Hottinger Baldwin Messtechnik ist Fünfzig

Rundes Jubiläum in der Messtechnik

HBM gehört zu einem leistungsstarken Firmenverbund von Messtechnik-Herstellern, die in der Spectris Gruppe vereint sind. Auch in Österreich hat das Unternehmen einen gut eingeführten Namen und kann in seinem 50. Bestandsjahr eine wechselvolle und dynamische Geschichte schreiben.

Der Anlass gibt der ELEKTRONIKSCHAU die Gelegenheit, einen Blick auf Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft zu werfen.
Die heutige Stärke des Unternehmens liegt laut eigener Definition in seiner kundenorientierten Ausrichtung. HBM bietet Produkte für die ganze Messkette vom Sensor über Mess-Systeme bis zur Auswerte-Software, Komponenten für die industrielle Wägetechnik und DMS-Technologie sowie kundenspezifische Lösungen. Wo liegen aber die Wurzeln des Unternehmens? Ein Blick in die Chronik zeigt die Anfänge: Aufbruchstimmung herrschte bei der Gründung des Unternehmens Hottinger Messtechnik in Vogtareuth am 15. Oktober 1950 im Bayrischen Wald. Von Anfang an steht für den Gründer Karl Hottinger das „elektrische Messen mechanischer Größen“ im Vordergrund. Zu den ersten Produkten zählen induktive Wegaufnehmer mit Tauchankersystemen sowie Trägerfrequenz-Messverstärkersysteme. Der „KWS mit drei Messkanälen für induktive Messwertaufnehmer“ ist richtungsweisend. Es gelingen bahnbrechende Messungen von Kräften, Wegen und Schwingungen. Das Produktprogramm wird im Laufe der Zeit konsequent ergänzt. Die Messungen mit den neuen Aufnehmern bringen richtungsweisende Erkenntnisse beispielsweise bei Festigkeitsuntersuchungen an Brücken und Schwingungsmessungen bei Großturbinen.

Expansionstendenzen
1955 erhält die Hottinger Messtechnik die Rechtsform einer GmbH und im gleichen Jahr beginnt die Fertigung von Dehnungmess-Streifen (DMS) und DMS-Aufnehmern. Der erste DMS besteht aus Konstantandraht. Das Unternehmen wächst in den 60er Jahren stetig weiter. Um das Know-How in der DMS-Herstellung zu vertiefen wird die Firma Baldwin-Lima-Hamilton Corporation, USA als weiterer Gesellschafter aufgenommen. Die Vorreiterrolle auf dem Gebiet der Spannungsanalyse und im Aufnehmerbau wird damit noch weiter vertieft und der – heute überall in der Messtechnik bekannte – Name Hottinger Baldwin Messtechnik GmbH entsteht. Der Erfolg dieser neuen Konstellation spiegelt sich auch im Bedarf an einem größeren Firmengebäude wider. Im Jahr 1964 wird in Darmstadt „Im Tiefen See“ mit dem Bau des neuen Werks begonnen. Laufend kommen neue Produkte in das Sortiment, so auch 1970 mit dem Messverstärker KWS/6E-5, der Kraftmessdose, dem Druckaufnehmer und dem Drehmomentaufnehmer. 1973 erfolgt die Gründung der Tochtergesellschaft HBM Inc. in Marlboro/MA, die in den USA zum Fundament der weiteren Tätigkeiten wird. Bereits 1976 beläuft sich die Anzahl der verkauften Kraftaufnehmer und Wägezellen auf 50.000 Stück. Bei HBM entsteht 1977 das erste Kalibrierlabor im Deutschen Kalibrierdienst DKD und das Jahr 1978 ist ein weiterer Meilenstein mit 50.000 verkauften Messverstärkern. Ein neues Zeitalter beginnt dann im Jahr 1979, denn da wird der HBM-Maschinenpark auf CNC-gestützte Produktion umgestellt, was in den folgenden Jahren enorme Fertigungszuwächse ermöglicht. Der Digitale Kompensator mit Streifendrucker im 19″-Gehäuse ist dann im Jahre 1986 als markanter Punkt auf der Produktestraße zu finden, während man auch auf dem Sektor des Qualitätsmanagements Zeichen setzt: HBM ist das erste zertifizierte Unternehmen nach ISO 9001 in Deutschland. Das Jahr 1992 ist durch die Entstehung des Firmenverbundes der Messtechnik-Hersteller BTG, HBM und Brüel & Kjaer gekennzeichnet und es erfolgt die vorausschauende Gründung der weltweiten Vertriebsorganisation Spectris AG. Das ökologische Gewissen schläft ebenfalls nicht, wie Neuerungen auf dem Sektor des Umweltmanagements dokumentieren, denn 1996 ist HBM eines der ersten zertifizierten Unternehmen nach ISO 14001. Wenig später erfolgt 1997 die Aufgliederung in fünf selbstständige Gesellschaften, nämlich die HBM Wägetechnik GmbH, die HBM Mess- und Systemtechnik GmbH, die HBM Feinwerktechnik GmbH, die HBM Holding GmbH und die HBM Immobilien GmbH & Co. KG. Weiters erfolgt die Gründung des Werks Suzhou in China. Das vergangene Jahr 1999 ist durch die Übernahme der Wägezellen-Produktion von der Carl-Schenck AG, Darmstadt gekennzeichnet.

Gegenwärtig wird die Zukunft ins Auge gefasst
Heute steht das Unternehmen für kompetente Unterstützung beim Lösen messtechnischer Aufgaben. Die Fertigung mechanischer Komponenten für anspruchsvolle Messtechnik im µ-Bereich gehört dabei ebenso zu den Highlights des Unternehmens, wie Wägezellen und Einbauhilfen, aber auch – als eines der jüngsten Kinder – die mehrkanalige PC-Messelektronik Spider 8 für Messdatenerfassung mit Rechner oder das Vielkanal-Mess-System MGCplus mit 128 Kanälen im 19″-Gehäuse.
Die Spectris AG sichert als weltweit tätige Vertriebsorganisation den Zugang zu den internationalen Märkten. Inzwischen ist HBM mit rund 60 Vertriebsbüros auf fünf Kontinenten vertreten und die Fertigungsstätten befinden sich in Europa, den USA und in China. Diese kontinuierliche Öffnung in Richtung der Weltmärkte ist für HBM die Herausforderung für die Zukunft und lässt auf viele weitere erfolgreiche Jahre hoffen.

Kasten:
Die ES sprach mit Ing. Walter Weilinger, Teamleiter im Bereich der Industriemesstechnik bei Spectris Components GmbH HBM Division, Österreich.

ES: HBM definiert als eine Stärke des Unternehmens die kundenorientierte Ausrichtung. Wie merkt man das in der Praxis?

Walter Weilinger: Wir liefern komplette Lösungen aus einer Hand, die für spezielle Branchen und Anwendungen angepasst sind. Vor allem auf die Bereiche der Wägetechnik, Luft- und Raumfahrtindustrie, Schienenfahrzeug- und Automobilindustrie sowie die experimentelle Spannungsanalyse legen wir unseren Focus. Hier bieten wir Serienprodukte mit hoher Qualität und entsprechender Stückzahl zu sehr marktorientierten Preisen an. Allerdings ist hier nicht nur der Markt für Standardprodukte relevant: Wir liefern ebenso kundenspezifisch angepasste aktive oder passive Sensoren und Komplettmessketten.
Die Messwerterfassung und Verarbeitung mit dynamischer und gleichzeitiger Datenerfassung gewinnt in der Industrie und im Bereich Forschung und Entwicklung immer mehr an Bedeutung. Wir haben schon vor Jahren diesen Trend erkannt und bieten hier sehr innovative und ausgereifte Systeme an. Das umfangreiche, gut sortierte Produktprogramm und unsere kundennahe Betreuung haben uns auf mehreren Gebieten zum Marktführer werden lassen.

ES: Gab es auch turbulente und schwierige Zeiten in der Geschichte von HBM?

Walter Weilinger: Natürlich waren die letzten zehn Jahre in der Wirtschaft durch so manche stürmische Woge geprägt. Wir haben es immer verstanden, uns rechtzeitig am Markt auszurichten und anzupassen, sodass wir uns heute als durch und durch gesundes Unternehmen präsentieren können.

ES: Welche Ziele stellt sich HBM in den nächsten zehn Jahren und in welchen Bereichen werden wir dynamische Innovationen erwarten können?

Walter Weilinger: Wir werden uns weiter auf die oben angeführten Industriezweige konzentrieren. Unser Ziel ist es, für spezielle Anwendungen als Standard definiert zu werden. Zum Teil haben wir das jetzt schon erreicht, man betrachte nur die Bereiche Drehmoment, Wägetechnik, Messverstärker, aber auch andere. Dem Trend, der in Richtung intelligenter Sensoren und Busverbindungen geht, werden wir auf jeden Fall Rechnung tragen. Der Einsatz von immer komplexeren Systemen verlangt hohe Zuverlässigkeit und einfache, anwenderfreundliche Bedienmöglichkeiten. Hier werden wir innovative Ideen vorstellen!

ES: Wie schätzen Sie den Markt der Messtechnik in den nächsten Jahren ein? Ist dieser an den Erfolgsweg der Automatisierung angekoppelt?

Walter Weilinger: Natürlich stellt die Automatisierung immer höhere Ansprüche an die Messtechnik. Wir arbeiten hier sehr eng mit der Industrie und mit entsprechenden Forschungseinrichtungen zusammen, um immer am Puls der Zeit zu sein. Meine Prognose: dieser Markt wird stabil weiter wachsen. Der Bereich Forschung und Entwicklung wird auf Grund drastischer Einsparungswünsche am Produkt selbst immer mehr an Bedeutung gewinnen; hier wird die Messtechnik in Zukunft ebenfalls sehr gefordert sein. Die Ansprüche an die Qualitätssicherung und vor allem auch an die Rückführbarkeit von Messdaten werden weiter ansteigen. Wir sind auch dafür gerüstet und freuen uns auf die neuen Aufgaben.

ES: Wir danken für das Gespräch.

Hottinger Baldwin Messtechnik
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Tel. (01) 865 8441-313
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