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Rutronik

AUTOMOBIL-ELEKTRONIK: Warum steigt Rutronik ins Automotive-Geschäft ein?

Uwe Rahn: In den 18 Jahren, in denen ich nun für Rutronik arbeite, war unser Unternehmen schon immer im Automotive-Markt aktiv: mit Demand-Creation-Aktivitäten für alle Produktbereiche, mit aktiver Design-Unterstützung bei den High-Tech-Produkten und nicht zuletzt mit umfangreichen Logistik-Services. Seit etwa acht Jahren ist Automotive einer unserer strategischen vertikalen Märkte neben den Segmenten Industrie, Medical und Erneuerbare Energien.

AUTOMOBIL-ELEKTRONIK: Warum gründen Sie jetzt nach so vielen Jahren im Automobilgeschäft eine Automotive Business Unit?

Uwe Rahn: Der Bedarf unserer Automotive-Kunden nach technischem Support ist stetig gewachsen. Zwar haben wir sehr viele Applikationsingenieure, aber für spezifische Automotive-Anwendungen benötigen wir mittlerweile dedizierte Fachkräfte, die sich voll auf diesen Bereich konzentrieren. Da lag der Schritt nahe, innerhalb unserer Matrix-Organisation eine separate Automotive Business Unit zu gründen, gezielt für die Distributionskunden. Wir werden hierzu noch dieses Jahr über hochinteressante Details sprechen können.

AUTOMOBIL-ELEKTRONIK: Wie hoch ist derzeit der Automotive-Anteil an Rutroniks Gesamt­umsatz?

Uwe Rahn: Wir machen schon heute weltweit zirka 45 % unseres Geschäfts im Automotive-Bereich. Da wurde es Zeit, dass wir diese Kunden nicht nur im Rahmen unseres Tagesgeschäfts unterstützen. Wir wollen uns vielmehr zielstrebig mit einigen dedizierten Herstellern verstärkt auf Automotive-Kunden fokussieren. Dabei sind wir uns darüber im Klaren, dass wir mit den technologischen Schlüsselbauelementen das Design gewinnen, aber wir wissen auch, dass die Schaltung ohne die passiven Bauteile und Standard-Halbleiter nun einmal nicht funktioniert. Da wir das komplette Spektrum führen, bieten wir unseren Kunden einen echten Mehrwert.

AUTOMOBIL-ELEKTRONIK: Was heißt für Sie „Fokussierung auf Automotive“ ganz konkret?

Uwe Rahn: Es gibt viele Aspekte, die wir hierbei berücksichtigen. Zum ersten ist da unsere globale Ausrichtung mit zentral gesteuerten Prozessen, um unseren Kunden unabhängig von deren Entwicklungs- oder Fertigungsstandorten auf allen Kontinenten den gleichen Servicelevel anzubieten.
Zum zweiten sind es nur speziell selektierte Produkte und Hersteller, die nachweislich alle geforderte Automotive-Qualifikationen und -Zertifizierungen vorweisen. Darüber hinaus muss das Portfolio des Herstellers auf die Zielanwendungen passen, denn wir konzentrieren uns auf Body-Elektronik, Chassis, Safety, Ambient Lighting und andere Licht-Anwendungen im Fahrzeug. Bei den Halbleiterherstellern erfüllen unsere Top-Hersteller Renesas, Infineon, Rohm und STMicroelectronics diese Kriterien. Auf der passiven und elektromechanischen Seite stehen der Steckverbinder-Hersteller JAE und der Hersteller AVX ganz oben auf der Liste unserer ABU, also der Automotive Business Unit. Bei diesen Herstellern haben wir  einen direkten Draht zu den Experten, die sonst direkt für die OEMs zuständig sind.

Wir haben unsere zirka 150 Top-Automotive-Kunden weltweit im Detail analysiert, 50 Prozent davon werden wir im ersten Schritt mit der ABU konkret angehen und supporten. Das heißt ein quasi Premium-Service wie bei einer Hersteller-Direktbetreuung, aber gepaart mit den Vorteilen und dem Servicepaket der Rutronik-Distribution, die nur wir in dieser Form bieten können.

AUTOMOBIL-ELEKTRONIK: Wieviele Rutronik-Mitarbeiter unterstützen die Kunden?

Uwe Rahn: Alle Mitarbeiter unserer Automotive Business Unit haben den Status „Senior“. Mein Kollege Lutz Henckel betreut primär den kommerziellen Teil der ABU, während ich deren Leitung übernommen habe. Aus jedem Fachbereich arbeiten uns Rutronik-Mitarbeiter zu, Spezialisten etwa für Power-MOSFETs, Mikrocontroller, Kondensatoren oder Steckverbinder für die Automotive-Welt.

Wir unterstützen unsere Automotive-Kunden nicht nur technisch, sondern auch bei Themen rund um Qualitätsmanagement und Normen. So können wir den Tier-2 bei Fragen etwa rund um PPAP-Level oder ISO-Normungen direkten Support liefern. Wir gehen mit viel technischem Know-how und tiefgehendem Spezialwissen auf unsere Kunden zu, denn Bauteileverkauf war gestern; heute geht es um Applikationsvorschläge und den richtigen Support.

AUTOMOBIL-ELEKTRONIK: Ab welcher Stelle des Automotive-Design-Prozesses ist Rutronik mit von der Partie?

Uwe Rahn: Wir diskutieren bereits in einem sehr frühen Stadium der Vorentwicklung mit den Kunden, was er in drei bis fünf Jahren machen möchte und wo der Trend hin geht. Somit unterstützen wir die Kunden schon sehr lange vor dem eigentlichen Design-In.

Ansonsten gilt unser Motto „Alles aus einer Hand“, denn wir bieten unseren Kunden nicht nur aktive Bauelemente sondern auch Passive und Elektromechanik – und das auch zu den Rahmenbedingungen der Automotive-Branche. Die Kunden erhalten sehr schnell Muster. So können sie rasch Prototypen aufbauen und sich einen Wettbewerbsvorteil verschaffen.