Laut der Studie ‚Produktionsarbeit der Zukunft – Industrie 4.0‘ von Bitkom und Fraunhofer IAO wird Industrie 4.0 der Produktivitätstreiber schlechthin für Deutschland. Individuelle Produkte bis zur Stückzahl eins sollen damit genauso kostengünstig wie Massenprodukte gefertigt werden können. Die jährliche, zusätzliche Wertsteigerung bis zum Jahr 2025 soll in den Zielbranchen bei durchschnittlich 1,7 % liegen. Als Zielbranchen gelten Informations- und Telekommunikation, Maschinen- und Anlagenbau, elektrische Ausrüstung, Chemie, Fahrzeugbau sowie Land- und Forstwirtschaft.

Lassen sich diese Wachstumspotenziale in Europas Kernländern überhaupt zeitnah umsetzen? Tatsache ist: Die existierenden Produktionsanlagen haben in den meisten Branchen lange Lebenszyklen. Daher ist es unwahrscheinlich, dass diese Anlagen auf Industrie-4.0-Funktionalität hochgerüstet werden – mehr noch: überhaupt hochzurüsten sind.

Der Engpass liegt in der mangelnden Kommunikations­fähigkeit und nicht standardisierten Semantik der installierten Automatisierungstechnik. Deshalb können die Methoden von Industrie 4.0 in Bestandsanlagen zunächst wenig genutzt werden.

So bleibt es vor allem Neuanlagen vorbehalten, den Produktivitätstreiber Industrie 4.0 zu nutzen. Neue Anlagen und Produktionen werden aber zurzeit eher in Asien oder USA geplant und errichtet als in Europa. Bedeutet das, dass in Europa ein innovatives und volkswirtschaftliches wichtiges Konzept entwickelt wird, das die Wettbewerbsfähigkeit von Asien und Amerika stärkt? Das hätte zwar einen positiven Effekt für die Hersteller von Automatisierungstechnik in Europa, den volkswirtschaftlichen Nutzen haben aber Fertigungsstandorte außerhalb Europas.