Das Konzeptfahrzeug Oasis auf der CES 2017.

Das Konzeptfahrzeug Oasis auf der CES 2017. Alfred Vollmer

Trotz seiner Größe von gerade einmal 3,6 x 1,9 x 1,5 m3 ist der Kleinwagen Oasis aus der Ideenschmiede um den Schweizer Frank Rinderknecht aufgrund seines auffälligen Design nicht zu übersehen. Das agile E-Mobil für die Stadt soll hochautomatisiertes Fahren ermöglichen und verfügt über eine enge Anbindung an soziale Netze.

Die Basis für den Oasis bildet das IRC (Intelligent Rolling Chassis) von ZF. Dabei handelt es sich um eine Plattform für den elektrischen Antrieb, die Lenkung und das Fahrwerk. An der Hinterachse befindet sich der Electric Twist Beam, einer Kombination aus Verbundlenkerachse und zwei radnah integrierten Elektromotoren mit je 40 kW.

Hans Roth (Harman) erklärt Alfred Vollmer (AUTOMOBIL-ELEKTRONIK) das Innenleben von Oasis.

Hans Roth (Harman) erklärt Alfred Vollmer (AUTOMOBIL-ELEKTRONIK) das Innenleben von Oasis. Alfred Vollmer

Diese ermöglichen eine Beschleunigung auf 100 km/h binnen 9 Sekunden sowie eine Spitzengeschwindigkeit von 130 km/h. Eine weitere Besonderheit ist die elektromechanische Lenkung, ebenfalls von ZF, die den Lenkwinkel auf 75 Grad erhöhen und bereits beim eigenen Smart Car von ZF zum Einsatz kam.  Zum Vergleich: Gängige Vorderachsen haben nur rund 50 Grad Lenkungswinkel. Der erhöhte Radeinschlag erlaubt engere Wende- und Einparkmanöver, wodurch sich selbst enge Parklücken meistern lassen.  Zudem ist das Fahrwerk des Kleinwagens noch mit der Torque-Vectoring-Technologie von ZF ausgestattet, die das Antriebsmoment je nach Fahrverhalten und -manöver passend auf die vier Räder verteilt und so die Lenkbewegung stabilisiert.

Im Heck ist Platz für einen Range-Extender.

Im Heck ist Platz für einen Range-Extender. Alfred Vollmer

Für die nötige Stromversorgung sorgt ein Lithium-Eisenphosphat-Akku mit einer Kapazität von 12 kWh. Im Vergleich zu Lithium-Ionen-Speichern gelten diese Akkus als sicherer; dafür weisen sie allerdings eine geringere Energiedichte von lediglich 90 Wh/kg auf. Der eingebaute Akku soll eine Reichweite von rund 100 km ermöglichen und sich bei Bedarf mit zwei mobilen Energiespeichern (Powerbanks) erweitern lassen, die  im Heckbereich des Fahrzeuges  Platz finden.

Oasis verfügt über ein großes AR-HUD.

Oasis verfügt über ein großes AR-HUD. Rinspeed

Simpler, aber moderner Innenraum im Oasis

Der äußerlich so auffällige Oasis ist innen mit einer eine schlichten Mischung aus weißen und grauen Farbtönen deutlich zurückhaltender gestaltet. Zwei durchaus komfortable Sitze bilden das Zentrum des Innenraums. Vor den Insassen spannt sich ein 5k-UHD plus-Display mit einer Auflösung von 5120 x 2880, was etwa 14,7 Millionen Pixeln entspricht. Es lässt sich wahlweise als Infotainment- oder Entertainmentsystem nutzen.

Frank Rinderknecht (rechts) und Gerhard Gumpoldsberger von ZF haben bei Oasis eng zusammengearbeitet.

Frank Rinderknecht (rechts) und Gerhard Gumpoldsberger von ZF haben bei Oasis eng zusammengearbeitet. Alfred Vollmer

Die Bedienung erfolgt über Gesten, Sprache oder Tastatur. Je nach Fahrmodus – manuell oder automatisch – passt sich die Anzeige des Displays an. Im manuellen Modus zeigt das Display wichtige Informationen wie Navigationshinweise, Geschwindigkeit, Batteriezustand oder Verkehrshinweise, aber auch Inhalte von Social-Media-Plattformen an. Im automatischen Modus kann das Display für Entertainmentanwendungen oder als Arbeitsplatz mit Office Suite zum Einsatz kommen. Passend dazu lässt sich das Lenkrad umklappen und modifizieren: Mit Hilfe eines Einsatzes wird es entweder zur Tastatur oder zu einer Ablagefläche.

Das Lenkrad in Fahrstellung.

Das Lenkrad in Fahrstellung. Alfred Vollmer

Die Windschutzscheibe dient als Projektionsfläch; die Lösung des russischen Unternehmens Wayray projiziert Virtual- und Augmented-Reality-Inhalte mittels holografischer Laser-Projektionen auf die Scheibe. So lassen sich beispielsweise Navigationsanweisungen sowie Verkehrshinweise auf der Windschutzscheibe im Sichtfeld des Fahrers anzeigen.Wayray nutzt hierfür eine spezielle Folie, die in die Windschutzscheibe eingelassen ist. Im Messegeschen konnte die Redaktion zwar die optische Wirkung nicht richtig beurteilen, aber Frank Rinderknecht lobt die Wayside-Lösung sehr.

Beim automatisierten Fahren wird das Lenkrad zur Ablagefläche...

Beim automatisierten Fahren wird das Lenkrad zur Ablagefläche… Alfred Vollmer

Der Oasis verfügt über eine Vielzahl von Fahrerassistenzsystemen. NXP liefert dafür eine Reihe von Sensoren sowie die Bluebox. Diese Recheneinheit sammelt die Informationen der Sensoren, verarbeitet diese und gibt die verarbeiteten Daten weiter an das Bordsystem. Die Sensoren ermöglichen eine 360-Grad-Erfassung der Umgebung, die andere Fahrzeuge sowie Fußgänger berücksichtigt. Darüber hinaus erlaubt die integrierte Car-2-Car-Kommunikation quasi einen Blick um Ecken und Hindernisse, etwa in Form von per Funk übertragenen Warnungen vor einem noch nicht erkennbaren Pannenfahrzeug. Mittels Car-2-Infrastructure-Kommunikation werden zudem Verkehrsinformationen abgefragt und an das Fahrzeug weitergegeben. So lässt sich beispielsweise die optimale Geschwindigkeit vorgeben, um die nächste grüne Ampelphase zu erreichen.

...oder zum Tisch für eine Tastatur

…oder zum Tisch für eine Tastatur Alfred Vollmer

Ein Auto für viele

Rinspeed-Gründer Frank Rinderknecht hat den Oasis so konzipiert, dass sowohl eine private als auch eine gemeinschaftliche Nutzung möglich ist. So lässt sich das Konzeptfahrzeug etwa per Twitter oder Facebook von Freunden und Bekannten ausleihen. Wenn der Besitzer das Auto wieder benötigt, kann er den Oasis per App zu sich rufen oder im Voraus das Auto zu einer bestimmten Uhrzeit an einen vereinbarten Ort bestellen. Die App sorgt dafür, dass nur autorisierte Personen die Erlaubnis erhalten, dass Auto zu benutzen. Umgesetzt wurde das Zugangssystem mit einer speziellen Software von Huf, die nach Anfrage und Bestätigung einen digitalen Schlüssel für einen bestimmten Zeitraum vergibt.

Per App öffnet und schließt der Autobesitzer den Oasis, zudem  erteilt er die Erlaubnis, den Oasis nutzen zu dürfen.

Per App öffnet und schließt der Autobesitzer den Oasis, zudem erteilt er die Erlaubnis, den Oasis nutzen zu dürfen. Rinspeed

Der Oasis ist also mit vielen technischen Raffinessen ausgestattet. Wem das zu viel Technik ist, der kann sich auch einfach mit einem Minigarten hinter der Frontscheibe vergnügen und im Auto als Hobby-Gärtner tätig werden. Im Gespräch mit der Redaktion räumte Frank Rinderknecht jedoch ein, dass dieser Minigarten primär als Blickfang für das Konzeptfahrzeug dient. Ihm liegt nämlich sehr daran, dass eine Diskussion über bei Oasis verwendeten Technologien in Gang kommt.

 

 

Aber auch Kurioses findet man auf der CES 2017

Hier die merkwürdigsten Gadgets:

Bildergalerie:„Die kuriosesten Gadgets von der CES 2017”
Verkehrstechnisch ist die CES eigentlich ein Chaos, weil es nicht genug Taxen gibt. Der Uber-Konkurrent Lyft macht den Besuchern daher schon am Gepäckband auf dem Flughafen mit einem Gutschein seine Dienste schmackhaft.
Smartcane: Gehstöcke mit integriertem Alarmknopf.
Ein Vorhängeschloss mit Fingerabdruck-Scanner, das sich zusätzlich auch mit einem Schlüssel öffnen lässt – zum Beispiel falls die Lithium-Ionen-Batterie leer ist.
Zahlreiche Unternehmen präsentierten Lösungen, die chronische Schmerzen durch Neurostimulation lindern sollen.
Das interaktive Halsband für Hunde kennt nicht nur den Aufenthaltsort, sondern es kommuniziert auch mit dem Halter.
Ein solches smartes Hundehalsband soll dabei helfen, das Verhältnis zum eigenen Hund zu verbessern.
Selbst dieses Hörgerät ist mit dem Internet verbunden.
Smart-Homes mit Internet-Anbindung sind ein ganz großes Thema auf der CES.
Ein Duschkopf, der sich per App steuern lässt.
Diese Lösung aus Frankreich ermöglicht es, den Zustand der aktuellen Entspannung (oder Anspannung) mit einer App zu erfassen und auszuwerten.
Bei der Liebesbox wackelt das Papierherz, wenn eine Nachricht im Empfänger eingeht, der sich …
… in einer Massivholzbox befindet. Die Love Box reagiert auf Nachrichten eines bestimmten Senders.
Jetzt lässt sich der Futter- und Wasserspender für die Katze per App auch von einem anderen Kontinent aus steuern.
Typlet verwandelt jede beliebige Oberfläche in einen Touchscreen.
Der Echtzeit-Monitor erfasst nicht nur Details rund um den Füllzustand der Babywindel, sondern auch die Umgebungstemperatur, ob das Baby gefallen ist sowie die Atemfrequenz und Bewegungen.
Profisportler müssen keinen Brustgurt mehr tragen, um ihre Herzfrequenz zu überwachen. Der waschbare Sensor sendet die Daten per Bluetooth an eine App.
Bitdefender zeigt auf der CES eine Box, die per Hardware eine sichere IoT-Lösung bereitstellt.
Hypersuit ermöglicht es, Virtual Reality in einer anderen Position zu erleben.
Wer lieber auf den Füßen in die virtuelle Welt eintauchen möchte, kann die Taclim genannten VR-Schuhe nutzen, die allerdings noch ziemlich klobig sind.
Der Werbeslogan hierfür: "Die erste mobile Telemedizin-Station."
Diese „Armbanduhr“ misst permanent den Glukosegehalt für Diabetiker mit einer Genauigkeit von 5 %, indem ein Sensor in die obersten Hautschichten eintaucht, was aber keine Wunde erzeugt und nicht als Schmerz wahrgenommen wird. Dieses System lässt sich auch für andere Verfahren nutzen – und zwar …
...zur Laktatmessung während der Aktivität, ganz ohne Unterbrechung. Damit müssen Sportler nicht mehr zur Leistungsdiagnostik ins Labor, und angenehmer ist es auch.
Diese drahtlosen In-Ohr-Kopfhörer arbeiten 5 Stunden mit einer Batterieladung.
Warum dieses Element permanent über dem Lautsprecher schweben muss, konnte der Aussteller auch nicht allumfassend erklären, aber immerhin sieht es cool aus.
Ein aufsteckbares Bremslicht für Motorradfahrer, das nach einem Unfall sogar die Verwandtschaft informiert.
3-D-Drucker  sind auf der CES in vielen Varianten zu sehen.
Mit dieser Haarbürste lässt sich die Belastung des Haars beim Bürsten erfassen, denn sie übermittelt die Kämm-Daten per Bluetooth …
… von der smarten Bürste an eine App.
Ein derartiges „elektronisches Tattoo“ lässt sich nicht nur zur Ermittlung der Herzfrequenz nutzen, sondern …
… auch, um zum Beispiel bei VR-Spielen als Sensor für Bewegungen der Extremitäten zu dienen.
Die Luftqualität vor Ort erfassen – und in einer App ablesen.
Erfassung der Bewegung für VR-Spiele einmal anders.
Mit dieser Lösung soll die Gesichtshaut weicher werden und jünger aussehen.
Damit die ganze Verwandtschaft an der Schwangerschaft teilnehmen kann, ermittelt dieser Sensor …
… Daten rund um die Bewegungen des Babies im Mutterleib und versendet diese per Bluetooth an eine App.
Rätsel in drei Bildern: Was ist das?
Das ist die Unterseite.
Die Auflösung: Es ist ein Massagegerät zur „Pro-Anti-Zellulite-Aktivierung“, das auch gleich die Details der Aktion an eine App übermittelt.
An diversen Ständen der CES können die Besucher Roboter verschiedener Art sehen.
Ein Bett mit integrierten Sensoren, das zum Beispiel per Bluetooth eine App informiert, wenn die Gefahr zu Schnarchen steigt.
Mit dieser Zahnbürste und der zugehörigen App hat der Anwender alle wichtigen Zahnputz-Daten fest im Visier.
„Das weltweit kleinste Laptop-Ladegerät“ liefert die gängigen 15 V und ist wirklich erheblich kleiner als die vergleichbaren 65-W-Netzteile.
Für nur zirka 50 Dollar gibt es einen Schlüsselanhänger, der eine App über seinen aktuellen Standort informiert – ein Highlight für alle, die gerne etwas verlegen.
Diese Lösung ermöglicht es, Rehabilitation spielerisch durchzuführen und alles detailliert zu dokumentieren.