Joyson, ein privater Anbieter von Automobilelektronik, wird künftig 74,9 % der Anteile halten; die bisherigen Mehrheitsgesellschafter, die Deutsche Beteiligungs AG, Frankfurt a. M., von ihr verwaltete Fonds („DBAG-Gruppe“) und das Management bleiben mit 25,1 % beteiligt. Damit entsteht ein Technologieunternehmen mit über 500 Millionen Euro Umsatz. „Kontinuität für Kunden und Mitarbeiter ist vor allem dadurch gewährleistet, dass die Preh-Geschäftsführung die weltweiten Aktivitäten von Joyson und Preh in der Automobilelektronik von Bad Neustadt aus führen und weiter ausbauen wird“, betont Preh.

Jeff Wang (Joyson) und Dr. Michael Roesnick (Preh)

Jeff Wang (Joyson) und Dr. Michael Roesnick (Preh)Preh

Die Mehrheitsbeteiligung folgt auf ein Joint-Venture, das Joyson und Preh im August 2010 für den chinesischen Markt gestartet hatten. Durch die gesellschaftsrechtliche Verbindung sollen die Marktpotenziale beider Unternehmen in Europa, Nordamerika und Asien noch konsequenter genutzt werden. Gleichzeitig wird die Eigenkapitalquote von Preh durch eine signifikante Kapitalerhöhung nachhaltig gestärkt. Sie steigt auf mehr als 40 % und erlaubt es, die attraktiven Wachstumsmöglichkeiten in allen wichtigen Absatzmärkten wahrnehmen zu können. Über die Modalitäten der Transaktion wurde zwischen den Vertragsparteien Stillschweigen vereinbart. Der Vollzug des Kaufvertrages steht noch unter dem Vorbehalt der Zustimmung der zuständigen Behörden.
Die DBAG-Gruppe hatte Preh im Oktober 2003 gemeinsam mit dem Preh-Management in einem Management-Buy-out erworben und mit ihrem Engagement eine nachhaltige Wachstums- und Internationalisierungsstrategie für Preh unterstützt: 2003 hatte Prehs Automotive-Umsatz bei 169 Millionen Euro gelegen, aber bis zum Jahr 2010 verdoppelte er sich trotz der zwischenzeitlichen Branchenkrise auf mehr als 343 Millionen Euro.

Auch die künftige Zusammensetzung des Preh-Aufsichtsrates dokumentiert Kontinuität in der Ausrichtung des Unternehmens. Dort wird Dr. Rolf Scheffels, Vorstandsmitglied der Deutschen Beteiligungs AG, weiterhin den Vorsitz innehaben: „Während unseres mehr als siebenjährigen Engagements bei Preh gab es verschiedene Möglichkeiten, Preh erfolgreich zu veräußern“, erklärt Dr. Scheffels in einer Pressemitteilung. „Da wir jedoch stets eine nachhaltige Weiterentwicklung unserer Beteiligungen anstreben, haben wir uns auch bei Preh für einen neuen Gesellschafter entschieden, der dem Unternehmen beste Voraussetzungen für die Fortsetzung des erfolgreichen Wachstumskurses der vergangenen Jahre ermöglicht. Wir werden die Entwicklung in einer Übergangsphase auch in der neuen Konstellation als Gesellschafter weiter konstruktiv begleiten.“ Scheffels erinnert in diesem Zusammenhang an die Entwicklungsschritte, die während des Engagements der DBAG-Gruppe angestoßen und vom Management umgesetzt wurden. So hat Preh sich zu einem reinrassigen Automobilzulieferer entwickelt, der seine Wettbewerbsfähigkeit durch Investitionen in neue Standorte in Nordamerika und Osteuropa sowie in neue Produktgruppen entscheidend verbessert hat. Interessant an Dr. Scheffels Aussage sind unter anderem die Worte „in einer Übergangsphase“, denn man könnte auf Grund dieser expliziten Formulierung durchaus interpretieren, dass es nach der Übergangsphase zu Veränderungen kommen wird.
Jeff Wang, Chairman und Gesellschafter von Joyson, sagte aus Anlass der Transaktion: „Wir haben Preh durch das Joint-Venture kennen und schätzen gelernt und uns aufgrund der erstklassigen Kompetenzen von Preh schließlich für eine Mehrheitsübernahme entschieden. Joyson und Preh ergänzen sich durch ihre Wurzeln in unterschiedlichen Marktregionen ideal. Wir werden unseren gemeinsamen Kunden weltweit qualitativ hochwertige und zugleich kostengünstige Bediensysteme für das Fahrzeuginterieur bieten.“

Preh bleibt Preh!“
Dr. Michael Roesnick, Vorsitzender der Geschäftsführung der Preh GmbH, erklärte: „China wird immer mehr zum entscheidenden Motor für die globale Automobilbranche. Das Joint-Venture mit Joyson war deshalb die konsequente Fortsetzung unserer Internationalisierungsstrategie, die uns über unsere Werke in Portugal, Mexiko und Rumänien schließlich nach China geführt hat. Dass die Zusammenarbeit im Joint-Venture unseren Partner Joyson nun zu einem Einstieg bei Preh bewogen hat, sehe ich als große Chance für uns.“
Preh beabsichtigt, seine Wettbewerbsposition mit dem Mehrheitsgesellschafter Joyson nachhaltig zu verbessern und gemeinsam vor allem in China neue Marktchancen zu erschließen. Eines hebt Dr. Roesnick besonders hervor: „Gleichzeitig gilt weiter das, was wir schon bei Einstieg der Deutschen Beteiligungs AG gesagt haben: Preh bleibt Preh! Unser Unternehmen lebt von seiner einzigartigen Innovationskraft und der hohen Identifikation der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit der Unternehmenskultur von Preh. Wir wollen gemeinsam mit Joyson für den langfristigen Unternehmenserfolg ein Höchstmaß an Kontinuität und Eigenständigkeit sicherstellen.“

Wer ist Joyson Automotive?
Joyson Automotive ist Teil der Joyson-Unternehmensgruppe, Ningbo (China), die neben der Automobilzulieferung auch über eine Immobiliensparte verfügt und 2010 mit 1.800 Mitarbeitern einen Gesamtumsatz von umgerechnet 198 Millionen Euro erzielt hat. Joysons Automotive-Sparte besteht aus den operativen Gesellschaften Joyson Automotive Ningbo, Changchun Joyson, Bosen Corporation Ningbo und Huade Plastics Shanghai; 2010 erreichte sie einen Umsatz von umgerechnet 125 Millionen Euro.