vlnr: Susanne Kunschert, Renate Pilz, Thomas Pilz

vlnr: Susanne Kunschert, Renate Pilz, Thomas Pilz Pilz

Auch 2016 habe gut angefangen, berichtete  die Vorsitzende der Geschäftsführung Renate Pilz. So erwartet das familiengeführte Unternehmen in diesem Jahr ebenfalls ein zweistelliges Wachstum. Der Umsatz dürfte dann auf über 300 Millionen Euro steigen.

Den Hauptanteil des Umsatzes erzielte Pilz 2015 außerhalb von Deutschland. „Wir haben jetzt einen Exportanteil von 70,9 %“, so Renate Pilz. Die umsatzstärkste Region blieb Europa: Rund 74 % des Auslandsumsatzes erwirtschaftete Pilz hier, etwa 15 % in Asien und knapp 10 % in Amerika. Das größte Wachstum war dabei in Asien zu sehen (plus 20 %), allen voran in Korea, Japan und China. Das Amerikageschäft wuchs um 15 %, Europa um 8 %.

Auf diesen Zahlen ruht sich das Unternehmen jedoch nicht aus. Weitere Tochtergesellschaften im ASEAN-Raum sollen die bestehenden Geschäftsbeziehungen in Südostasien ausbauen: Demnächst eröffnet in Singapur die Vertriebs- und Service-Organisation ‚Pilz Southeast Asia‘. „Ende des Jahres werden wir damit mit 40 Tochtergesellschaften vertreten sein“, so Renate Pilz. Des Weiteren bietet Iran gute Perspektiven, da zahlreiche Projektanfragen aus dem Land kommen. Derzeit überlegt das Unternehmen daher, auch dort eine Tochtergesellschaft zu gründen.

Ein Blick auf die einzelnen Produktbereiche zeigt, dass die Steuerungstechnik zusammen mit Antriebstechnik absolut gesehen mit 65 % das meiste zum Umsatz beitrug. Ebenfalls im zweistelligen Bereich lagen Sensorik (15 %) und Dienstleistungen (12 %).

Pilz stellt Mitarbeiter ein

Das Wachstum spiegelt sich auch bei den Mitarbeiterzahlen wider: Ende 2015 beschäftigte Pilz weltweit 2 030 Mitarbeiter, 6 % mehr als im Jahr zuvor. Rund die Hälfte arbeitet am Stammsitz in Ostfildern bei Stuttgart. „Betrachtet man die vergangenen zehn Jahre, haben wir einen Mitarbeiterzuwachs von 77 %“, freut sich die geschäftsführende Gesellschafterin Susanne Kunschert. Künftig sollen zudem 260 neue Mitarbeiter eingestellt werden: in den Bereichen Softwareentwicklung, Customer Support und Produktionstechnik.

HM16: Was gibt’s zu sehen?

Zur Hannover Messe bringt Pilz eine Demonstration zur Mensch-Roboter-Kollaboration mit.

Zur Hannover Messe bringt Pilz eine Demonstration zur Mensch-Roboter-Kollaboration mit. Melanie Swiatloch, Redaktion IEE

Zur Hannover Messe bringt Pilz den Kollegen Roboter mit: Als Demonstration zeigt das Unternehmen eine Mensch-Roboter-Kollaboration (MRK), die mit der Pilz-Steuerung PSS 4000 und dem Safety Eye ausgestattet ist – und keine trennenden Schutztüren benötigt. Safety Eye ist ein intelligentes Kamerasystem für die dreidimensionale Raumüberwachung, das von Pilz gemeinsam mit dem Stuttgarter Institut für Mikroelektronik (IMS) und einem Partner aus der Automobilindustrie entwickelt und 2006 auf den Markt gebracht wurde. „Auch zehn Jahre nach seiner Vorstellung ist es das bislang einzige sichere Kamerasystem zur 3D-Raumüberwachung“, sagt Thomas Pilz, geschäftsführender Gesellschafter. Zum Einsatz kommt es beispielsweise in der Automobilindustrie, in der Luftfahrtindustrie oder in Roboterapplikationen, „also überall dort, wo Mensch und Maschine ohne trennende Schutzeinrichtungen besonders eng zusammenarbeiten“, so Thomas Pilz.

Die Steuerung der Mensch-Roboter-Kollaboration erfolgt über die PSS 4000.

Die Steuerung der Mensch-Roboter-Kollaboration erfolgt über die PSS 4000. Melanie Swiatloch, Redaktion IEE

In der MRK-Applikation wirft es seinen wachenden Blick auf einen Kuka-Roboterarm, der kleine bunte Schokoladentäfelchen bewegt. Der Roboter tut dies äußerst langsam, doch das ist gewollt: Er arbeitet gemäß der Spezifikation ISO/TS 15066 (Robots and Robotic Devices – Collaborative Industrial Robots), die angibt, welche Grenzwerte – Schmerzschwellen – im Fall einer Berührung zwischen Mensch und Roboter einzuhalten sind. Bei Berührung wird der Roboter dann entweder weich geschaltet oder er bleibt stehen, um Verletzungen zu verhindern. Gemäß einem Körperzonenmodell gelten unterschiedliche Kollisionsgrenzwerte, etwa für Kopf, Hand, Arm oder Bein. Ein wesentliches Unterscheidungsmerkmal zwischen eingezäunten Roboterapplikationen und der Mensch-Roboter-Kollaboration ist, dass Maschine und Mensch aufgrund fehlender Schutzumhausungen aneinandergeraten können. Bislang gab es dafür keine Regelung. Die Spezifikation sorgt an dieser Stelle nun für klarere Verhältnisse. Bleibt die Anwendung während einer Begegnung zwischen Mensch und Roboter innerhalb der in der Norm festgelegten Grenzen, so ist sie normenkonform, also erlaubt. Damit Besucher der Hannover Messe sich die Anwendung ganz ohne Gefahr anschauen können, ist der Roboter auf den Kollisionskraftwert für den Bereich Kopf eingestellt: etwa 62 bis 63 N.

Sicherheitsfunktionen kombinieren

Thomas Pilz gibt zu bedenken, dass es den einen sicheren Roboter oder die eine sichere Sensorik, die alle möglichen Anwendungsfälle hinsichtlich Sicherheit abdeckt, auch künftig wohl nicht geben wird. Stattdessen werden Kombinationen nötig sein, die beispielsweise aus Safety Eye sowie taktiler Sensorik bestehen. Eine Herausforderung bei der MRK bleibt: Häufig verursachen Menschen unnötige Maschinenstillstände. „Hier müssen wir herausfinden, wo der Einsatz von MRK Sinn ergibt und die Produktion fördert, anstatt sie zu behindern“, erläutert Thomas Pilz. Kurz vor der Marktreife steht außerdem die taktile Sensorik für Roboterapplikationen. Diese unterstützt bei Visualisierung und Ortsbestimmung von Mensch und Roboter. Einen Prototyp in Form einer Trittmatte stellt das Unternehmen demnächst vor – allerdings nicht in Hannover, sondern zur Automatica im Juni in München.

Neben der MRK-Applikation gibt es auf der Hannover Messe eine Industrie-4.0-Produktionslinie zu sehen: Komplett automatisiert mit Sensoren, Steuerungen und Antrieben von Pilz veranschaulicht die modular aufgebaute Modellanlage, wie sich mithilfe verteilter Intelligenz, Steuerungsaufgaben effizient und anwenderfreundlich lösen lassen. (Zu sehen am Gemeinschaftsstand der Smart Factory KL in Halle 8, Stand D20).

Weitere Highlights auf der Hannover Messe

Die Lichtgitter Typ 3 sind laut Pilz eine Weltneuheit für ihren Bereich: Die neuen Lichtgitter PSENopt II ermöglichen Anwendungen der Sicherheitskategorie Performance Level d (PL d). Damit schließt der Lichtgitter-Typ die ‚Typen-Lücke‘ der überarbeiteten Version IEC 61496-1. Mit PSENopt II ist es nicht mehr notwendig, auf Typ-4-Geräte auszuweichen, wenn PL d gefordert ist. So lässt sich mit den Lichtgittern das für die Sicherheitsanforderung genau passende Level umsetzen.

Die Diagnoselösung ‚Safety Device Diagnostics‘ besteht aus einem Feldbusmodul plus Verteiler sowie der Sensorik PSEN. Auch umfangreiche Sensordaten können mit der Lösung einfach und zudem über Distanz abgerufen werden. Serviceeinsätze lassen sich somit reduzieren, die Produktivität erhöhen.

PSENmlock erweitert die Familie der Schutztürsysteme. Es ermöglicht eine sichere Schutztürüberwachung und Zuhaltung für Personen- und Prozessschutz bis zur höchsten Sicherheitskategorie PL e in einem. Aufgrund der schmalen aber robusten Bauform und unterschiedlicher Montage-Möglichkeiten lässt sich PSENmlock flexibel einsetzen und einfach montieren.

Mehr zum Thema: Vorteile von Schutztürzuhaltungen mit Zuhaltung und Verriegelung

Bilderstrecke

Lichtgitter Typ 3 PSENopt II
Diagnoselösung 'Safety Device Diagnostics'
Schutztürsystem PSENmlock