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Der Begriff „Elektronik“ war in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts weder geläufig noch gebräuchlich. Die Elektronik in dieser Zeit, das war die Radiotechnik, die in Österreich im Jahr 1924 mit der Gründung der ersten Rundfunkanstalt Ravag sozusagen geboren wurde. Die Euphorie für das neue Medium war riesengroß und bald schossen einschlägige Produktionsunternehmen aus dem Boden, die sowohl Komponenten für Radioapparate als auch fertige Geräte herstellten. Die Radioindustrie bestand im wesentlichen aus den Firmen Eumig,

Horny, Ingelen, Kapsch, Minerva, Philips, Radione (Eltz), Zerdik und VTT Czeija & Nissl (Vorgänger der ITT Austria). Schon wenige Jahre später erlebte die junge Branche ihre erste Krise mit Firmenpleiten und Fusionen, so kamen beispielsweise Horny und Zerdik zu Philips. 1938 und in den Folgejahren, in denen Österreich Teil des Deutschen Reiches war, diente die Radioindustrie größtenteils zu Kriegszwecken.

Einen neuen Aufschwung erlebte die österreichische Radioindustrie nach 1945 erst mit der Einführung des Fernsehrundfunks im Jahr 1955. Alle bislang genannten Firmen mit Siemens WSW fertigten Fernsehgeräte für den Heimmarkt und auch für den Export.

Die Konsumelektronik-Industrie Österreichs entwickelte sich in der Folge durchaus zufriedenstellend, bis sie nach den 1960er Jahren insbesondere durch den Import billiger Geräte aus den Fernen Osten, allen voran Japan, zunehmend unter Druck kam. Das „biografische“ Beispiel der Firmen Eumig, Grundig Austria und Philips Video Werk, führt das dramatische Schicksal der alpenländischen Industrie für Unterhaltungselektronik eindrucksvoll vor Augen.

Elektronische Bauelemente: Nur wenige überlebten

Die Herstellung elektronischer Bauteile hat in Österreich eine lange Tradition, man denke an Widerstände von Ingelen oder Kondensatoren von Kapsch in der „Radio-Zeit“. Bauelemente-Produktionen in größerem Umfang betrieben die Niederlassungen von Philips und Siemens. Einige dieser Unternehmen existieren mit anderen Eigentümern und anderen Namen bis heute. Siemens errichtete im steirischen Deutschlandsberg ein bedeutsames Werk für (Vielschicht-) Kondensatoren. In der Folge wurde für diesen Bereich Matsushita als Partner „an Bord“ genommen. Im Jahre 1999 beschloss Siemens die Ausgliederung des Bauelemente-Bereichs. Von dieser Entscheidung waren drei Werke betroffen: Siemens Matsushita in Deutschlandsberg ging an den japanischen Epcos-Konzern, aus der Siemens Bauelemente OHG Villach wurde Infineon (Näheres dazu später) und das in niederösterreichischen Waidhofen an der Thaya angesiedelten EH Schrack Komponentenwerk, das zuvor erst 1995 übernommen wurde. Im (etwas reduzierten) Werk Deutschlandsberg werden zurzeit keramische Bauteile, Sensoren, Kondensatoren und Piezo-Elemente hergestellt.

Der Philips-Konzern produzierte bis 2002 außer Elektrolytkondensatoren in Klagenfurt noch Monitor-Bildröhren im steirischen Lebring und Lautsprecher in Wien. Interessant erscheint der Werdegang der Lautsprecherproduktion von Philips. Die Gründung geht auf das Jahr 1929 zurück, als Philips das Radiowerk E. Schrack übernahm. Ende der 1980er Jahre schlitterte das Unternehmen tief in die roten Zahlen, es drohte die Schließung der Produktion. Da hatte ein ehemaliger Leiter des Videowerks eine zündende Idee: die Herstellung von Miniaturlautsprechern für den boomenden Mobiltelefonbereich. Laut eigenen Angaben erzielten die Mini-Lautsprecher eine Führungsposition am Weltmarkt für Handys, 2010 wurden über 720 Mio. Produkte ausgeliefert. 2006 wurde das Unternehmen in die NXP Semiconductors eingegliedert und Ende 2010 für einen Kaufpreis von US-$ 855 Mio. vom Akustik-Spezialisten Knowles Electronics übernommen. Der Kaufabschluss wird für Mitte des 2. Quartals 2011 erwartet.

Rot-weiß-rote Halbleiter: Klasse statt Masse

Von den einst hochfliegenden Halbleiterplänen der staatseigenen ÖIAG erwies sich nur Austria Mikrosysteme (AMS) als längerfristig tragfähig (Interview auf Seite 27). Einige Jahre hindurch produzierte Telefunken im oberösterreichischen Braunau diskrete und optische Halbleiter, bis man erkannte, dass die Arbeitskosten in Manila nur einen Bruchteil ausmachten. Selbstverständlich zählte die Halbleiterei auch für die alpenländischen Niederlassungen der großen Elektrokonzerne Philips und Siemens zu den vorrangigen Themen. Siemens errichtete in Villach ein großes Halbleiterwerk, das sich bald auf bipolare integrierte Schaltungen und Leistungselektronik spezialisierte, vom Boom der frühen 90er Jahre profitierte und im Geschäftsjahr 1993/94 einen Umsatz von 150 Mio. Euro erwirtschaftete.

Wie schon vorhin erwähnt wurde das Halbleiterwerk Villach im Jahr 1999 von Siemens ausgegliedert, wurde sozusagen zur Tochtergesellschaft und erhielt den Namen Infineon. Trotz einiger Zitterpartien wegen „schweinezyklischer“ Probleme und der ständigen Umstrukturierungsmaßnahmen im Siemens-Konzern entwickelte sich das „Infineon Technology Center“ prächtig, erhielt die Geschäftsverantwortung für die größten Power Management-Bereiche Infineons und erzielte im Vorjahr einen „Allzeithoch“-Umsatz von 1,3 Milliarden Euro, was einer Steigerung von fast 50 Prozent im Vergleich zu 2009 bedeutet.

Die Kernkompetenz von Infineon Technologies Austria AG liegt in der Entwicklung und Produktion von Mikrochips für Anwendungen in den Bereichen Auto, Industrie und Kommunikations- und Sicherheits-lösungen. Im Werk Villach sind 2.000 Mitarbeiter beschäftigt

Die Kernkompetenz von Infineon Technologies Austria AG liegt in der Entwicklung und Produktion von Mikrochips für Anwendungen in den Bereichen Auto, Industrie und Kommunikations- und Sicherheits-lösungen. Im Werk Villach sind 2.000 Mitarbeiter beschäftigtInfineon

Der Schwerpunkt der Villacher Aktivitäten liegt in Entwicklung und Fertigung energieeffizienter Leistungshalbleiter. Der holländische Elektrokonzern Philips übernahm 1995 die in Gratkorn bei Graz angesiedelte Firma Mikron, die sich mit Entwicklung und Fertigung von Smart Card-ICs und kontaktlosen Identifikationssystemen (RFID) beschäftigte und sich in der Folge „Philips Semiconductor Styria“ nannte. Vor einigen Jahren entließ Philips das Werk „in die Selbständigkeit“. Nach Verkauf der Anteilsmehrheit des Philips Halbleiterbereichs an ein Investorenkonsortium im September 2006, firmiert das Unternehmen unter dem Namen „NXP Semiconductors“. Rund 340 Mitarbeiter sind vor allem in der Entwicklung (Design von integrierten Schaltungen und Software-Programmierung) und im Marketing beschäftigt.

NXP Semiconductors in Gratkorn nahe Graz bietet  High Performance  Mixed Signal-Lösungen und Standardprodukte. Die Kernkompetenzen des Unternehmens liegen in den Bereichen RF, Analog, Power Management,  Interface, Security und Digital Processing.

NXP Semiconductors in Gratkorn nahe Graz bietet High Performance Mixed Signal-Lösungen und Standardprodukte. Die Kernkompetenzen des Unternehmens liegen in den Bereichen RF, Analog, Power Management, Interface, Security und Digital Processing.NXP Semiconductors

Wenn man von der österreichischen Telecom-Industrie spricht, fallen im Wesentlichen vier Firmennamen: Siemens, Kapsch, (Ericsson-) Schrack und Philips. Diese Unternehmen gelangten vor allem im Rahmen der Digitalisierung des österreichischen Telefonnetzes in das industrielle Rampenlicht. Als sich das Ende des Telecom-Booms in Österreich abzeichnete versuchte sich die 1913 gegründete Schrack noch mit Diversifikationsaktivitäten wie Produkten für die Raumfahrttechnik über Wasser zu halten, was ihr allerdings nur kurzfristig gelang.

Mehr Erfolge bei Umstrukturierungs- und Diversifikationsmaßnahmen hatte die Firma zinelektronik bietet das Unternehmen heute „Road pricing“-Systeme für die Autobahnmaut an. Philips gab sang- und klanglos den Telecom-Bereich auf, während die Siemens AG Österreich noch fleißig investierte. Einen Wendepunkt gab es da im Herbst 2002: Das Werk in Wien-Erdberg wurde geschlossen und die Fertigungskapazitäten, umbenannt in Kapsch: Nach Aktivitäten mit Hybridschaltkreisen und MediSimea, nach Wien 21. verlegt. Gleichzeitig entstand im burgenländischen Siegendorf ein neues Werk für Haushaltselektronik. Simea beschäftigte zu dieser Zeit 1.100 Mitarbeiter, 800 in Wien und 300 in Siegendorf, und erwirtschaftete einen Umsatz von 260 Millionen Euro. Simea existiert heute als Management Buyout weiter und entwickelt und produziert mit insgesamt 620 Mitarbeitern elektronische Geräte für Weißware, Kommunikation und Automotive.

Leiterplatten: Ein Bilderbucherfolg

Leiterplatten sind unentbehrliche Bestandteile der modernen Elektronikindustrie, das erkannte auch die verstaatlichte Firma Voest Alpine, als sie Anfang der 1980er Jahre eine diesbezügliche Betriebsstätte nahe der steirischen Stadt Leoben gründete, die im Jahr 1987 „Austria Technologie & Systemtechnik“ AT&S benannt wurde. Drei Jahre später kam es Gründung der „E+E Leiterplattenholding“ als Muttergesellschaft der AT&S-Werke Fehring, Leoben und Fohnsdorf. Im Jahr 1994 erkannten die Manager der österreichischen verstaatlichten Industrie, dass sie nicht mehr in der Lage sind, konkurrenzfähige Fabriken für Leiterplatten weiter zu führen und gaben AT&S für die Privatisierung frei.

Den Zuschlag erhielt eine Bietergruppe unter der Führung des zum Industriellen mutierten Ex-Vizekanzlers und Ex-Finanzministers Hannes Androsch und des Ex-Eumig-Geschäftsführers Willi Dörflinger. Dieser Gruppe gelang, was damals kaum jemand für möglich gehalten hat: Das Unternehmen nicht nur aus der Verlustzone zu bringen, sondern schrittweise die Wettbewerbsfähigkeit am Leiterplattenmarkt durch einen Technologievorsprung zu verbessern. Als ersten Schritt zu diesem Ziel wurden die Werke Eumig Fohnsdorf, Steirische Elektronik und AT&S Leoben fusioniert und das Unternehmen in eine Aktiengesellschaft umgewandelt. Danach ging es sozusagen Schlag auf Schlag: Neue Produktionshalle in Fehring, Gang an die Börse und Erwerb des größten indischen Leiterplattenwerks im Jahr 1999. 2002 begann AT&S die Leiterplattenproduktion in Shanghai, die 2006 mit einem weiteren Werk erweitert wurde. 2008 wurde auch in Indien ein zweites Werk errichtet und ein koreanischer Hersteller für flexible Leiterplatten „an Bord“ genommen. Zurzeit produziert die Fabrik in Leoben ausschließlich für den europäischen Markt, für das Volumengeschäft ist Shanghai zuständig. AT&S bezeichnet sich als größter europäischer Hersteller von Leiterplatten und erwirtschaftete im Geschäftsjahr 2009/2010 mit weltweit 5.500 Mitarbeitern einen Umsatz von 372 Mio. Euro.

Kleiner, aber nicht weniger fein mag der traditionsreiche Leiterplattenhersteller Häusermann bezeichnet werden, der sich aus einer Metallätzerei entwickelte und seit dem Jahr 1939 im niederösterreichischen Gars am Kamp angesiedelt ist. Leiterplatten werden im Waldviertel seit 1966 erzeugt, 1980 stellte Häusermann die ersten Multilayer her. Das Produktspektrum wurde in der Folge mit Folientastaturen, HDI-Prints, Starrflex- und PCBs in Microvia-Technik ergänzt. In der Folge konzentrierte sich das Unternehmen auf Hochstrom-Leiterplatten aus eigener Entwicklung und bezeichnet sich seit zwei Jahren als Kompetenzzentrum für Hochstrom- und Thermalmanagement-Systeme. Im vergangenen Jahr erwirtschaftet Häusermann mit 180 Mitarbeitern einen Umsatz von 26 Mio. Euro.

EMS – auch im Alpenland

Die Ausgliederung von Fertigungskapazitäten nahm generell etwa Anfang der 1990er Jahre ihren Anfang. Einer der Lohnfertigungs-„Vorreiter“ in Österreich war die Firma Philips. Aus Philips wurde neutronics und später Flextronics, 2009 wurden in Althofen 2,2 Mio Euro für Umbau und Anschaffung neuer Maschinen investiert, wo etwa 750 Mitarbeiter einen Jahresumsatz von 150 Mio. Euro erwirtschaften. Ende der 1990er Jahre entstanden weitere Unternehmen, die sich mit Lohnfertigung und Auftragsentwicklung befassten. Wie beispielsweise die Firma Seidel Elektronik, die sich in der Nähe der Epcos-Tdk-Fabrik in Deutschlandsberg etablierte. Die Firma entstand 1993 nach der Übernahme der steirischen Firma Motronik, avancierte im Jahr 2000 zum Systemlieferanten und erwirtschaftete 2003 mit rund 200 Mitarbeitern einen Umsatz von mehr als 42 Mio. Euro. Am Rande sei erwähnt, dass die Seidel Elektronik auch Lawinensuchgeräte für Skitourengeher namens „Lawinen-Pieps“ erzeugt.

Automation im Aufwind

Einer der Pioniere auf dem Gebiet der Automatisierungstechnik war der Vorarlberger Ingenieur Gerhard Bachmann, der bereits im Jahr 1970 ein Unternehmen für die Entwicklung und Herstellung von Industrieelektronik-Produkten gründete. Stets bedacht auf die Anwendung neuester Hard- und Softwaretechnik in diversen Steuerungs- und Regelungsprodukten ist das Unternehmen mit Auslandstöchtern in Deutschland, Holland, Dänemark, Tschechien, der USA, Indien und China, in der Lage komplette Systemlösungen der Automatisierungstechnik anzubieten. Eine sehr zukunftsträchtige Idee von Bachmann ist die strategische Ausrichtung auf die Bereiche Windkraft und Erneuerbare Energie. Diese Schwerpunktbereiche haben sich für das Unternehmen im „Ländle“ schon bezahlt gemacht: Im Vorjahr wuchs der Umsatz um nicht weniger als 34 Prozent auf 70,4 Mio. Euro. Entsprechend groß ist der Optimismus für die Geschäftsentwicklung im laufenden Jahr: 2011 erwarten die Bachmann-Manager einen weiteren Zuwachs um 20 Prozent auf 85 Millionen Euro.

Vorarlberg entwickelte sich in den 1970er- und 1980er-Jahren förmlich zu einem Zentrum der alpenländischen Elektronikindustrie. Neben Bachmann entstanden Firmen wie Hirschmann, Gantner oder Dorner im Bregenzer Wald. Der eigentliche Schwerpunkt der österreichischen Industrieelektronik kristallisierte sich aber in Oberösterreich heraus, insbesondere im Innviertel, wo im Jahr 1979 ein Techniker namens Bernecker und der Kaufmann Rainer die Firma Bernecker & Rainer gründeten.

Erwin Bernecker und Josef Rainer legen 1979 den Grundstein für den heute weltweit tätigen Konzern B&R. Mit Unicount, einer hoch spezialisierten Zählerfamilie und der hier gezeigten Unicontrol HS, einer freiprogrammierbaren Steuerung, entstehen 1983 die er

Erwin Bernecker und Josef Rainer legen 1979 den Grundstein für den heute weltweit tätigen Konzern B&R. Mit Unicount, einer hoch spezialisierten Zählerfamilie und der hier gezeigten Unicontrol HS, einer freiprogrammierbaren Steuerung, entstehen 1983 die erB&R

Zu den ersten Produkten zählten programmierbare Steuerungs- und Regelungsgeräte, mit der hauseigenen Bezeichnung „Systemgeneration 1″, gefolgt von SPS- und Visualisierungssystemen. Nicht allein durch die eher bescheidene Größe des alpenländischen Heimmarkts legte Bernecker & Rainer von Beginn an großen Wert auf das Exportgeschäft: Bis 1988 kam es zur Gründung von sechs Tochtergesellschaften in Deutschland, Italien, Großbritannien, in der Schweiz, den USA und in den Niederlanden.

Allrounder

Bis zum Jahr 2000 gesellten sich weitere Zweigunternehmen in Indien, China, Tschechien, Belgien und Polen hinzu. Das aufstrebende Unternehmen entwickelte sich zu einem regelrechten Allrounder auf dem Gebiet der elektrischen Automation, es gibt kaum eine Sparte auf diesem Sektor, die B+R, wie die Firma im internationalen Jargon heißt, nicht bedient. 30 Jahre nach der Gründung verkündete die Unternehmensleitung, dass bisher mehr als eineinhalb Millionen B+R-Steuerungen bei über 2.000 Kunden eingesetzt wurden. Mit über 300 Mio. Euro Umsatz und mehr als 1100 Beschäftigten allein im Werk Eggelsberg bezeichnet sich Bernecker & Rainer als „größtes Privatunternehmen der österreichischen Elektronikindustrie“.

Nicht nur das Innviertel, sondern auch die Oberösterreichische Landeshauptstadt entpuppte sich als fruchtbarer Nährboden für die industrielle Elektronik, wie das Beispiel Kepa zeigt.

Bereits im Jahr 1968 von Gunther Krippner gegründet, stellten sich jährlich wachsende Erfolge ein. Ab 1984 konzentrierte sich das Linzer Unternehmen auf Industrie-, Banken- und Sägewerksautomation. Ein Garant für kontinuierliches Wachstum war und ist auch für Kepa eine konsequente Exportstrategie: 1990 entstand eine Tochtergesellschaft in Deutschland, 2004 erstmals in China, wo 2007 ein Joint Venture Unternehmen mit der weltgrößten Banknotendruckerei gegründet wurde. Im Jahr 2009 verkündete die Unternehmensleitung stolz, dass in den letzten zehn Jahren der Umsatz verdreifacht und die Mitarbeiterzahl verdoppelt werden konnte. Derzeit beschäftigt Kepa in Europa 760 Mitarbeiter und mehr als 200 in China.

Das Wohl und Wehe anhand der Statistik

Der Fachverband der Elektro- und Elektronikindustrie FEEI, eine Organisation der österreichischen Wirtschaftskammer ähnlich dem bundesdeutschen ZVEI „en miniature“, erhebt seit mehreren Jahrzehnten die Produktionsergebnisse von mehr als 300 einschlägig tätige Unternehmen. Bei den statistischen Daten des FEEI muss vorsichtshalber betont werden, dass zu einem Großteil Produktkategorien der „klassischen“ Elektrotechnik aufscheinen (also die „dicken Brummer“), die mit Elektronik nichts zu tun haben und manche Begriffe etwas schwammig definiert sind. Aber wichtiger ist die Vergleichsmöglichkeit, weil sich so längerfristige Trends zeigen.Statistisch erfasst werden die Bereiche Energietechnik, Akkumulatoren, Installationsmaterial, Kabel und Drähte, elektronische Bauelemente, Steuerungstechnik, Mess- und Prüftechnik Kommunikations- und Informationsprodukte sowie Konsumelektronik. Auffällig ist der starke Rückgang der Unterhaltungselektronik um minus 11 Prozent, eine Sparte mit (noch) 18 Prozent Anteil am Gesamtvolumen. Insgesamt betrug 1991 die Beschäftigungszahl 76.700.

In diesem Berichtsjahr ist zu beachten, dass die Wirtschaft kurz vor einer ziemlich gravierenden Rezession stand, was sich schon in den Zahlen von 1992 bemerkbar machte: Erstmals seit zehn Jahren ging das Produktionsvolumen zurück, und zwar um knapp 2 Prozent auf 81,7 Mrd. Schilling. Am stärksten verloren die Konsumelektronik (minus 14 Prozent) und elektronische Bauelemente (minus 12 Prozent). Die Zahl der Beschäftigten reduzierte sich 1992 um knapp 4 Prozent auf 72.700. Die Stimmung in der Branche war entsprechend pessimistisch, sie besserte sich aber schon ein Jahr darauf, als das Produktionsvolumen und vor allem die Exporte wieder leicht anstiegen. In den folgenden Jahren stellte sich sozusagen ein Wechselbad der Stimmungen ein, bis zur Jahrtausendwende wieder eine Talfahrt einsetzte: Produktionswert und Umsatz waren von 2001 bis 2003 kontinuierlich im Minus. Auch die Zahl der in der österreichischen Elektro- und Elektronikindustrie beschäftigten Mitarbeiter ging in diesem Zeitraum von 62.000 auf 56.000 zurück.

Eine Trendwende stellte sich wieder 2004 ein, als der Produktionswert im Vergleich zum Vorjahr um 7,7 Prozent zulegte und einen Wert von knapp 9.700 Mio. Euro erreichte. Richtig gelesen, denn Österreich wurde in dieser Zeit ja Mitglied der EU und der Euro-Zone. Das Dilemma der Unterhaltungselektronik wurde 2005 mit einem Minus von fast 34 Prozent offensichtlich. Auffällig war in diesem Jahr vor allem der Anstieg der Exportquote auf mehr als 70 Prozent, als Exportkaiser entpuppten sich die elektronischen Bauteile mit 93 Prozent. Ein erfreulicher Anstieg des Produktionswertes stellte sich 2006 ein, nämlich plus 12,7 Prozent auf 11,4 Mrd. Euro. Auch die Zahl der Beschäftigten stieg wieder an, und zwar um knapp 6 Prozent auf 59.800. Den nächsten schmerzlichen Einbruch erlitt die alpenländische EE-Industrie im Jahr 2009, als sich die Weltwirtschaftskrise gnadenlos bemerkbar machte. Erfreulicherweise hielt diese Talfahrt nicht lange an. Schon Anfang 2010 fand der FEEI einen Grund zum Jubeln: Die Auftragseingänge in der Elektro- und Elektroindustrie, nunmehr zweitgrößte Industriebranche Österreichs, nehmen wieder zu.

Exportorientierte KMU

Verfolgt man die Produktionsstatistik eine Zeit lang, so zeigt sich vor allem deutlich die wachsende Exportabhängigkeit der österreichischen Elektronikindustrie. In einigen Sparten wie elektronische Bauelemente und Halbleiter liegt die Exportquote nahe 100 Prozent. Das ist verständlich, denn der eher bescheidene Heimmarkt gibt nur wenigen Firmen eine ausreichende Lebensgrundlage, geschweige denn die nötige Substanz für gesundes Wachstum. Der wichtigste Exportmarkt befindet sich traditionell in Deutschland, nach der Öffnung des „Eisernen Vorhangs“ wurden auch die wachstumsträchtigen Märkte osteuropäischer Länder immer attraktiver. Der von der Industrie lang ersehnte Beitritt zur EU hat auch die Erwartungen der österreichischen Elektronikproduzenten erfüllt, insbesondere weil sich die Außenhandelsgeschäfte nachhaltig verbesserten und erleichterten.