Indem er Geldzuwendungen an regierungsnahe Stiftungen zahlte, soll der faktische Samsung-Chef und Vice Chairman von Samsung Electronics versucht haben, politische Entscheidungen der früheren Staatspräsidentin Südkoreas Park Geun Hye zugunsten des Konzerns zu beeinflussen. Konkret wollte er sich nach Ansicht des Gerichts die Zustimmung der Regierung zu einem kontroversen Merger, der 2015 innerhalb des Konzerns stattfand, sichern. Die Millionenbeträge flossen demnach auf das Stiftungskonto einer Freundin der früheren Präsidentin, allein 5,4 Millionen Euro landeten in einem Fonds, der die Reiterkarriere der Tochter der Freundin fördern sollte. Die Staatanwaltschaft hatte 12 Jahre Haft für die Vergehen gefordert. Lee Jae Yong, der der einzige Sohn und Erbe des Samsung-Chefs Lee Kun Hee ist, bestritt sämtliche Vorwürfe.

Samsung-Chef

Lee Yae Yong, verurteilter Samsung-Chef, in einer Archivaufnahme von 2016. KBS, Wikipedia, eigenes Werk

Die Verurteilung des Samsung-Erben ist Teil der Aufarbeitung eines Korruptionsskandals, der die südkoreanische Gesellschaft zutiefst erschüttert hat. In dessen Zentrum steht die ehemalige Präsidentin Park Geun Hye, die von den größten Firmen des Landes wohl mehr als ungerechnet 60 Millionen Euro an Schmiergeld kassiert hat. Dafür muss sich die mittlerweile abgesetzte Politikerin derzeit selbst vor Gericht verantworten.

Die Verwicklung von Samsung in den Skandal ist besonders brisant, da der größte Konzern des Landes ein Fünftel dessen Volkswirtschaft generiert. Das 1938 von Lees Großvater gegründete Unternehmen symbolisiert für viele Koreaner den wirtschaftlichen Aufschwung des Landes nach dem Koreakrieg 1950 bis 1953. Zuletzt stand es aber auch für die problematisch enge Verknüpfung von Politik und Wirtschaft in Südkorea.

Seit einem Herzinfarkt des Firmenchefs im Jahr 2014 nahm Lee Jae Yong die wichtigsten Führungsaufgaben im Konzern wahr. Medienberichten zufolge fehlt dem Konzern ein „Plan B“ für das Ausscheiden Lees.