Deloitte-Studie: Knappe Mehrheit zeigt sich aufgeschlossen, legt aber großen Wert auf Sicherheitsgarantien.

Deloitte-Studie: Knappe Mehrheit zeigt sich aufgeschlossen, legt aber großen Wert auf Sicherheitsgarantien. Fotolia

Garantiert sicher sollen die Selbstfahrer sein, von hoher (Marken-) Qualität und komfortabel. Am attraktivsten erscheinen autonom fahrende Autos bei ermüdenden und anstrengenden Routine-Situationen wie Stop-and-go oder der Parkplatzsuche. Die effizienteste Überzeugungsarbeit können Hersteller leisten, indem sie den künftigen Kunden eigene Erfahrungen ermöglichen, etwa im Rahmen ausgiebiger Probefahrten. Die Zahlungsbereitschaft der Kunden ist prinzipiell vorhanden – wenn auch mit Einschränkungen.

„Um die Verbraucher zu überzeugen, sollten Hersteller neben Probefahrten und Sicherheitsgarantien die Innenraumgestaltung so anpassen, dass die Passagiere die neu gewonnene Zeit sinnvoll nutzen können. Selbstfahrende Autos eröffnen zusätzlich auch anderen Marktteilnehmern ganz neue Perspektiven – zum Beispiel Verkehrsverbünden oder privaten Mobilitätsunternehmen. Bei den Autoherstellern wird sich das Geschäft mit Privatpersonen auf das Flottengeschäft verlagern“, erklärt Dr. Thomas Schiller, Partner Automotive bei Deloitte.

Jüngere und Vielfahrer besonders interessiert

Der technische Fortschritt macht‘s möglich: Autonomes Fahren kann schon sehr bald Realität werden. Zwar sind noch zahlreiche technische, rechtliche und politische Hürden zu überwinden, am Ende entscheidet jedoch die Kundenakzeptanz über den Erfolg des Konzepts. Laut der Studie zeigen sich 53 % generell aufgeschlossen, 63 % würden einen Selbstversuch wagen. Der Anteil der jüngeren Fahrer liegt dabei etwas höher. Erwartungsgemäß sind Vielfahrer und Pendler ebenfalls stärker an entsprechenden Lösungen interessiert.

Mit 68 % würden sich über zwei Drittel der Studienteilnehmer am ehesten durch eine Probefahrt von den Vorteilen autonomen Fahrens überzeugen lassen. Entsprechende Garantien der Hersteller inklusive einer Schadenregulierung im Bedarfsfall wären der Akzeptanz ebenfalls förderlich. Abseits dessen trägt auch und vor allem die Mundpropaganda zur Überwindung von Berührungsängsten bei – jedenfalls bei den jüngeren Verbrauchern.

Kontrolle nicht aus der Hand geben

Bei der Sicherheit stehen sich zwei Fakten diametral gegenüber: Einerseits soll autonomes Fahren diese prinzipiell erhöhen. Das wird aber nur unzureichend wahrgenommen beziehungsweise für glaubwürdig gehalten, denn andererseits erscheint den meisten Fahrern gerade die eigene, „händische“ Kontrolle als maßgeblich sicherheitsrelevant. Neben unzuverlässiger Technik, befürchtet von 65 %, werden Hackerangriffe und Datendiebstahl von 50 % als immanente Risiken empfunden. Rund die Hälfte hätte grundsätzliche Bedenken, das Fahrzeug völlig sich selbst zu überlassen. Auch hier gilt: Die Jungen haben größeres Vertrauen als die Älteren, Städter sind etwas zuversichtlicher als die Landbevölkerung.

Beim Thema autonomes Fahren heißt Vertrauen vor allem auch „Markenvertrauen“. Stärker als Volumenherstellern oder gar Nischenanbietern trauen die Befragten den etablierten (deutschen) Premiumherstellern zu, adäquate Lösungen zu entwickeln. Das erstreckt sich auch auf renommierte Prüforganisationen: Geben sie ihr „ok“, ist der Fahrer eher bereit, von Lenkrad, Gas und Bremse abzulassen.

Mehr Freude am Fahren versprechen sich die Studienteilnehmer überwiegend nicht – aber ein deutliches Plus bei Komfort und Zeitgewinn im Fern- und Stadtverkehr. Immerhin 67 % wollen dagegen nicht nur auf Autobahnen und in Metropolen davon profitieren, sondern auch auf Landstraßen und in allen Ortschaften. Beschränkungen jeglicher Art finden knapp 60 % inakzeptabel.

Mahr zahlen, weniger suchen

Wenn es ein anderer erledigt, kostet das in der Regel mehr. Das gilt auch für das autonome Autofahren: 61 % würden mehr zahlen, wenn sie dafür vom enervierenden Stop-and-go bei Autobahnstaus befreit würden – bei den älteren Fahrern sind es 68 %. Rund 50 % würden dasselbe tun, wenn sie keinen Parkplatz mehr suchen müssten. Für ein Drittel gilt das hinsichtlich des Ein- und Ausparkens. Vor allem Langzeitpendler sowie Intensivfahrer zeigen eine erhöhte Zahlungsbereitschaft.

Nach Alter betrachtet sinkt die Zahlungswilligkeit mit den Jahren. Sie hängt aber auch von den möglichen Bezahlmodellen ab: So bevorzugen 59 % eine Einmalzahlung für die unbegrenzte Nutzung autonomer Fahrfunktionen. Für ein „Pay-per-Use“-Modell würden sich hingegen nur 39 % entscheiden, eine Abo-Option stößt ebenso überwiegend auf Ablehnung wie ein werbefinanzierter Ansatz.

„Die grundsätzliche Offenheit der Verbraucher dem autonomen Fahren gegenüber muss jetzt noch mit adäquaten Bezahlmodellen verbunden werden, damit sich die neue Technologie etablieren kann. Zukünftig werden dadurch mehr Share-Economy-Modelle entstehen “, resümiert Schiller.