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Markus Greving, Geschäftsführer der Schleuniger GmbH.
Markus Greving, Geschäftsführer der Schleuniger GmbH.
Markus Greving, Geschäftsführer der Schleuniger GmbH.

Worin sehen sie ihre Hauptaufgaben mit Blick auf die deutschsprachige Kundschaft?

Durch den starken Aufschwung im vergangenen Jahr und die Zusammenführung der Vertriebsniederlassung in Heimsheim mit der Produktionsstätte in Radevormwald mussten etliche Prozesse und Aufgaben neu definiert werden. Das erforderte in der Anfangsphase viel Engagement und konzeptionelles Arbeiten. Kurzfristig wurden zudem zusätzliche Mitarbeiter eingestellt und entsprechend geschult, um den gestiegenen Marktanforderungen gerecht zu werden.

Bedingt durch meinen beruflichen Hintergrund und vielfältige Erfahrungen im Verkauf und Marketing setze ich sehr stark auf eine entsprechende Kundenorientierung. Eines meiner erklärten Ziele war und ist der Ausbau des bestehenden Kundenservices im deutschsprachigen Raum.

Das hatte insbesondere eine Neuausrichtung des Innendienstes zur Folge, der heute in Form von Tandems mit dem Außendienst zusammenarbeitet, um Kundenanfragen innerhalb kürzester Zeit zu beantworten und eine reibungslose Abwicklung sicherzustellen. Unser Ziel ist es, alle Anfragen spätestens innerhalb von 48 Stunden zu beantworten. Im Bereich Service wurde zudem die Mitarbeiterzahl verdoppelt, um kurzfristig und sehr flexibel auf Kundenanfragen reagieren zu können.

Zur Prozessunterstützung haben wir unsere ERP-Software auf den neusten Stand gebracht und zusätzlich eine vollständige Integration mit den Schwestergesellschaften voran getrieben. Diese Umstellung ermöglicht es uns, Kundenanfragen noch präziser und schneller zu beantworten. Des Weiteren konnten wir unsere Logistikkette optimieren, sodass sich die Lieferzeiten für Neumaschinen und Ersatzteile verkürzt haben.

Schon nach wenigen Wochen konnten wir deutliche Verbesserungen feststellen, auch wenn sicherlich noch die technischen Produktkenntnisse weiter vertieft und Prozesse kontinuierlich verbessert werden müssen.

Wie entwickelt sich der Kundenservice international und natürlich auch in Deutschland?

Neben entsprechenden Qualitätsprodukten entwickelt sich ein guter Kundenservice – national und international – zum immer wichtiger werdenden Schlüsselfaktor im Maschinenbau. Durch die Verschmelzung der Märkte infolge einer fortschreitenden Globalisierung steigen die Anforderungen in diesem Bereich weltweit.

Wir sind noch nicht da, wo wir sein wollen. Wir haben aber durch eine konsequente Aufstockung des Personals und dessen kontinuierliche Schulung hoch motivierte und kompetente Mitarbeiter gewinnen können. Die positiven Auswirkungen eines erstklassigen Arbeitsklimas bekommt schlussendlich auch der Kunde zu spüren.

In Deutschland und Österreich sind wir mittlerweile mit Servicestützpunkten an fünf Standorten vertreten. International arbeiten wir eng mit unseren Vertriebsniederlassungen in den USA, China und Japan zusammen und setzen auf über 40 Distributoren rund um den Globus, die regelmäßig von uns weitergebildet werden. Dadurch können wir dem Kunden weltweit in den Bereichen Beratung, Services und Verkauf zuverlässig zur Seite stehen.

Wie haben ihre europäischen Kunden die letzte Krise aus ihrer Sicht überstanden, und in welchen Bereichen wird jetzt wieder investiert?

Die Wirtschaftskrise 2009 war die größte seit 1929 und erforderte viel unternehmerischen Einfallsreichtum. Viele Firmen waren gezwungen, Mitarbeiter zu entlassen. Damit kam auch oft unbezahlbares Fachwissen abhanden, das von neuen Mitarbeitern nun Schritt für Schritt wieder erworben werden muss.

In Deutschland musste zum Glück keiner unserer Kunden Insolvenz anmelden. Leider hatten wir allerdings auf der Lieferantenseite mit einigen Konkursen in der Hochlaufphase zu kämpfen, wodurch sich unsere Lieferzeiten sprunghaft verlängerten.

Auch der Maschinenbau war von der Krise stark betroffen. Aber zu unserer Überraschung stiegen unsere Auftragseingänge ab April 2010 fast so stark an, wie sie Ende 2008 abrupt abgebrochen waren. Wir schließen aus dieser Entwicklung, dass sich der Gesamtmarkt – und damit auch unsere Kunden – sehr schnell wieder erholt hat, besonders in den Segmenten Automotive, Solar- und Elektroniktechnik. 2011 hat sich der konjunkturelle Aufschwung unvermindert fortgesetzt, auch wenn Investitionsentscheidungen deutlich länger benötigen und mehrfach hinterfragt werden.

Auffallend ist der Trend zur Rationalisierung: Selbst für kleinere Stückzahlen wird nach der Krise in flexible Automatisierungstechnik investiert, sodass bei gleichem Personalbestand eine deutlich höhere Produktivität erreicht werden kann.

Schleuniger entwickelt und fertigt Maschinen, Geräte und Komplettlösungen für die Kabelkonfektion zum Abisolieren, Crimpen, Schneiden, Ablängen und Bedrucken – auch für Koaxialkabel und Flachkabel. Bei welchen Techniken darf man Weiterentwicklungen erwarten?

Der Markt fordert eine immer größere Flexibilität bei kleinen und großen Stückzahlen, sogar in Branchen wie Automotive, in denen man dies nicht unbedingt erwarten würde. Das erfordert zum einen immer höhere Verarbeitungsgeschwindigkeiten sowie zum anderen kurze Umrüstzeiten. Oft sind dazu flexible parametrierbare (Standard-)Lösungen der beste Weg, um maximale Produktivität durch den Einsatz unserer Maschinen zu gewährleisten.

Schleuniger ist sich dieser Entwicklung bewusst und hat vergangenes Jahr zum Beispiel den Powerstrip 9550 als Vorreiter einer neuen Klasse von Abläng- und Abisolierautomaten auf den Markt gebracht. Durch den modularen Aufbau wird dem Kundenbedürfnis nach Flexibilität und Wirtschaftlichkeit entsprochen, ohne dass auf bewährte Bestandteile wie den patentierten Mehrfachmesserkopf verzichtet werden muss. Auch der Cut Strip Terminate-Bereich wird laufend erweitert.

Wo hat Schleuniger Stärken, wo Schwächen, die es zu beseitigen gilt?

Bei unserer Kundenorientierung besteht – wie schon erwähnt – im deutschen Markt nach wie vor ein Verbesserungsbedarf. Durch eine Aufstockung der Mitarbeiterzahl sowie eine Anpassungen von Strukturen wurden dringend notwendige Maßnahmen bereits umgesetzt. Ich bin zuversichtlich, dass der Übergangsprozess in naher Zukunft abgeschlossen sein wird und alle eingeleiteten Änderungen greifen. Weiteres Entwicklungspotential sehe ich im Bereich Time to Market und Supply Chain Management durch unternehmensweit standardisierte Prozesse sowie bei der Operational Excellence, die wir mit einer unternehmensweiten Lean-Initiative angehen.

Durch unsere schlagkräftige Unternehmensgröße können wir sehr flexibel auf Kundenbedürfnisse und Markttrends reagieren und maßgeschneiderte Lösungen entwickeln. Nicht zuletzt macht auch der globale Footprint Schleuniger zu einem attraktiven Geschäftspartner, speziell für unsere weltweit engagierten Kunden.

Die Unternehmenskultur ist nach wie vor geprägt von der deutsch-schweizerischen Mentalität der Ursprungsfirma, die Präzision mit Herzlichkeit verbindet. Durch diese Besonderheit ist Schleuniger für viele Mitarbeitende nicht nur ein attraktiver Arbeitsplatz, sondern auch ein bisschen eine Art Familie.

Inwieweit sind neue Branchen, wie zum Beispiel der Bereich Photovoltaik für sie interessant geworden?

Durch die Ereignisse im japanischen Fukushima und die anschließend weltweit wieder intensiv diskutierte Frage nach alternativen Energien wird die Photovoltaik als dezentrale Schlüsseltechnologie insbesondere in Deutschland immer wichtiger. Der im Juli beschlossene schrittweise Atomausstieg zwingt zum Umdenken. Daher nimmt Deutschland – trotz starker asiatischer Konkurrenz – in dieser Technologie wegen herausragender Ingenieurleistungen und nicht zuletzt wegen der staatlichen Förderung immer noch eine Vorreiterrolle ein. Welche Auswirkungen die sinkende Einspeisevergütung auf diese Entwicklung hat, bleibt abzuwarten. Zurzeit wächst Schleuniger Deutschland zumindest im PV-Markt am stärksten, weil es dabei um die automatisierte Verarbeitung von Kabeln und Steckern in Großserie geht.

Der umsatzstärkste Bereich sind hierbei Transferanlagen, die wir individuell auf jedes Kundenbedürfnis zuschneiden. Der zweitstärkste Bereich sind Crimpvollautomaten – maßgeschneidert für die jeweilige Anwendung – gefolgt von Produktionslinien.

Speziell in der Photovoltaik kommt dem Kunden unsere „Schweizer Präzision“ zu Gute; zuerst in der hohen Produktivität automatischer Anlagen und später zum Beispiel beim hohen Nutzungsgrad durch niedrige Übergangswiderstände.

Ein anderer Markt, in dem wir unverändert wachsen, ist die Elektronik, die uns mit zunehmender Miniaturisierung immer wieder vor neue Herausforderungen stellt. Dazu werden wir auf der kommenden Productronica einige Neuerungen vorstellen, die den Kunden weitere Innovationsschübe ermöglichen.

Qualität hat sich bisher weltweit immer durchsetzen können. Gibt es eine ernst zu nehmende Konkurrenz aus Fernost, die ihnen mittel- oder langfristig Marktanteile nehmen könnte?

Unsere Maschinen werden in Qualitätsarbeit in Deutschland und der Schweiz von ausgebildeten Fachleuten konstruiert, hergestellt und montiert. Jede Maschine wird sorgfältig getestet und geprüft, bevor sie unsere Werke verlässt – ganz getreu unserem Motto „To Be Precise.“ Durch unser seit über 35 Jahren sorgsam gepflegtes Fachwissen sowie der Präzision als Firmenphilosophie verbunden mit einem deutlichen Innovationsvorsprung haben wir im Premium-Segment keine ernsthafte asiatische Konkurrenz.

Das wird unter anderem auch dadurch unter Beweis gestellt, dass wir kürzlich bei einem großen asiatischen Kunden verschiedene Benchmarks im Bereich der manuellen Kabelabisoliermaschinen sowie Crimpvollautomaten gewonnen haben. Zudem setzen alle Global Player unsere Maschinen auch in Asien ein.

Damit dies auch in Zukunft so bleibt, wird unsere Produktinitiative „2013″ ständig weiter ausgebaut. Als Beispiel sei die Crimpcenter 36 Produktlinie genannt, mit der wir für einige Anwendungsbereiche durch erneute Effizienzsteigerungen die Teilekosten unserer Kunden weiter reduzieren konnten. Wir sind uns bewusst, dass man das hohe Know-How nur mit hochqualifizierten und motivierten Mitarbeitern sowie Innovationen und Operational Excellence vorne behalten kann. Daher liegt der Fokus in den nächsten Jahren auf schlanken Fertigungsstrukturen und konsequentem Supply Chain Management.

Sie werden zur productronica 2011 in München ausstellen. Was erwartet den Besucher am Stand der Schleuniger AG?

Ein Trend in der Kabelkonfektion ist die zunehmende Miniaturisierung im Bordnetz. Durch den Anstieg des Kupferpreises sind kleine Leiterquerschnitte – und damit ein verminderter Kupferbedarf – und entsprechende Verarbeitungstechnologien mehr denn je gefragt. Schleuniger bietet hierfür verschiedene Lösungen an: vom einfachen Nachrüsten bestehender Anlagen durch individuell zusammenstellbare Kits (Option VSW – Very Small Wire) bis zur spezialisierten Ader-Endbearbeitungsstation.

Genau gegenläufig ist der Trend im Bereich der Elektrifizierung von Automobilen. Durch die konstant wachsende Zahl von Hybrid- und E-Fahrzeugen steigt auch die Nachfrage nach geeigneten Anwendungen für die doppelt gemantelten und geschirmten Hybridleitungen mit großem Querschnitt. Wir erweitern unsere Kernkompetenz in der Koaxialkabelverarbeitung mit einer Lösung für vollautomatische Konfektion.