Ein transparentes und flexibles Qualitätsmanagement-System trägt dazu bei, dass Antriebs-, Brems- und Haltesysteme für Anlagen im Bergbau den hohen Beanspruchungen standhalten.

Ein transparentes und flexibles Qualitätsmanagement-System trägt dazu bei, dass Antriebs-, Brems- und Haltesysteme für Anlagen im Bergbau den hohen Beanspruchungen standhalten.Consense

Bei der Kohleförderung unter Tage wirken enorme Kräfte: Anlagen mit riesigen Förderbändern, die viele Kilometer im Bergwerk bergauf und bergab führen, müssen angetrieben und gebremst werden. Hier sind Bauteile gefordert, die hohen Beanspruchungen standhalten. Das Unternehmen Tüschen & Zimmermann hat sich auf Antriebsverbindungen als mechanische Schnittstellen zwischen Motoren und Getrieben spezialisiert.

Um das Qualitätsmanagement zu verbessern, entschied sich das Unternehmen 2011 dazu, das Managementsystem Consense IMS von Consense einzuführen. „Wir hatten das Ziel, sämtliche Prozesse im Unternehmen transparenter zu gestalten, auf diesem Weg die Kundenzufriedenheit zu erhöhen und außerdem unsere Produktivität zu steigern“, erklärt der Qualitätsmanagement-Beauftragte Manfred Graf. Gründe für die Entscheidung zugunsten des Qualitätsmanagement-Systems (QM-System)  waren vor allem der flexible und modulare Aufbau, die unkomplizierten Bearbeitungsmöglichkeiten sowie die Nähe zu Standard-Office-Produkten. „Unser zuvor verwendetes System war insgesamt zu statisch. So gestaltete sich zum Beispiel das Einpflegen von Daten eher mühsam. Mit Consense haben wir ein System gefunden, das sich mit Leben füllen lässt,“ erläutert der QM-Beauftragte. Ein Beispiel: Da das Unternehmen auch Spezialanfertigungen für seine Kunden ausführt, finden Prozesse statt, die sich nicht mit Standardanwendungen abbilden lassen. „Die einfache Prozessmodellierung, die mit Consense möglich ist, bietet uns hier viel Spielraum“, kommentiert Graf.

Anwender im Detail

Tüschen & Zimmermann

Zur Produktpalette des Antriebsspezialisten Tüschen & Zimmermann gehören drehelastische Kupplungen mit Längenausgleich und elektronisch geregelte Brems- und Haltesysteme auf Scheibenbremsenbasis, die hohe Belastungen ausgleichen können. Angewendet werden die Produkte des sauerländischen Unternehmens schwerpunktmäßig für Kettenkratzförderer, Hobelanlagen, Brecher und Gurtförderer, Haspeln, Pumpen und andere untertägige Maschinen. Das Unternehmen ist Zulieferer für den weltweiten Bergbau. Denn im Gegensatz zu Deutschland, wo die Steinkohleförderung bis zum Jahr 2018 auslaufen soll, boomt die Branche weltweit. Und so konzentriert sich der Betrieb mit insgesamt mehr als 60 Mitarbeitern auf den Export und bedient mit seinen Kupplungen und Bremssystemen die internationalen Märkte der Bergbaubranche, zum Beispiel in der Türkei, der Ukraine, Russland, Polen, Slowenien, Bosnien, England oder China.

Weniger Papier, mehr Verfügbarkeit

Das QM-System wurde zunächst parallel zum bestehenden System eingeführt. Zuerst wurde die Qualitätssicherungs-Abteilung eingegliedert, danach kamen schrittweise weitere Mitarbeiter hinzu. Diese Vorgehensweise hat sich bewährt, findet Graf: „Die besondere Herausforderung für uns als produzierendes Unternehmen bestand darin, die Mitarbeiter zur Nutzung zu gewinnen. Das haben wir durch die sukzessive Einführung erreicht.“ So wurden zuerst Formblätter und Mails zur Informationsverteilung abgeschafft und Änderungsmeldungen nur noch über das QM-System an die Mitarbeiter verschickt. Damit konnten sich alle langsam an die regelmäßige Nutzung gewöhnen. Inzwischen laufen viele Informationen über das System und die Verteilung an die betreffenden Mitarbeiter erfolgt automatisiert. Jeder hat jederzeit Zugang zu allen benötigten Daten. Die ständige Verfügbarkeit der aktuellen, qualitätsrelevanten Fertigungsanweisungen hat die Abwicklungszeit vieler Projekte verbessert – das motiviert die Mitarbeit zusätzlich, das System zu nutzen.

Durch einfache, flexible Prozessmodellierung lassen sich auch spezielle Abläufe transparent abbilden.

Durch einfache, flexible Prozessmodellierung lassen sich auch spezielle Abläufe transparent abbilden.Consense

Normen und Richtlinien unter Kontrolle

Zu den zentralen Aufgaben des neuen Managementsystems gehört es, die verschiedenen Normen und Richtlinien zu unterstützen, denen die Produktion bei Tüschen & Zimmermann unterliegt. Neben den Anforderungen der Qualitätsmanagement-Norm ISO 9001:2008 sind für das sauerländische Unternehmen eine Reihe anderer branchenspezifischer Normen und Richtlinien wichtig, die für Sicherheit im Bergbau sorgen sollen. Eine davon ist zum Beispiel die Atex-Richtlinie 94/9/EG der Europäischen Union, die für Geräte und Anlagen gilt, die in explosionsgefährdeten Bereichen Anwendung finden. „Deren Einhaltung ist für uns besonders wichtig: Denn unter Tage würde eine glühende Bremsscheibe zu einer Katastrophe führen“, erklärt der Qualitätsmanagement-Beauftragte. Darüber hinaus fordern die Kunden auch das Erfüllen weiterer Normen, zum Beispiel der DIN EN 1090-ff (Ausführung von Stahltragwerken und Aluminiumtragwerken) und der DIN EN ISO 3834 (Qualitätsanforderungen für das Schmelzschweißen von metallischen Werkstoffen), die in der Regel vor allem reine Schweißbetriebe betreffen. Das  zuverlässige Einhalten der Normen in allen Prozessschritten regelt jetzt das QM-System.

Technik im Detail

Höhere Sicherheitsstandards mit Consense 9.0

Mit der Einführung der aktuellen Version Consense 9.0 wurde das Modul Consense GxP (GxP, Richtlinien ‚Gute Arbeitspraxis‘) um Funktionen ergänzt, die vor allem den wachsenden Sicherheitsanforderungen im sensiblen GxP-Bereich Rechnung tragen. So lassen sich jetzt Freigabeprozesse durch eine zusätzliche Validierungsphase ergänzen. Hohe Sicherheit durch zuverlässigen Zugriffsschutz bietet die individuelle Benutzerrechteverwaltung: Alle relevanten Daten und Informationen sind entsprechend der angelegten Rollen und Rechte abrufbar. Die jetzt mögliche doppelte Passwortabfrage zum Abruf von Daten und Informationen erweitert das Sicherheitskonzept.

Mess- und Prüfmittel-Management: Excel abgelöst

Als wertvoll für die Arbeit des Unternehmens schätzt der QM-Beauftragte auch das Modul Mess- und Prüfmittelmanagement. Denn zuverlässige Prüfmittel sind ein wesentlicher Bestandteil der Qualitätssicherung: Um dauerhaft hohe Produktqualität zu erzielen, müssen diese regelmäßig und systematisch kontrolliert werden, damit das Überprüfen der hergestellten Produkte später zu validen Ergebnissen führt. Bis zur Einführung des QM-Systems wurde dies aufwendig auf Basis von Excel-Listen durchgeführt, die die QS-Abteilung als Ausdrucke an die entsprechenden Abteilungen verteilte. Das Modul stellt jetzt alle notwendigen Funktionen zur transparenten Verwaltung und Kontrolle von Mess- und Prüfmitteln bereit. Den Mitarbeitern stehen damit jederzeit auf Knopfdruck aktuelle Werte zur Verfügung – eine Arbeitserleichterung, da diese Informationen alle Abteilungen ständig benötigen.

Nach rund einem Jahr und positiven Erfahrungen setzte das Unternehmen den schrittweisen Ausbau des QM-Systems fort. Im Frühjahr 2013 wurde das System um das Modul Qualifikationsmanagement ergänzt. „Wir müssen viele Schulungen durchführen, unter anderem die Erste-Hilfe-Schulung in einem Zweijahres-Rhythmus. Auch dafür haben wir bisher Excel-Listen geführt“, erklärt Graf. Mit dem neu eingeführten Qualifikationsmanagement sollen auch die Weiterbildungsaktivitäten transparenter werden: Das Modul zeigt automatisch an, welche Schulungen für welche Mitarbeiter fällig sind und wer diese zu welchem Zeitpunkt erfolgreich absolviert hat.