Diese Sechs-Balken-Anlage mit einer Produktionsleistung von 500 m/min Vlies baut Reicofil modular auf. Der Extruder hat eine Leistungsaufnahme von 355 kW (Antrieb) und 24 kW (Heizung). Sein Durchsatz liegt bei 1100 Kilogramm Material in der Stunde.

Diese Sechs-Balken-Anlage mit einer Produktionsleistung von 500 m/min Vlies baut Reicofil modular auf. Der Extruder hat eine Leistungsaufnahme von 355 kW (Antrieb) und 24 kW (Heizung). Sein Durchsatz liegt bei 1100 Kilogramm Material in der Stunde.Reifenhäuser Reicofil

Wie im Spezialmaschinenbau üblich, passt Reifenhäuser Reicofil seine Anlagen jeweils an die individuellen Kundenanforderungen an. Um diesen Prozess so effizient wie möglich zu gestalten, hat der Produzent von Spinnvlies-, Meltblown-, und Composite-Anlagen die gesamte Mechanik auf ein modulares System umgestellt. Dieses Konzept hat er jetzt auch auf die Elektronik übertragen. Alle wichtigen Einzelkomponenten lassen sich so bereits vor dem Versand praxisnah testen, damit die Techniker die Maschine vor Ort schnell und reibungslos aufbauen können.

Der Kabel-Spezialist Pflitsch hat über seine Vertretung Wagner aus Wülfrath dem Maschinenbauer vor allem bei der Umsetzung der dezentralen Heizungssteuerung der Extruder unterstützt. Bisher waren vom Schaltschrank zum Extruder Energie- und Signalzuführungen über lange Strecken erforderlich. Die große Kabelmenge und die thermischen Anforderungen führten zu erheblichem Platzbedarf und Montageaufwand. Das neue Konzept zeigt, wie viel Einsparpotenzial hier liegt: Durch die Dezentralisierung konnte der Maschinenbauer die Kabelanzahl von 35 auf fünf reduzieren – auf zwei Kabel mit einem Querschnitt von 120 mm² und drei Kabel mit einem Querschnitt von 240 mm². Und statt pro Kabel eine Kabelverschraubung einzusetzen, verringert das Unternehmen den Platzbedarf und Montageaufwand mit Mehrfach-Kabeleinführungen.

Anordnung der Kabel hebt Magnetfelder auf

Durch die M120-Kabelverschraubung mit ihrem Mehrfach-Dichteinsatz lassen sich fünf Energiekabel platzsparend und sicher in den Schaltschrank einführen.

Durch die M120-Kabelverschraubung mit ihrem Mehrfach-Dichteinsatz lassen sich fünf Energiekabel platzsparend und sicher in den Schaltschrank einführen.Wagner

Da der Maschinenbauer zudem die Schaltschränke von Aluminium auf Stahl umgestellt hat, war das dezentrale Konzept nur mit einer neuen Verschraubung realisierbar – der M120 von Pflitsch. Der Grund: Die VDE 0100-520 regelt im Abschnitt 521.5, dass Leiter und einadrige Kabel oder Leitungen in Wechselstromkreisen, die in Umhüllung aus ferromagnetischen Werkstoffen verlegt werden, so angeordnet werden müssen, dass sich alle Leiter eines Stromkreises in derselben Umhüllung befinden. Denn bei der Kabeldurchführung mit Einzeladern verursachen die hohen Ströme starke Magnetfelder, die im Blech des Schaltschranks Wirbelströme erzeugen. Das führt zu  Wärmeentwicklung im Stahl-Schaltschrank. Die Verschraubung M120 ermöglicht es einerseits, alle fünf Adern (L1, L2, L3, N und PE) über eine Bohrung von 120 mm in den Schaltschrank des Extruders einzuführen. Andererseits lässt sich aufgrund der definierten  Anordnung der Kabel zueinander das Gesamtmagnetfeld aufheben und damit eine zusätzliche Wärmeentwicklung verhindern. Durch Anziehen der M120-Verschraubung sind außerdem alle fünf Leiter in einem Arbeitsgang montiert, abgedichtet und zugentlastet.

Die Anordnung der Einzelleitungen in der Verschraubung hebt die Magnetfelder um die Leitungen auf und verringert somit die durch Wirbelströme verursachte Schaltschrankerwärmung.

Die Anordnung der Einzelleitungen in der Verschraubung hebt die Magnetfelder um die Leitungen auf und verringert somit die durch Wirbelströme verursachte Schaltschrankerwärmung.Pflitsch

Spezielles Dichtprinzip

Die Mehrfach-Verschraubung basiert auf dem Systembaukasten UNI Dicht und nimmt standardmäßig Einzelkabel bis 110 mm Durchmesser auf. Der große Verschraubungskörper besteht aus vernickeltem Messing. Der passende Dichteinsatz wird aus dem Kunststoff TPE (Thermoplastische Polymere) gespritzt und über ein besonderes Fertigungsverfahren mit den Bohrungen für die von Reicofil verwendeten Kabel individualisiert. Pflitsch realisierte für den Kunden eine Lösung für zwei Kabel à 24 mm (120 m²) und drei Kabel à 32 mm (240 m²) Durchmesser.

Sind die Kabel in den Dichteinsatz eingeschoben, wird dieser beim Anziehen der Druckschraube gezielt so verformt, dass sich der Dichteinsatz großflächig um die fünf Kabel legt. Dadurch erreicht die Verschraubung die Schutzart  IP68 sowie eine Zugentlastung, die über dem in der Norm EN 50262 festgelegten Wert liegt. Die Lösung erfüllt darüber hinaus die Brandschutzklasse UL 94. Die Kabelverschraubungen lassen sich in einem Temperaturbereich von -40 bis 130 °C einsetzen. Durch die verwendeten Materialien ist außerdem die Chemikalienbeständigkeit gegen Öl, Kühlflüssigkeit, Kunststoff- und Industriereiniger gegeben.

Mit dem Dichtprinzip erreicht die Verschraubung Schutzart IP68 und Zugentlastung der Leitung.

Mit dem Dichtprinzip erreicht die Verschraubung Schutzart IP68 und Zugentlastung der Leitung.Pflitsch

Fünf Monate nach dem Start des Projekts und fünf Wochen nach der Erstbestellung wurden bereits die ersten einbaufertigen Teile geliefert. Johann Mergler, Projektleiter bei Reicofil sagt: „Mit der M120-Verschraubung hat uns das Pflitsch-Team gezeigt, dass es auch für ausgefallenere Probleme die passende Lösung findet und damit einen echten Mehrwert für uns schaffen kann.“