Änderungen an Steuerungsgeräten wie SPSen können bei Fehlern in der Programmierung zu einem Anlagenstillstand oder einer Fehlproduktion führen.

Änderungen an Steuerungsgeräten wie SPSen können bei Fehlern in der Programmierung zu einem Anlagenstillstand oder einer Fehlproduktion führen. Zinkevych/Fotolia.com/Auvesy

Steigender Kosten- und Zeitdruck zwingt Anlagenbetreiber dazu, die Anlagenverfügbarkeit hoch beziehungsweise Stillstands- und Wiederanlaufzeiten gering zu halten. Knackpunkt sind hierbei häufig Änderungen an Steuerungsgeräten wie SPSen, die bei Fehlern in der Programmierung zu einem Anlagenstillstand oder einer Fehlproduktion führen können. Der Bedarf, Änderungen an SPS-Programmen (EN 61131), zu überwachen, nachzuverfolgen, zu vergleichen und zu sichern, ist also konkret vorhanden.

Der Einführung eines Versions- und Datenmanagementsystems stehen Mitarbeiter allerdings häufig kritisch gegenüber. Augenscheinlich geht eine manuelle Verwaltung jahrelang gut: Daten werden mutmaßlich gesichert und über verschiedene Tools verwaltet. Dabei bleibt unbeachtet, dass die Anzahl an Bearbeitern, Geräten und somit Daten und Fehlerquellen im Laufe der Zeit stetig zunimmt. Mit dem ersten größeren Störungsfall, dürfte jedoch deutlich werden, dass eine rein manuelle Versionsverwaltung zu kurz gedacht ist. Ein Versionsmanagementsystem hätte sich bereits gelohnt. Zudem: Der Automatisierungsgrad wird in den kommenden Jahren mit Blick auf Themen wie Industrie 4.0 und Digitalisierung keinesfalls abnehmen – ganz im Gegenteil.

Mithilfe eines Versionsmanagementsystems lassen sich Versionsunterschiede leicht feststellen.

Mithilfe eines Versionsmanagementsystems lassen sich Versionsunterschiede leicht feststellen. Auvesy

Mythos 1. Ein Versionsmanagementsystem ist unnötig – unsere Anlage läuft doch auch ohne entsprechende Softwareunterstützung schon jahrelang.
Ohne moderne Versionsverwaltung und zeitlich abgestimmte oder festgelegte Upload-, Download- und Vergleichsprozesse können sich Betreiber niemals sicher sein, dass der Softwarestand, der ihre Anlage steuert, der Version entspricht, die sie zuletzt freigegeben haben. Denn ohne Abgleich von Online-Stand (Anlage) und Offline-Stand (Server) sowie einem detaillierten grafischen Vergleich von unterschiedlichen Versionenständen betreiben Mitarbeiter die Anlage quasi blind. Aktuelle Versionsverwaltungssysteme bieten eine Backup-Strategie – auch werksübergreifend: Gesicherte Daten von verteilten Standorten lassen sich über den zentralen Speicher synchronisieren und Versionsunterschiede feststellen.

Mythos 2. Das Implementieren einer Versionsverwaltung ist riskant und aufwendig.
Die Zeiten von riesigen Servern und langwierigen Softwareimplementierungen sind vorbei. Mit der heutigen Softwaretechnologie lässt sich eine Versionsverwaltung mit geringem Aufwand umsetzen – das System könnte sogar direkt von einem USB-Stick aus betrieben werden. Nötig sind lediglich ein zentraler Server und eine beliebige Anzahl an installierten Clients. Durch diese Server-Client-Architektur können User auch im Offline-Modus arbeiten und neue Versionen zu einem späteren Zeitpunkt einchecken. Ein weiterer Vorteil ist die intelligente Benutzerverwaltung (automatische Synchronisation über Active Directory), die unberechtigte Zugriffe vermeidet und automatisch die jeweiligen Bearbeiter dokumentiert.

Mythos 3. Ein Versionsverwaltungssystem dient vornehmlich der Rationalisierung von Arbeitsplätzen.
Auch in hochautomatisierten Anlagen bleiben qualifizierte Mitarbeiter eine wichtige und nicht ersetzbare Ressource. Unterstützende Softwaresysteme können immer nur so intelligent wie ihre Programmierer und Anwender sein. Gerade im Bereich Datenmanagement ist die korrekte und gewissenhafte Datenpflege ein ausschlaggebender Faktor. Ziel ist es, aufwendige, jedoch niedrig qualifizierte Aufgaben wie die manuelle Datensicherung und Versionsabgleich sowie zeitintensives Suchen nach Datenträgern und Ablageorten von Datensicherungen weitgehend zu automatisieren. Dies setzt bis dato hierfür gebundenes Personal und vor allem deren Know-how für anspruchsvolle, wertschöpfende und vorrausschauende Projekte frei.

Änderungshistorie auf einen Blick

Änderungshistorie auf einen Blick Auvesy

Mythos 4. Unsere laufende Versionsverwaltungsstrategie ist ausreichend – eine Software verursacht nur unnötigen Schulungsaufwand.
Der Abgleich von Dateigröße und Datum allein ermöglicht keine aussagekräftige Versionsverwaltung und schon gar keinen inhaltlich detaillierten Versionsvergleich der auf dem Server synchronisierten Steuerungsprogramme. Von einer eindeutigen Identifikation und Kennzeichnung der gültigen und zuletzt freigegebenen Version ganz zu schweigen. Inhomogene Automatisierungsanlagen bedingen unterschiedliche Projektierungstools und Editoren, die im Schichtbetrieb von immer größer werdenden Produktions- und Instandhaltungsteams gewartet und programmiert werden. Eine softwarebasierte Lösung kann hier Licht ins Dunkel bringen. Die meisten Systeme integrieren gewohnte Editoren, unterstützen die Instandhaltung durch eine menügeführte Dokumentation und automatisierte Datensicherung. Die Bedienung erfolgt intuitiv und der Schulungsaufwand bleibt gering.

Mythos 5. Eine homogene Automatisierungsumgebung ist Grundvoraussetzung.
Auch einzelne Steuerungshersteller bieten Versionsverwaltungslösungen an. Diese unterstützen jedoch punktuell nur die eigenen Geräte und sind somit auch nur in homogenen Anlagen wirklich effektiv. Doch wo finden sich heute noch homogene Automatisierungsanlagen? Der Automatisierungsmarkt sowie die Anzahl der Hersteller und Anbieter wachsen konstant, wodurch die Komplexität in den Anlagen zunimmt. Heutige Anlagen sind daher eine bunte Mischung aus unterschiedlichen Robotertypen, Feldgeräten, Steuerungsprogrammen, Antriebssystemen, Programmiersprachen und Dateiformaten. Ein zukunftssicheres Versionsverwaltungssystem sollte daher herstellerunabhängig und offen sein. Es unterstützt nicht nur die gängigsten Automatisierungssysteme, sondern adaptiert darüber hinaus regelmäßig die neuesten Geräteversionen, um den benötigten Vergleich bereitzustellen.

Mythos 6. Versionsverwaltung funktioniert nur dann, wenn keine externen Lieferanten mit im Spiel sind.
Aus dem heutigen Arbeitsumfeld sind Begriffe wie Lean Production oder Lean Maintenance nicht mehr wegzudenken. Mit Fokus auf Effizienz- und Produktivitätssteigerung ist es daher eher die Ausnahme, dass keine externen Dienstleister und Lieferanten beauftragt werden. Es gibt Versionsverwaltungssysteme, die in der Lage sind, Änderungen nachzuvollziehen, zu überwachen, zu vergleichen und zu prüfen, die von Systemintegratoren und OEMs an Steuergeräten vorgenommenen wurden.

Trotz Versionsverwaltung sollte auf ein restorefähiges Backup nicht verzichtet werden.

Trotz Versionsverwaltung sollte auf ein restorefähiges Backup nicht verzichtet werden. Auvesy

Mythos 7. Wenn ich eine Versionsverwaltung habe, brauche ich kein Backup.
Falsch: Die Versionsverwaltung ist kein Ersatz für Backups, noch weniger ist ein Backup ein Ersatz für die Versionsverwaltung. Es handelt sich um zwei unterschiedliche Werkzeuge, die zusammen jedoch Synergien schaffen und für eine hohe Verfügbarkeit relevanter Daten sorgen. Eine zentrale Datensicherung oder Versionskontrolle allein liefert keine hundertprozentige Sicherheit für konsistente Daten. Ob die zentral abgelegten Projekte mit den produktiven Programmen (Offline- Online-Stand) tatsächlich übereinstimmen, lässt sich nur durch einen regelmäßigen automatisierten Abgleich der Softwarestände sicherstellen. Dadurch können Änderungen aufgespürt und entsprechend analysiert werden. Im Gegenzug ergibt es keinen Sinn, Backup-Daten automatisiert zu versionieren. Denn am Ende des Tages steht nur fest: Backup ist nicht gleich Backup. Für ein Fast Disaster Recovery wird aber ein restorefähiges Backup der zuletzt gültigen Version benötigt. Das bedeutet, dass Symbole und Kommentare mit abgezogen werden müssen. Anlagenbetreiber sollten daher bei der Auswahl eines automatisierten Datenmanagementsystems unbedingt die Art und Qualität der darüber ausgeführten Datensicherung berücksichtigen, sodass jederzeit ein restorefähiges Backup für die Daten- und Anlagenverfügbarkeit besteht.