Blick in die Fertigung bei Smyczek in Verl.

Blick in die Fertigung bei Smyczek in Verl.Smyczek

Auf einer Fertigungsfläche von 4.500 m² stellt die seit 1997 nach ISO-9001 zertifizierte Smyczek GmbH & Co. KG mit aktuell über 200 Mitarbeitern Baugruppen und Geräte für die Elektronik-Industrie her. Hauptsächlich werden Produkte für die Automatisierungstechnik wie Industrie-PCs, Automatisierungs-, Steuerungs- und Kommunikationsmodule gefertigt. Den Löwenanteil der Produktion, ca. 85 Prozent, liefert das EMS-Unternehmen direkt an die Beckhoff-Unternehmensgruppe, der Smyczek seit Dezember 2009 angehört. Mit 15 Prozent seiner Produktionsleistung bedient die Firma weitere Industriekunden, die vorwiegend in der Region des Elektronikspezialisten angesiedelt sind.

Seit 1995 ist Smyczek jährlich um ca. 15 Prozent gewachsen. Zur bestmöglichen Ausnutzung von Maschinen und Produktionsfläche arbeitet das Unternehmen seit sechs Jahren an fünfeinhalb Tagen in der Woche im Dreischichtbetrieb. Auf sieben Fertigungslinien – eine Mimot-Linie, eine Siplace-X-Linie und fünf Assembléon-Linien – wurden 2008 insgesamt 300 Mio. Bauteile bestückt. Die Wirtschaftskrise drückte 2009 diesen Wert auf etwa 220 Mio. herab. Ab 2010 sollte es dann wieder deutlich bergauf gehen.

Das Projekt

Unterschiedliche Systeme für die SMD-Bestückung machten eine flexible Fertigungsplanung für die mehr als 1.000 verschiedenen Baugruppen für Beckhoff zu einer äußerst sportiven Dauerherausforderung. Inkompatibilität der Feedersysteme und grundlegend unterschiedliche Betriebssoftware zeigten sich als unüberwindliche Hindernisse für eine übergeordnete Planung. Einsetzende Markterholung und damit verbundenes starkes Wachstum der Beckhoff-Gruppe gaben schließlich den Startschuss zu einem umfassenden Restrukturierungsprojekt für die SMT-Fertigung bei Smyczek.

Smyczek-Geschäftsführer Roland Smyczek (l.) und Michael Schlegel sowie Wolfgang Steinbach (r.), Assembléon Deutschland.

Smyczek-Geschäftsführer Roland Smyczek (l.) und Michael Schlegel sowie Wolfgang Steinbach (r.), Assembléon Deutschland.Assembleon

Durch einen stufenweisen Umbau soll die Fertigung für die Beckhoff-Produkte ab Ende 2012 auf drei identischen Linien eines Herstellers gefahren werden. Die Eckdaten der Anforderungen an die künftige, hochflexible Produktionslösung lassen sich in sieben Punkten zusammenfassen:

  • Umstellung auf drei identische Linien eines Lieferanten bis Ende 2012,
  • Bestückkapazität pro Linie und Jahr: 150 Mio. Bauteile im Dreischichtbetrieb,
  • Software-Lösung für Rüstoptimierung als Festrüstung (statisch) oder Rüstfamilien (dynamisch),
  • Kapazität von mindestens 400 Feederstellplätzen je Linie für 8-mm-Feeder,
  • Verfügbarkeit von 88-mm-Feedern sowie Bauteilzuführung aus Paletten und Sticks,
  • Wechselwagen für schnelle Umrüstung der Feeder auf beiden Seiten der Linie,
  • automatischer Palettenwechsler sowie
  • Verarbeitung von Odd-Form-Bauteilen bis 25 mm Bauteilhöhe.

Auf Anregung der Beckhoff-Gruppengeschäftsführung untersuchten Roland Smyczek und Michael Schlegel, beide Geschäftsführer bei Smyczek, zunächst die Option, die bestehende Siplace?X-Linie auf drei Maschinen zu erweitern und sukzessive zwei weitere, identische Linien bis Ende 2012 aufzustellen. Dieser Ansatz scheiterte letztendlich daran, dass der Maschinenhersteller die Verfügbarkeit der X-Serie bis Ende 2012 nicht garantieren konnte. In der Endrunde der Systemauswahl trat die von den Assembléon-Ingenieuren vorgeschlagene Linie aus MC-Maschinen (Modular Compact) gegen eine Siplace-SX-Konfiguration an.

To-do-Liste

Damit die geforderten Eckdaten des Projekts voll erfüllt werden, hat Assembléon die Entwicklung eines Feeders für 88-mm-Tapes initiiert, der bisher noch nicht im Portfolio des Unternehmens enthalten war, sodass man Smyczek deren rechtzeitige Verfügbarkeit zusagen konnte.

Um den Ansprüchen an die Softwarelösung bezüglich komplexer Rüstfamilienbildung überzeugend gerecht zu werden, konnten Smyczek und Assembléon mit Diplan aus Erlangen einen äußerst kompetenten Partner gewinnen, der in der Branche seit vielen Jahren für hochprofessionelle Lösungen zu Rüststrategie und Auftragsplanung bekannt ist.

Der Vorschlag

Auf einer Länge der vorgeschlagenen Assembléon-Bestücklinie von nur 6,2 m sorgen vier Module der MC-Serie für eine Linien-Bestückleistung von 86.100 Bt/h gemäß der herstellerneutralen IPC-9850: Einem MC-24-Modul als Chip-Shooter folgen zwei MC-1-Module als universelle Chip- und IC-Bestücker. Den Abschluss bildet ein MC-8-Modul mit Palettenwechsler und der Möglichkeit, besonders hohe Odd-Shaped- und Einpress-Bauteile zu bestücken.

Mit 429 Feederplätzen ist Smyczeks Anforderung an die Feederkapazität jeder Linie mehr als erfüllt. Das Spektrum der verarbeitbaren Bauteile reicht von 01005-Chips über quadratische ICs bis zu 54 mm x 54 mm bis hin zu Odd-Shaped-Bauteilen mit 100 mm x 45 mm und kontrollierten Einpresskräften.

Die Vorteile

„Die Entscheidung für das neue Assembléon-Konzept mit MC-24X beruht, außer auf der Erfüllung der notwendigen Eckdaten, vor allem auf der Gesamtwirtschaftlichkeit der Lösung“, berichtete Roland Smyczek. Die MC-Serien (Modular Compact) von Assembléon bieten neben mehr Flexibilität und einer schnellen Umstellung viele weitere Vorteile. Die Gesamtwirtschaftlichkeit (Total-Cost-of-Ownership) umfasst außer der Anfangsinvestition in Hard- und Software vor allem die laufenden Kosten des Anlagenbetriebs.

Assembléon hat dem Kunden Smyczek bei der Investitionssumme das kleinere Budget abgefordert als der Mitbewerb. In einem weiteren Schritt kam es darauf an, Kostenvorteile auch bei den Verbrauchswerten aufzeigen zu können. Grundlage des Vergleichs waren die veröffentlichten Datenblattwerte der jeweiligen Hersteller bezüglich Strom- und Druckluftverbrauch sowie eine Jahresnutzungszeit von 6.000 Stunden (250 Arbeitstage zu je 24 Stunden im Dreischichtbetrieb). Beim Stromverbrauch begnügte sich die Assembléon-Linie mit 41 Prozent des Verbrauchswerts des Mitbewerbs, beim Luftverbrauch genügten den MC-Maschinen sogar nur 30 Prozent des Vergleichswerts.

Bei einer kalkulierten Nutzungsdauer der Anlagen von 5 Jahren summiert sich die Ersparnis bei den Verbrauchskosten auf über 60.000 Euro je Linie. Bei den Kostensätzen wurden die aktuellen, unter www.energy.eu und www.energystar.gov veröffentlichten Sätze für 2010 zu Grunde gelegt. Für den, der mit künftig steigenden Energiekosten rechnet, eröffnet sich hier ein noch größerer Kostenvorteil.

Da Smyczek bereits langjährige Erfahrungen mit Maschinen von Siemens und Assembléon hat, war es keine besondere Überraschung mehr für die Geschäftsführer, dass das Assembléon-Team auch in den Bereichen Reparatur & Wartung spürbare Kostenvorteile darstellen konnte.

Die Umsetzung

Im Anschluss an Besuche bei Referenzkunden hatte Smyczek die Entscheidung zu Gunsten der Lösung von Assembléon gefällt: Mit drei sofort verfügbaren Demomaschinen wurde im Juli 2010 eine temporäre Produktionslösung installiert. Nach Komplettierung der Linie und Austausch gegen Neumaschinen wurde Ende September 2010 die erste der drei neuen Assembléon-Linien im Werk von Smyczek abgenommen. Bereits im Vorfeld konnten die Verhandlungen für die zweite und dritte Linie erfolgreich abgeschlossen werden. Deren Installationen erfolgten ebenfalls noch im letzten Jahr.

Roland Smyczek erläutert: „Wir haben seit vielen Jahren sehr gute Erfahrungen mit Assembléon gemacht. Seit 1996 setzen wir ihre Maschinen ein und konnten feststellen, dass sie stabil laufen, wenig Wartung erfordern und kaum störanfällig sind.“

Die SMT-Linie mit der MC24 und weiteren 4 MC1-Bestückern von Assembléon.

Die SMT-Linie mit der MC24 und weiteren 4 MC1-Bestückern von Assembléon.Smyczek

Die wirtschaftliche Erholung in 2010 bescherte dem Verler EMS-Dienstleister gegenüber 2009 eine Verdopplung seiner Jahres-Bestückleistung auf 450 Mio. Bauteile. Für das laufende Jahr 2011 plant Smyczek, die 1-Milliarde-Bauteile-Marke zu knacken. So gab es eine freudige Überraschung für das Assembléon-Team, als es während einer gemeinsamen Party bei Smyczek im Oktober mit dem Wunsch nach zwei weiteren Linien für Februar 2011 konfrontiert wurde.

„Ob mit den Februar-Maschinen die Investition in Assembléon-Bestücklinien vorerst abgeschlossen sein wird, ist noch nicht klar“, kommentiert Michael Schlegel die aktuelle Situation des Hauses Smyczek augenzwinkernd. „Das Ende des wirtschaftlichen Aufschwungs ist noch nicht in Sicht.“