Hiroyuki Nagai kommt schnell auf den Punkt. Schließlich will er, dass die etwa 30 Teilnehmer zügig in den umfangreich ausgestatteten Applikations- und Demoraum geleitet werden. Dennoch muss eine formvollendete Begrüßung sein. Daher präsentiert er Panasonic als breit aufgestellten Konzern.

Hiroyuki Nagai, Division Director von Panasonic Factory Solutions Europe, stellt das breit aufgestellte Unternehmen Panasonic vor.

Hiroyuki Nagai, Division Director von Panasonic Factory Solutions Europe, stellt das breit aufgestellte Unternehmen Panasonic vor. Marisa Robles

Nicht ohne Stolz verweist er darauf, dass Panasonic – vormals Matsushita – im kommenden Jahr sein 100. Jubiläum feiern wird. „Unser Ziel ist es, uns allen ein besseres Leben und natürlich auch eine bessere Welt zu ermöglichen“, ruft der Division Director von Panasonic Factory Solutions Europe beherzt. Dazu hat sich der Konzern in die vier wesentlichen Bereiche gegliedert: Consumer Electronics, Housing, Automotive und B2B. Mit weltweit acht Produktionsstandorten, 63 Service- und 69 Vertriebsniederlassungen hat sich der Konzern strategisch gut aufgestellt.

Panasonic Tech-Days: Balázs Tarsoly, Service Engineer Technical Operation Department von Panasonic Automotive & Industrial Systems Europe, stellt die Feeder-Mantainance-Unit vor.

Balázs Tarsoly von Panasonic stellte die Vorzüge der Feeder Mantaince Unit vor. Marisa Robles

Darüber hinaus offeriert das japanische Unternehmen seinen Kunden 29 Trainings- und Applikationscenter weltweit, unter anderem auch in Ottobrunn/Riemerling bei München. Die Fahnen deuten den Weg zum etwas versteckt gelegenen Technical Center. Auch in Europa selbst ist Panasonic gut aufgestellt. Präsent in 29 Ländern unterhält es 10 Vertriebs- und Service-Niederlassungen und – darauf ist Hayd besonders stolz – auch drei Lager- und Logistikcentren.

Software, die verbindet

Das Motto der Technologietagung „Hotspot – connect to the factory of tomorrow“ will alles aufbieten, was es derzeit als linienübergreifende Netzwerklösung gibt. Dem hohen Druck, dem Elektronikfertiger durch Kunden ausgesetzt sind, will Panasonic mit Industrie-4.0-fähigen Softwarelösungen begegnen. Diese sollen eine hohe Linienverfügbarkeit sicherstellen. Durch die vertikale Ausrichtung, die von der Waferbearbeitung über Bestückautomaten bis hin zum Schablonendrucker reicht, sieht sich das Unternehmen denn auch in der Lage, eine stringente linienübergreifende Vernetzung offerieren zu können, um eine tiefgreifende Produktionssteuerung und -optimierung zu ermöglichen.

Zwei in einem: Bei der Baugröße 0250125 kommen 4 mm schmale Feeder zum Einsatz, die in einem 8-mm-Feederplatz passen.

Zwei in einem: Bei der Baugröße 0250125 kommen 4 mm schmale Feeder zum Einsatz, die in einem 8-mm-Feederplatz passen. Panasonic

Um dies zu bewerkstelligen, wurde eine Kooperation mit Siemens, Division Digital Factory eingegangen, die eine enge Zusammenarbeit im Bereich der Automatisierungskonzepte für die Elektronikfertigung vorsieht. Schwerpunkt: standardisierte Linienintegrationskonzepte. Diese sollen nicht nur für einzelne Fertigungslinien, sondern auch als übergreifende Integrationskonzepte für sämtliche Prozessschritte auf Fabrikebene sowie als unternehmensweite Automatisierungsstandards für global verteilte Fertigungsnetzwerke dienen. Unabhängig voneinander hatten beide Konzerne in den vergangenen Jahren zukunftsweisende Konzepte entwickelt, die Digitalisierung und Automatisierung verbinden.

Balázs Tarsoly von Panasonic stellt die Kompatibilität der linienübergreifenden Softwarelösung Pulse von Asys am Tablet vor.

Balázs Tarsoly von Panasonic stellt die Kompatibilität der linienübergreifenden Softwarelösung Pulse von Asys am Tablet vor. Marisa Robles

Erste Frucht dieser Kooperation ist das integrierte Linienmanagement-System iLNB. Es ermöglicht die simultane Steuerung einer kompletten Linie von Systemen verschiedener Hersteller über einen einzigen PC. Dadurch verbessert sich die Gesamtproduktivität der Linien zur Bestückung von Leiterplatten mit Bauteilen trotz Verwendung von Fremdanbieter-Maschinen erheblich. Panasonic hat ein Controllersystem entwickelt, das die Bestückungslinien zentral steuern und überwachen kann. „Durch den Einsatz durchgängiger Automatisierungslösungen lassen sich Produktivität und Qualität erheblich steigern“, ist sich Nagai sicher, und weiter: „An linienübergreifenden Software-Lösungen führt kein Weg vorbei. Schließlich benötigt die Fertigungsabteilung nicht nur Verbesserungen bei der Arbeitsautomatisierung, sondern auch bei der Produktivität und Qualität im kompletten Produktionsprozess und im gesamten Werk.“

Das integrierte Linienmanagement-System iLNB setzt auf dem Smart-Factory-Angebot von Panasonic auf, das im Kern die Bestückungsautomaten sowie das Manufacturing-Execution-System Panacim umfasst. Schließlich geht es darum, die Effizienz der SMT-Fertigungslinie kontinuierlich zu optimieren. Dafür sind präzise Zeitpläne nötig, die durch aktuelle Ergebnisdaten und eine Analyse der Abweichungen von Plan und Ergebnissen ergänzt werden müssen. Die Software-Plattform Panacim kontrolliert und managt wahlweise eine einzige Maschine, eine oder mehrere Produktionslinien und kann sogar die Verwaltung der gesamten Produktion inklusive Material- und Wartungsmanagement übernehmen.

Teilnehmer überzeugten sich von der präzisen Bestückung der Baugröße 0250125.

Teilnehmer überzeugten sich von der präzisen Bestückung der Baugröße 0250125. Marisa Robles

Ein wesentliches Upgrade hat die Software mit der Koppelung von Asprova, einem Fertigungs-Planungssystem eines Fremdanbieters, erhalten: Mit dem Ziel der umfassenden Optimierung kann Panacim jetzt zur Rückmeldung von Ergebnissen mit Asprova kommunizieren. Dies erlaubt eine automatische Analyse der Abweichungen zwischen Plan und Ergebnis, die für die Plananpassung genutzt werden kann. So erlaubt Asprova beispielsweise ein schnelles Simulieren aller bestätigten und prognostizierten Aufträge, wodurch der Anwender stets weit im Voraus den Überblick über Durchlauf- und Lieferzeiten der Produktion behält. Dadurch lassen sich beispielsweise mögliche Engpässe frühzeitig erkennen.

Praxisalltag im Technical-Center nachgestellt

Der Mac-III genannte Nozzle-Reiniger von Nakamura kommt ohne Lösungsmittel aus, da es lediglich mit Wasser und Luft reinigt. Er wurde von Hirofumi Sato von YKT Europe vorgestellt.

Der Mac-III genannte Nozzle-Reiniger von Nakamura kommt ohne Lösungsmittel aus, da es lediglich mit Wasser und Luft reinigt. Er wurde von Hirofumi Sato von YKT Europe vorgestellt. Marisa Robles

Mit dem im Jahr 2016 eröffneten, etwa 930 m² großen Technical-Center will Panasonic Kundennähe demonstrieren. Separate Bereiche für Maschinenvorführungen sowie Räume für Maschinen- und Softwareschulungen sollen die Bandbreite der modernen Elektronikfertigung aufzeigen. Daneben stehen mehrere Besprechungs- und Konferenzräume sowie eine Cafeteria zur Verfügung.

Zur Vorstellung von Panasonics Smart-Factory-Lösungen wurde ein Bereich in der Halle eingeplant. Hier werden die Möglichkeiten der Verknüpfung von unterschiedlichen Anlagen verschiedener Hersteller im Rahmen des von Panasonic entwickelten Industry-4.0-konformen Smart-Factory-Konzepts aufgezeigt. Dazu gehört die Anbindung der Maschinen an Panacim, das sich über Schnittstellen an verschiedene ERP-Lösungen wie etwa Oracle oder SAP anbinden lässt und dadurch umfangreiche Produktions- und Materialinformationen an übergeordnete, unternehmensweite Systeme liefern kann. Gezeigt wurde etwa das lückenlose Materialmanagement mit dem Material-Tower von Essemtec – vom Wareneingang zum und nach dem Einsatz im Fertigungsprozess.

Experte für Winzlinge: V Vijaya Kumar von Panasonic zeigte an der Bestückplattform NPM DX wie sich zuverlässig die derzeit kleinste Baugröße 0250125 bestücken lässt.

Experte für Winzlinge: V Vijaya Kumar von Panasonic zeigte an der Bestückplattform NPM DX wie sich zuverlässig die derzeit kleinste Baugröße 0250125 bestücken lässt. Marisa Robles

Mit den hauseigenen SMT-Bestückautomaten NPM-W2 und NPM-W2S sowie dem SPV-Schablonendrucker als auch Viscoms 3D-SPI S3088 SPI und dem High-Speed 3D-AOI S3088 Ultra nebst Handlingsystemen von Asys ist ein Teil der SMT-Fertigungslinie im Applikationscenter abgebildet. Die Bestückplattform NPM-W2S bietet sich als gute Lösung für High-Mix-Produktionen oder komplexe Baugruppen an und kann als kostengünstige Ergänzung zur NPM-W2 dienen. Darüber hinaus ist auch die Bestückplattform NPM-VF ausgestellt, die zur Verarbeitung von Sonderbauteilen wie große SMD- und radial bedrahtete Bauteile konzipiert wurde und mit diversen Möglichkeiten der Bauteilezuführung ausgestattet ist. Mit dieser Dual-Gantry-, Multi-Head-, Odd-Form-Maschine zum Bestücken von Sonderbauteilen gehört eine manuelle Verarbeitung dieser Bauteile der Vergangenheit an. Zur Prozesskontrolle kommt Panasonics APC-System zum Einsatz.

Die Teilnehmer konnten sich nicht nur vom präzisen Lotpastenauftrag überzeugen. Gezeigt wurden auch, welche typischen Fehler sich im Druckprozess ergeben können, und wie sich Abhilfe schaffen lässt. Dass die Panasonic-Systeme mit der linienübergreifenden Softwarelösung Pulse von Asys korrespondieren, zeigte Balázs Tarsoly anschaulich am Tablet und an der Smartwatch.

Aus der Praxis für die Praxis: Anhand des Demoboards demonstrierte Panasonic den präzisen Lotpastenauftrag und die zuverlässige Bestückleistung seiner Plattformen.

Aus der Praxis für die Praxis: Anhand des Demoboards demonstrierte Panasonic den präzisen Lotpastenauftrag und die zuverlässige Bestückleistung seiner Plattformen. Panasonic

Abgerundet wird das Technical-Center mit einem Solutions-Corner. Hier stehen verschiedene Werkzeuge und Einstellhilfen zur Wartung und Einstellung der Maschinen zur Verfügung: Einstelllehren für Nozzles, diverse Einrichtungswerkzeuge, eine off-line-teaching unit zur Erstellung von Programmen und andere nützliche Hilfsmittel. Eine Besonderheit stellt das handliche Gerät für die Reinigung von Nozzels dar. Der Mac-III genannte Reiniger von Nakamura kommt ohne Lösungsmittel aus, da es lediglich mit Wasser und Luft reinigt. Dabei verspricht der japanische Hersteller auch, dass die Nozzlen durch schonende Reinigung nicht beschädigt werden und sich gleichzeitig sämtliche Lot sowie Dreckreste rückstandslos entfernen lassen. Panasonic hat das Reinigungssystem in sein Vertriebsprogramm aufgenommen.

Technik-Center „Hotspot“

Mit „Gesamtlösungen“ ist nicht gemeint, immer bei der eigenen Vielzahl von Maschinen und Lösungen stehenzubleiben, sondern es bedeutet, sich für Kooperationen und Partnerschaften zu öffnen, um sein Horizont zu erweitern. Die Möglichkeit zur Verbindung und zum Zusammenwirken der Systeme von Panasonic mit denen von Fremdanbietern zu garantieren. Das gilt für die M2M-Kommunikation, sowie für die Optimierung des gesamten Produktionsprozesses. Praktisch angewandt und getestet wird dies bei Panasonics Technikzentrum „Hotspot“ in München. Hier können Kunden einen Eindruck davon gewinnen, wie ein Konzept der Gesamtlösungen für die Fabrik der Zukunft umgesetzt wird. Anmeldungen für die Kundentage bitte über: PFSE.info@eu.panasonic.com

Productronica:         Panasonic Smart Factory – Halle A3, Stand 177
Semicon:       Panasonic Microelectronics – Halle B1, Stand 1147