konsolidierten Jahresumsatz von 40 Milliarden US-Dollar. Fujitsu entwickelt und fertigt in Deutschland Notebooks, PCs, Thin Clients, Server, Speichersysteme sowie Mainboards und betreibt mehrere hochsichere Rechenzentren. Mit 8000 Channel-Partnern in Deutschland verfügt Fujitsu zudem über eines der leistungsfähigsten Partnernetzwerke der Branche.

Rund um Halbleiter

Erste Reihe (v.l.n.r.): Shinchi Yoshioka, Vice Presendtin, Deputy General Manager 1st Solution Unit Of Renesas und Stefan Tilk, Vice Chariman von Nevs. 
Hintere Reihe (v.l..n.r.): Wang Weihang, Board Member von Nevs; Kai Johan Jiang, Chairman von Nevs; Hideyuki Nagai, Senior Director, 1st Marketing Devision von Renesas; Toshiyuki Tsutsumi, Senio Director, 1st Division von Renesas.

Erste Reihe (v.l.n.r.): Shinchi Yoshioka, Vice Presendtin, Deputy General Manager 1st Solution Unit Of Renesas und Stefan Tilk, Vice Chariman von Nevs. Hintere Reihe (v.l..n.r.): Wang Weihang, Board Member von Nevs; Kai Johan Jiang, Chairman von Nevs; Hideyuki Nagai, Senior Director, 1st Marketing Devision von Renesas; Toshiyuki Tsutsumi, Senio Director, 1st Division von Renesas. Renesas

Renesas befindet sich nur wenige Minuten mit dem Auto von Fujitsu entfernt. Den neuesten Gerüchten vom Wall Street Journal zufolge, soll der deutsche Chiphersteller Infineon an einer Vermählung mit dem japanischen Halbleiterhersteller interessiert sein. Ob sich die Japaner allerdings auf eine Heirat mit den Deutschen einlassen, ist noch ungewiss.

Unabhängig von diesem Gerücht ist bereits eine neue Partnerschaft, allerdings mit National Electric Vehicle Sweden (Nevs) entstanden: Die Unterzeichnung einer strategischen Partnerschaft erfolgte schon Anfang November. Mit der Verwendung von Nevs Phoenix-Architektur-Technologie für Elektrofahrzeuge und den Technologien von Renesas für Fahrzeuge mit alternativen Antrieben wollen die Unternehmen verschiedene Systemlösungen mit Ausrichtung auf den Markt in China entwickeln.

Mit all diesen Fakten lässt sich wohl eins feststellen: NRW „macht mit einem Doppelpass jeden Gegner nass“. Oder wie es Herbert sagen würde: „Glück auf!“

Bildergalerie
Der ideale logistische Raum ist leer! Im Living-Lab Zellulare Transportsysteme am Fraunhofer IML revolutioniert ein Forschungsteam die Intralogistik. Massiv aufgebaute und unflexible Stetigfördertechnik wird durch eine Vielzahl kleiner autonomer Fahrzeuge ersetzt und der Materialfluss so flexibilisiert.
Die intelligenten und miteinander vernetzten Transportfahrzeuge führen Transporte von einem Hochregallager zu Arbeitsstationen aus. Dabei koordinieren sie sich selbstständig untereinander ohne jegliche zentrale Steuerung.
Sie sind in der Lage, sich im Hochregallager schienengeführt und auf dem Boden völlig frei – also ohne Leitlinien – fortzubewegen. Die Transportleistung des Gesamtsystems lässt sich mit der Anzahl der Fahrzeuge anpassen.
Dabei implementieren das Team die Schwarmintelligenz nach dem Vorbild des Tierreiches sowie ein autonomes Verhalten der Transportfahrzeuge, sodass diese untereinander kommunizieren und sich bei ihrer Routenplanung abstimmen können.
Ein Kompetenzzentrum „Mittelstand 4.0“ in NRW soll mit einem Konsortium unter Führung des Fraunhofer Instituts für Materialfluss und Logistik (Dortmund) und den gemeinsamen Partnern aus Ostwestfalen, Aachen und Mülheim den Zuschlag erhalten.  NRW-Wirtschaftsminister Garrelt Duin begrüßt das: „Die Entscheidung des Bundes für ein Kompetenzzentrum in Nordrhein-Westfalen ist ein Ausweis unserer Leistungskraft bei komplexen digitalen Lösungen.“