Navigationssoftware EB street director


Hört aufs Wort

An der gigantischen Menge von mehr als 70.000 Ortsnamen und noch mehr Straßennamen allein in Deutschland scheiterte bislang die Spracheingabe bei mobilen Navigationssystemen. Ganz anders bei der neusten Version des EB street director von Elektrobit (EB). Das Unternehmen hat im Frühjahr eine Navigationssoftware vorgestellt, die mittlerweile von Medion in der GoPal 3.0 PE Software eingesetzt wird und damit bei vielen Discountern erhältlich ist. Die Spracherkennung versteht, was der Benutzer sagt. Die Zeit, in der man mühevoll sogenannte Voice Tags – also vorher aufgenommene Befehle – aufrufen musste und dabei nur hoffen konnte, dass das System „Mutti“ und „Uli“ unterscheiden kann, ist vorbei. Beim EB street director startet eine kurze Berührung des Bildschirms die Zieleingabe. Der Benutzer spricht dann den Ortsnamen ganz normal aus, das System bietet im Bruchteil einer Sekunde vier Ergebnisse, wobei das wahrscheinlichste ganz oben in der Liste steht. Eine kurze Berührung auf dem großen Auswahlfeld zur Bestätigung startet die Aufnahme der Straße. Und auf die gleiche Art wird auch die Hausnummer eingegeben. Weiß der Benutzer nicht, wo genau er hin will, bringt ihn ein „weiß nicht“ oder „keine Ahnung“ genauso zur Orts- oder Straßenmitte wie die Ansage „Ortsmitte“, „Zentrum“ oder „Straßenmitte“. „Einfacher und schneller kann man ein mobiles Navigationsgerät heute nicht programmieren“, ist sich Dr. Silke Goronzy-Thomae, Managerin Sprachdialogsysteme bei Elektrobit, sicher.

Die Herausforderung bei der Entwicklung dieser neuen Generation von Navigationssoftware war die Abstimmung der Spracherkennungsdaten mit den Kartendaten. So muss für die über 70.000 Ortsnamen sichergestellt sein, dass nicht nur die Erkennung über eine intelligente Technologie funktioniert, sondern auch, dass die erkannten Ortsnamen den richtigen Koordinaten auf der Karte zugeordnet werden. „Unser Audio Triggered Geo Coding ist das Herzstück der Zieleingabe per Sprache“, betont Goronzy-Thomae. Auch verschiedene Varianten der Aussprache kann der EB street director unterscheiden und akzeptiert zum Beispiel „Frankfurt Main“ genauso wie „Frankfurt am Main“.

Der Clou dieser Lösung steckt jedoch in der effizienten Verbindung dieser hochkomplexen Spracherkennungs-Algorithmen und den Dateninhalten der Karte. Was auf den ersten Blick nach einer immensen zusätzlichen Datenmenge aussieht, passt auch weiterhin auf SD-Speicherkarten, die nach Bedarf mit mehreren Ländern bespielt werden können. Noch keinem Hersteller ist es bislang gelungen, die umfangreichen Ressourcen für die sprachgesteuerte Zieleingabe platzsparend und trotzdem mit schnellem Zugriff auf einer SD-Karte unterzubringen: „Die Organisation der Datenmengen ist ausschlaggebend für die hohe Geschwindigkeit des Systems“, verrät Goronzy-Thomae. Wer im Ausland unterwegs ist, muss sich heute noch an die regionalen Aussprachen halten: Nach Florenz findet der EB street director, wenn man es „Firenze“ ausspricht. Die Spracherkennung für deutsche Äquivalente wie Florenz und Firenze, Mühlhausen und Mulhouse oder auch München und Monaco soll demnächst schon selbstverständlich sein. Derzeit unterstützt das System Deutschland, Frankreich und Großbritannien, im Herbst kommen Italien, Spanien, Niederlande und Österreich hinzu. Dass das System nicht nur Orts- und Straßennamen erkennt, sondern mittels Text-to-Speech-Funktion auch beim Abbiegen den Namen der Zielstraße akustisch ausgibt, ist Standard. Die Zukunft sieht die Elektrobit-Managerin in einem vollständigen Dialog zwischen Mensch und Computer: „Die kommenden Generationen der Navigationsgeräte sind bei Bedarf gänzlich per Sprache zu bedienen. Sprache ergänzt dann die grafische Benutzeroberfläche optimal. D.h. Die Straßeneingabe, das Starten der Routenberechnung oder auch Änderungen der Route werden wir künftig per Sprache eingeben können. Und dabei wird das System mit Nachfragen antworten, wenn wir uns unklar ausdrücken. So können wir die potentielle Ablenkung des Fahrers deutlich reduzieren.“


27.08.2007 -

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